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Tschechien macht Frankfurt zur Buchhauptstadt: Die 78. Buchmesse ist eröffnet

Tschechien ist Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2026: Politische Töne, 75 Autoren und ein riesiger Pavillon. Dazu tschechische Rezepte von hr1 Dolce Vita.

Redaktion
·
10. Oktober 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 5 Stunden

Der Sound der Weltstadt klingt diese Woche nach Prag

Leute, die Buchmesse ist da und Frankfurt steht mal wieder im Mittelpunkt der Literaturwelt! Die 78. Frankfurter Buchmesse ist eröffnet und Ehrengast ist in diesem Jahr Tschechien. Unter dem Motto „Tschechien – ein Land an der Küste“ zeigt unser Nachbarland, was die tschechische Literatur so draufhat. Die Idee dahinter kommt übrigens von Shakespeare, der in seinem Wintermärchen Böhmen kurzerhand ans Meer verlegt hat. Clever, oder?

Scharfe Töne bei der Eröffnung

Bei der Eröffnungsfeier am Dienstagabend ging es nicht nur gemütlich zu. Die Musikerin Iva Bittová und der britisch-deutsche Musiker Tim Roth sorgten für den musikalischen Rahmen, die Dichterin Marie Iljašenko erinnerte in einem poetischen Text an die Folgen des russischen Angriffskriegs für die ukrainische Kulturszene.

Richtig Aufmerksamkeit bekam dann Schriftstellerin Radka Denemarková. In ihrer Rede auf Deutsch warnte sie vor einer „Bräunung Europas“ und kritisierte die tschechische Regierung scharf. Zwei Mitglieder der Regierung, Premier Andrej Babiš und Kulturminister Oto Klempíř, würden laut Akten der kommunistischen Staatssicherheit StB als frühere Mitarbeiter geführt. Klempíř hatte eine entsprechende Verpflichtung aus den 1980er Jahren früher bereits eingeräumt, Babiš bestreitet eine bewusste Zusammenarbeit. Kulturminister Klempíř selbst wurde bei seinem Auftritt mehrfach ausgepfiffen und mit Zwischenrufen unterbrochen. Am Tag danach sagte er der Nachrichtenagentur ČTK, die Pfiffe könne er verkraften, enttäuscht habe ihn aber Denemarkovás Rede.

75 Autoren und der größte Auftritt der jüngeren Geschichte

Ab Mittwoch ist die Messe fürs Fachpublikum geöffnet, ab Freitag dann für alle. Bis Sonntag treten rund 75 tschechische Autorinnen und Autoren in Frankfurt auf, dazu kommen mehr als 120 ins Deutsche übersetzte Bücher und etwa 40 beteiligte Verlage. Die Organisatoren sprechen von der bislang größten Präsentation tschechischer Literatur im Ausland in der jüngeren Geschichte des Landes – das ist schon eine Hausnummer!

Zentrum des Ganzen ist ein über 2400 Quadratmeter großer Pavillon namens „Schnittstelle der Imagination“ mit weißen, organisch geformten Objekten, orangefarbenen Bojen und einem Leuchtturm. Neben Lesungen gibt’s dort auch Musik, Film, Comics und Live-Zeichnungen – tschechische Comiczeichner arbeiten sogar gemeinsam mit einem robotischen Drucksystem auf einer großen Leinwand. Mit dabei sind bekannte Namen wie Jaroslav Rudiš, Jáchym Topol, Alena Mornštajnová und Kateřina Tučková.

Auch Musik, Theater und Kino sind dabei

Der Gastlandauftritt bleibt nicht bei Büchern stehen. Am 10. Oktober spielt das Ensemble Modern in der Alten Oper Frankfurt Werke tschechischer Komponisten. Zeitgenössische tschechische Dramatik gibt’s im Internationalen Theater Frankfurt, und die Arthouse-Kinos Frankfurt zeigen Dokumentarfilme über Jaroslav Rudiš und Radka Denemarková. Am Freitag erinnert das Programm unter dem Titel „HAVEL 90“ zudem an Václav Havel, der in diesem Jahr 90 geworden wäre. Den Abschluss bildet am Sonntag die symbolische Übergabe an Chile, das 2027 Ehrengast der Buchmesse sein wird.

Wer lesen will, sollte auch probieren

Und weil Literatur und Kulinarik in Tschechien eng zusammengehören, hat sich hr1 in seiner Sendung Dolce Vita dem Thema angenommen. Als literarischer Reiseführer dient dabei das Buch „Gebrauchsanweisung für Bier“ von Jaroslav Rudiš, das durch Brauereien, Kneipen und Geschichten führt. Die passenden Rezepte stammen aus dem Buch „Bohemian Soul – Tschechische Heimatküche neu interpretiert“ von Evie Harbury. Mit dabei: marinierter Käse „Nakládaný Hermelín“, Sardinenaufstrich mit eingelegten Stachelbeeren „Rybí pomazánka“ und eine Pilzsuppe mit karamellisierten Zwiebeln „Houbový krém a Vídeňská cibulka“. Wer also nach einem Messetag Hunger hat, kann sich tschechisch durchschmecken, statt nur zu lesen.

Die Frankfurter Buchmesse läuft noch bis Sonntag, den 11. Oktober. Das beste Programm im Main-Gebiet gibt’s natürlich weiterhin bei uns – jetzt reinhören!

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