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Tschechien kommt nach Frankfurt: Martin Krafl und der große Buchmessen-Auftritt 2026

Tschechien ist Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2026 – Martin Krafl bereitet den großen Auftritt mit 75 Autoren und 100 Veranstaltungen direkt aus…

Redaktion
·
7. September 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 4 Wochen

Ein Mann, eine Mission – und 45 Kilo Gepäck

Frankfurt bekommt 2026 einen ganz besonderen Gast: Tschechien ist Ehrengast der Frankfurter Buchmesse – und der Mann, der diesen Auftritt von Frankfurt aus vorbereitet, heißt Martin Krafl. Am 10. August ist er mit sage und schreibe 45 Kilogramm Übergepäck in der Mainmetropole gelandet. Für zweieinhalb Arbeitsmonate. Der Sound der Weltstadt empfängt ihn dabei wie ein altes Zuhause – denn seit 2023 ist er alle zwei Monate mindestens eine Woche hier gewesen.

Krafl lebt und arbeitet aus seinem Büro im Haus des Buches an der Frankfurter Braubachstraße heraus als eine Art Ein-Mann-Vorausabteilung des Ehrengastteams. Seine Mietwohnung hat er an der Kölner Straße, spazieren geht er am Mainufer und im Holzhausenpark – und die Torten im Café Liebfrauenberg zwischen Hauptwache und Römer schätzt er sehr. Frankfurt, so sagt er selbst, fühle sich für ihn an „wie nach Hause kommen“.

75 Autorinnen und Autoren, 160 Übersetzungen, 100 Veranstaltungen

Was Krafl und sein Team auf die Beine stellen, ist beeindruckend: Während der Buchmesse im Oktober präsentiert sich Tschechien mit 75 Autorinnen und Autoren sowie zahlreichen Verlagen – im Ehrengastpavillon, am tschechischen Gemeinschaftsstand, in Lesungen auf dem Messegelände und in der Innenstadt sowie einem umfangreichen Begleitprogramm in hessischen Kulturinstitutionen. Rund 100 Veranstaltungen sind für das Publikum in der Messewoche geplant. Und: 160 Übersetzungen aus dem Tschechischen ins Deutsche erscheinen in diesen Wochen und Monaten.

Das Motto des Auftritts lautet „Czechia. A Country on the Coast“ – inspiriert durch Shakespeares „Wintermärchen“, in dem Böhmen am Meer liegt. Ein charmantes Bild für ein Land, das geografisch weit vom nächsten Ozean entfernt ist, kulturell aber ganz nah am internationalen Fachpublikum und an deutschen Leserinnen und Lesern sein will.

Geleitet wird das gesamte Team von Tomáš Kubíček, dem Generaldirektor der Mährischen Landesbibliothek. Das Begleitprogramm hat bereits mit der Ausstellung „Samizdat – Worte der Freiheit“ im Museum für Kommunikation begonnen und läuft nach und nach weiter an.

Eine Karriere, die Václav Havel mitgeprägt hat

Wer ist dieser Martin Krafl eigentlich? Seine Geschichte ist so spannend wie ein Roman. Geboren 1971 im Erzgebirge, zog er nach Prag, studierte an der Hochschule für Ökonomie und belegte Rhetorik-Kurse an der Theaterfakultät der Akademie der Darstellenden Künste. Über eine Professorin bekam er das „absurde Angebot“, auf die Prager Burg zu kommen – als Sprecher von Václav Havel. Zuerst lehnte er ab, weil er sich zu jung fühlte. Am ersten Arbeitstag wartete eine Delegation aus dem Buckingham-Palast auf ihn.

Havel sollte noch eine ganz andere Rolle in Krafls Leben spielen: Als ein Boulevardjournalist den damaligen Pressesprecher in einem Prager Café erpresste und ihm drohte, ihn zu outen, wandte sich Krafl an den Präsidenten. Havels Reaktion war außergewöhnlich: Er bot an, auf einer Pressekonferenz selbst zu bejahen, er sei schwul – um zu zeigen, dass Mut zur Haltung das Einzige ist, was zählt. Krafl ließ den Erpressungsversuch ins Leere laufen und outete sich auf einer ganzen Seite der Tageszeitung „Lidové noviny“. „Havel hat immer gesagt, was zähle, sei das Leben in der Wahrheit“, sagt Krafl. „Das hat er in meinem Fall bewiesen.“

Von Berlin über Wien nach Frankfurt – ein Puzzle, das aufgeht

Nach seiner Zeit als Pressesprecher wurde Krafl Sprecher des tschechischen Fernsehens, leitete von 2007 bis 2011 das tschechische Kulturinstitut in Berlin und anschließend bis 2017 das in Wien – seiner selbst erklärten Lieblingsstadt, zuständig auch für Zürich. Seit 2019 leitet er in Brünn und Prag das Tschechische Literaturzentrum, das tschechische Autoren, Bücher und Verlage im Ausland bekannt machen soll.

Den entscheidenden Schritt Richtung Frankfurt ebnete die Leipziger Buchmesse 2019: „Die Leipziger Buchmesse war für uns die Eintrittskarte in den Frankfurter Wettbewerb“, sagt Krafl. Tschechien musste sich gegen zwei weitere Länder durchsetzen – und blieb auch während der Corona-Pandemie am Ball. Im Oktober 2023 wurde der Vertrag für den Frankfurter Auftritt 2026 unterschrieben.

Krafl blickt mit Zuversicht auf die kommenden Wochen: „Mit meiner Ankunft fängt es an.“ Und er ist überzeugt, dass die Frankfurter Buchmesse Bestand hat – als Festival der Leser, mit dem Rückhalt des Publikums im Rücken. „Die Frankfurter Buchmesse bleibt, ganz sicher.“ Wir sind gespannt – und freuen uns auf Tschechien im Main-Gebiet!

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