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We Live Tower in Frankfurt-Niederrad: Mikro-Apartments für wen?

Im Frankfurter Stadtteil Niederrad entsteht der We Live Tower mit 364 Apartments – doch der Hessische Mieterbund kritisiert das Projekt als kaum sozial.

Redaktion
·
24. August 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 4 Wochen

Ein alter Büroturm wird zum Wohnprojekt – klingt gut, oder?

In Frankfurt-Niederrad tut sich was: Ein Bürogebäude aus den 80er Jahren wird gerade zu einem riesigen Apartmenthaus umgebaut. „We Live Tower“ heißt das Projekt, 364 Apartments sollen entstehen. Als Zielgruppe nennen die Projektpartner Studierende, Auszubildende und Berufseinsteiger. Klingt erstmal nach einer guten Nachricht für den angespannten Frankfurter Wohnungsmarkt – aber ganz so einfach ist es nicht.

Wer steckt dahinter?

Das Projekt wird von der Mainzer Aufbaugesellschaft (MAG) gemeinsam mit der privaten i Live Group aus Aalen in Baden-Württemberg umgesetzt. Die MAG gehört dabei zu großen Teilen der Stadt Mainz – Aufsichtsratsvorsitzender ist Oberbürgermeister Nino Haase. Sprich: Hier ist kommunales Geld im Spiel. Neben vollmöblierten Mikroapartments sind auch 144 sogenannte Serviced Apartments mit hotelartigen Dienstleistungen geplant. Ergänzt werden soll das Ganze durch eine Kindertagesstätte und zwölf zusätzliche Wohnungen in einem Neubau.

Was kostet das Wohnen dort?

Genau das ist die große Frage – und die Antwort bleibt bislang aus. Zu den geplanten Mietpreisen machen MAG und i Live Group aktuell keine Angaben. Die würden „zu gegebener Zeit“ veröffentlicht, heißt es auf Nachfrage. Ein Blick auf ein anderes Projekt der i Live Group in Frankfurt gibt aber eine Ahnung: Dort, direkt neben der Frankfurt School of Finance and Management, werden aktuell vollmöblierte Apartments mit rund 19 Quadratmetern für 921 Euro im Monat angeboten. Ob die Mieten im We Live Tower ähnlich hoch ausfallen, ist offen.

Mieterbund schlägt Alarm

Gert Reeh, der Vorsitzende des Hessischen Mieterbundes, kritisiert das Projekt scharf – besonders wegen der kommunalen Beteiligung. Mikroapartments und Serviced Apartments fielen häufig durch hohe Mieten auf, sagt er. Und wer soll sich das leisten? In Frankfurt fehle vor allem bezahlbarer Wohnraum für Familien und Einkommensschwache. Da sieht Reeh kommunale Unternehmen klar in der Pflicht.

Zwar ist auch geförderter Wohnraum geplant: Zwölf Doppelapartments mit 24 Wohnplätzen sollen für ein Förderprogramm der Stadt Frankfurt für Studierende und Auszubildende angemeldet werden. Doch für den Mieterbund ist das nicht mal ein soziales Feigenblatt – Reeh nennt es schlicht „nur einen Stecknadelkopf“. Und: Bei der Stadt Frankfurt ist bisher kein Förderantrag für das Projekt eingegangen, teilt das Planungsdezernat mit. Planungsdezernent Markus Gwechenberger (SPD) hatte der MAG schon vor einiger Zeit vorgeschlagen, das Programm zu nutzen.

MAG verteidigt das Projekt

Die Mainzer Aufbaugesellschaft sieht das naturgemäß anders. Das Projekt habe sehr wohl einen öffentlichen Mehrwert: Ein Bürogebäude werde vor dem Abriss bewahrt und einer neuen Nutzung zugeführt – das schone Ressourcen. Außerdem entstehe neuer Wohnraum in einem ohnehin angespannten Markt. Das stimmt – aber die entscheidende Frage bleibt, für wen dieser Wohnraum wirklich erschwinglich sein wird.

Fazit: Frankfurt braucht mehr als Mikroapartments

Der Sound der Weltstadt ist laut – und der Wohnungsmarkt in Frankfurt ist es auch. Projekte wie der We Live Tower zeigen, wie schwierig die Balance zwischen privatwirtschaftlichem Interesse und sozialem Anspruch ist. Solange die Mietpreise nicht auf dem Tisch liegen, bleibt die Frage offen: Wohnen für alle – oder nur für die, die es sich leisten können? Wir bleiben dran und halten euch auf dem Laufenden. Jetzt reinhören – bei Radio Frankfurt, dem besten Programm im Main-Gebiet!

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