Hessens Museen zeigen nur einen Bruchteil ihrer Sammlungen. Was wirklich in den Depots schlummert – vom van-Gogh-Rahmen im Städel bis zum ausgestorbenen…
Ihr habt schon mal ein Museum besucht und gedacht: „Wow, das ist viel“? Tja, was ihr gesehen habt, ist meistens nur die Spitze des Eisbergs! In den Depots der hessischen Museen lagern Schätze, die die meisten von uns niemals zu Gesicht bekommen. Von einem ausgestorbenen Papagei über einen leeren van-Gogh-Rahmen bis hin zu einer über 150 Jahre alten Schimpansenfamilie – hinter den Kulissen ist die Welt der Museen mindestens genauso spannend wie der Ausstellungsraum selbst.
Direkt hier in Frankfurt hat das Städel eine echte Rarität versteckt: Im Depot lagert der originale, leere Bilderrahmen des Gemäldes „Bildnis des Dr. Gachet“ von Vincent van Gogh. Klingt erstmal unspektakulär – ist aber ein Stück Kunstgeschichte pur! Insgesamt schlummern dort rund 3.000 Gemälde und Skulpturen sowie mehr als 100.000 Zeichnungen und Druckgrafiken. Nach außen hin sieht man davon gerade mal rund 1.000 Werke in der Dauerausstellung. Der Rest? Klimatisiert, dunkel und sicher verwahrt. Die Sammlung ist nahezu vollständig digitalisiert – damit Forscher und Museen weltweit Zugriff haben. Allein in diesem Jahr werden rund 230 Werke für 66 Ausstellungen weltweit verliehen, darunter Zeichnungen von Raphael ans Metropolitan Museum New York.
Noch beeindruckender wird’s beim Senckenberg Naturmuseum, ebenfalls in Frankfurt. Rund 11.000 Exponate seht ihr dort – aber in den wissenschaftlichen Sammlungen lagern mehr als 40 Millionen Objekte! Tiere, Pflanzen, Gesteine, Mineralien – ein riesiges Archiv der Natur. Besonders berührend: In einer Schublade eines alten Holzschranks liegt ein ausgestopfter Kuba-Ara. Diese Vogelart ist um 1870 ausgestorben. Laut Gerald Mayr, Leiter der Ornithologie am Senckenberg, gibt es weltweit nur noch sehr wenige solcher Präparate. Etwa 15 Prozent der Sammlungen sind digitalisiert – dabei kommt sogar KI zum Einsatz, etwa zur automatisierten Erkennung alter Etiketten.
Das ist aber nicht nur ein Frankfurter Ding! In der Gemäldegalerie Alte Meister in Kassel umfasst der Bestand mehr als 2.000 Gemälde – rund 500 werden ausgestellt, 1.500 nicht. Galeriedirektor Justus Lange bringt es auf den Punkt: „Das Depot ist wie eine Herzkammer, die immer wieder frisches Blut in die Ausstellung pumpt.“ Mehrmals im Monat wird das Depot kontrolliert, Temperatur und Luftfeuchtigkeit konstant gehalten.
Im Landesmuseum Wiesbaden holte man für die Ausstellung „Brutpflege – Liebe ohne Worte“ fast alles aus dem Depot: eine Schimpansenfamilie von 1908 und ein Hammerhuhn von 1875 kamen ans Licht. Dass die Präparate so gut erhalten sind, liegt laut Museum an den sorgfältigen Lagerbedingungen über viele Jahrzehnte hinweg.
Und in Darmstadt? Das Hessische Landesmuseum bewahrt satte 90 Prozent seiner Sammlung in Depots auf – Kunst, Technik, Paläontologie, zoologische Präparate und vieles mehr. Die Lagerung erfordere einen erheblichen Aufwand: kontrolliertes Klima, Schädlingsschutz, Brandschutz und digitale Inventarisierung.
Ob Keltenwelt am Glauberg oder Römerkastell Saalburg – auch dort lagern viele Funde, die aus gutem Grund nicht gezeigt werden: zu fragil, zu ähnlich zu anderen Stücken oder einfach nicht ausstellungstauglich. Aber auch diese Objekte sind nicht verloren – sie stehen der Wissenschaft zur Verfügung, werden verliehen oder digital veröffentlicht.
Was diese Einblicke klar machen: Ein Museumsbesuch zeigt euch immer nur einen kleinen Ausschnitt von dem, was wirklich existiert. Die eigentlichen Schätze? Die liegen oft tief im Depot – und warten darauf, entdeckt zu werden. Also: Jetzt reinhören bei Radio Frankfurt – dem Sound der Weltstadt – und bleibt neugierig auf Frankfurt und die Region!

„Die unsichtbare Stadt



„Die unsichtbare Stadt


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