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Thompson-Konzert in Frankfurt: CDU rudert zurück – der Streit geht weiter

Die Frankfurter CDU forderte zunächst eine Absage des Thompson-Konzerts in der Jahrhunderthalle – und ruderte dann zurück. Was steckt hinter dem Kurswechsel?

Redaktion
·
11. September 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 1 Woche

Kurswechsel sorgt für Aufruhr

Frankfurt hat am 11. September 2026 nicht nur seinen geliebten Wasserhäuschen gefeiert – wie wir in unserem früheren Beitrag zum Wasserhäusje-Tag berichtet haben. Zeitgleich sorgt ein ganz anderes Thema für hitzige Diskussionen in der Stadt: das geplante Konzert von Marko Perković, besser bekannt als Thompson, in der Frankfurter Jahrhunderthalle. Und mittendrin: ein bemerkenswerter Kurswechsel der Frankfurter CDU.

Wer ist Thompson – und warum ist das Konzert umstritten?

Thompson ist ein kroatischer Musiker, dessen Konzerte regelmäßig mit der Grußformel „Za dom spremni“ beginnen – vom Publikum mit „Spremni“ beantwortet. Was Fans als patriotischen Gruß aus der Zeit des kroatischen Unabhängigkeitskrieges bezeichnen, ist laut Historikern tatsächlich der Wahlspruch des mit Nazi-Deutschland verbundenen Ustascha-Regimes. Dieses Regime war verantwortlich für die Ermordung Hunderttausender Serben, Roma, Juden und politischer Dissidenten.

Sabina Ferhadbegović, Historikerin am Leibniz-Institut für Europäische Geschichte in Mainz, macht das Problem deutlich: „Das Problem sind nicht kroatischer Patriotismus und die Empfindlichkeiten der kroatischen Community, sondern die Integration faschistischer Symbole und Traditionen in eine positive nationale Erinnerung.“ Europaweit hat Thompson wegen seines Umgangs mit Ustascha-Symbolik zahlreiche Auftritts- und sogar Einreiseverbote erhalten.

Erst dagegen, dann dafür – die CDU dreht um

Als die Nachricht über das geplante Konzert in Frankfurt die Runde machte, herrschte zunächst parteiübergreifende Einigkeit: Linke, Grüne, SPD, Volt – und auch die CDU – sprachen sich klar gegen den Auftritt aus. CDU-Stadtverordneter Christian Becker erklärte noch: „Kunstfreiheit ist ein hohes Gut, aber sie darf nicht als Freibrief für die Verherrlichung faschistischer Symbolik verstanden werden.“

Doch nur knapp drei Tage später kam die Kehrtwende. Nach einer „vertiefenden Prüfung“ sehe man nun keinen „tragfähigen Grund“ mehr für eine Absage, ließ CDU-Stadtverordnete Anita Akmadža verlauten. Thompson sei für viele Menschen mit kroatischen Wurzeln „Teil ihrer musikalischen und persönlichen Biografie“. Zudem dürfe keine pauschale Gleichsetzung von „kroatischer Kultur, Patriotismus oder der Erinnerung an den Unabhängigkeitskrieg mit Faschismus“ erfolgen.

Warum genau die CDU ihre Meinung änderte, erklärt sie nicht. Auf Nachfragen reagiert die Partei mit Schweigen und bittet, keine weiteren Stellungnahmen zu dem Thema abgeben zu wollen.

Verflechtungen und offene Fragen

Auffällig ist dabei die Nähe einiger CDU-Politiker zur kroatischen Community. Stadtverordnete Anita Akmadža soll laut Medienberichten dem „Kroatischen Weltkongress in Deutschland“ angehört haben – einem Dachverband für kroatische Vereine und Institutionen. Vorsitzender dieses Weltkongresses ist ihr Ehemann Franjo Akmadža. Auch der Weltkongress selbst sprach sich gegen eine Konzertabsage aus.

Darüber hinaus haben CDU-Politiker in der Vergangenheit Grußworte bei der jährlichen „Kroatischen Nacht“ in der Ballsporthalle in Frankfurt-Unterliederbach gesprochen – darunter Minister Manfred Pentz sowie Antisemitismusbeauftragter Uwe Becker. Becker erklärte zwar auf Anfrage, eine „Verherrlichung des Faschismus“ dürfe es in Hessen nicht geben, und erwarte eine klare Distanzierung von Thompson. Doch Historikerin Ferhadbegović hält das für unwahrscheinlich: „Thompson hat seit Beginn seiner Karriere vor mehr als 30 Jahren zahlreiche Gelegenheiten gehabt, sich von den Ustascha zu distanzieren und dies nicht getan. Ich habe keine Hoffnung, dass Thompson sich in einem Statement plötzlich zu einer offenen Gesellschaft bekennt.“

SPD bleibt klar: Keine Bühne für Faschisten

Die SPD hält an ihrer ursprünglichen Position fest. In einer Pressemitteilung heißt es unmissverständlich: „Marko Perković ist kein einfach nur umstrittener Künstler. Wer den Gruß des faschistischen Ustaša-Regimes auf die Bühne trägt, muss auch so benannt werden: als Faschist.“ Einem solchen Mann dürfe keine Bühne geboten werden.

Da das Konzert in der privat geführten Jahrhunderthalle stattfinden soll, hat die Lokalpolitik ohnehin nur begrenzte Möglichkeiten – sie kann appellieren, aber nicht verbieten. Der Veranstalter, eine Konzertagentur aus Neuss in Nordrhein-Westfalen, hat laut CDU zugesagt, dass bestimmte „in der öffentlichen Debatte beanstandete Lieder aus der Kriegszeit der 1990er-Jahre“ nicht gespielt werden sollen. Welche Lieder das konkret sind – darüber schweigt die CDU.

Der Streit um Thompson in Frankfurt bleibt also offen. Und die Frage, wie viel faschistische Symbolik unter dem Deckmantel von Patriotismus und Kunstfreiheit toleriert werden darf, ist längst nicht beantwortet.

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