
Urban Sketching in Frankfurt: Die Urban Sketchers Rhein-Main treffen sich zum gemeinsamen Zeichnen – offen für alle, ohne Leistungsdruck und mit viel…
Im Frankfurter Stadtwald, vor dem Stadtwaldhaus an der Isenburger Schneise, sitzen Menschen auf Klapphockern. In der Hand: Pinsel, Stifte, Aquarellkästen. Kein Kurs, kein Lehrer, keine Noten – nur der Moment, das Motiv und die Gemeinschaft. Das ist Urban Sketching, und in Frankfurt hat es sich eine ganz eigene, lebendige Szene aufgebaut.
Die Urban Sketchers Rhein-Main sind eine lose Vereinigung mit rund 120 Personen im Mailverteiler. Je nach Ort und Motiv kommen zwischen zwanzig und sechzig Menschen zusammen. Organisatorin Sibylle Lienhard betont: „Wir sind kein Verein, sondern eine lose Vereinigung.“ Wer mitmachen will, füllt einfach ein Formular auf der Website der Gruppe aus – und schon ist man dabei.
Was macht Urban Sketching so besonders? Für Lienhard liegt die Antwort in der Zeit, die man mit einem Motiv verbringt. Während eine Kamera in Sekundenbruchteilen festhält, zwingt der Zeichenstift zum genauen Hinschauen: „Dadurch vertieft man sich mehr in die Situation.“ Eine Zeichnung drückt mehr aus als ein Foto – das sagen auch andere Mitglieder der Gruppe immer wieder.
Donna aus Frankfurt, seit etwa einem Jahr regelmäßig dabei, bringt es auf den Punkt: „Eine Zeichnung drückt viel mehr aus als eine Fotografie. Man hält Eindrücke, Stimmung und Perspektiven fest.“ Ihr liebstes Motiv ist Architektur – aber als Urban Sketcher muss man flexibel sein. Motive laufen weg, Autos fahren davon, Menschen stehen auf. Wer zeichnen will, lernt zu improvisieren.
Markus Wagner aus Bockenheim hat die Gruppe vor anderthalb Jahren über soziale Medien entdeckt. Der 57-Jährige malt nach eigenen Angaben seit 53 Jahren und findet an den Treffen vor allem das Zwanglose: „Diese Art von Treffen ist perfekt für Menschen mit Sozialphobie. Man trifft sich kurz, zerstreut sich dann in alle Ecken, malt für sich in Stille und kann, wenn man möchte, sich mit anderen austauschen – aber ganz ungezwungen.“
Bewusst verzichtet die Gruppe auf Kurse und Korrekturen. „Es ist ein offenes Zeichnen, kein Korrekturerlebnis“, sagt Lienhard. Trotzdem lernen alle voneinander: Man schaut in die Skizzenbücher der anderen, stellt Fragen, übernimmt kleine Tricks. Kerstin Rose, seit etwa 2016/2017 dabei, bringt es auf den Punkt: „Man muss Fehler machen, um daraus zu lernen.“ Und Lienhard ergänzt mit einem Schmunzeln: Es helfe, eine Nacht darüber zu schlafen – „Am nächsten Tag sieht es dann besser aus.“
Urban Sketching ist dabei längst kein lokales Phänomen mehr. Die Bewegung geht auf das Jahr 2007 zurück und auf Gabriel Campanario, einen Journalisten und Illustrator aus Seattle. Er hielt in einer Zeitungskolumne Musikszenen, Märkte, Bauprojekte und Alltagsmomente in einem Skizzenbuch fest. Heute gibt es weltweit mehr als dreihundert Regionalgruppen – in Europa, Asien, Nord- und Südamerika. Die Gruppe im Rhein-Main-Gebiet existiert seit rund dreizehn Jahren.
Lienhard vernetzt sich weit über Frankfurt hinaus: „Mit allen, die die Sprache des Zeichnens sprechen.“ Auf Reisen sucht sie andere Regionalgruppen auf, verabredet gemeinsame Spaziergänge mit Skizzenbuch – sogenannte Sketchwalk. Zuletzt war sie beim internationalen Urban-Sketchers-Symposion in Toulouse, wo hunderte Zeichnerinnen und Zeichner die Stadt mit Leben füllten.
Nach etwa drei Stunden versammelt sich die Gruppe wieder vor dem Stadtwaldhaus. Der Moment, auf den viele hingefiebert haben: der „Throwdown“. Die fertigen Zeichnungen werden nebeneinandergelegt – auf diesem Treffen auf einem langen, umgekippten Baumstamm. Kein Bild gleicht dem anderen. Manche haben die Mufflons und Damhirsche der Gehege festgehalten, andere das Stadtwaldhaus, wieder andere ganz eigene Details, die den meisten gar nicht aufgefallen sind.
Genau das ist es, was Urban Sketching in Frankfurt so lebendig macht: Jeder sieht die Stadt mit anderen Augen – und am Ende des Tages lernt man nicht nur zeichnen, sondern auch wahrnehmen. Neugierig geworden? Zu den Treffen kann laut Lienhard jeder kommen, auch ohne viel Erfahrung. Spontane Besucher sind ausdrücklich willkommen. Der Sound der Weltstadt – hier wird er mit Pinsel und Stift festgehalten!






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