
DHL fordert eine 23-Kilo-Grenze für Pakete und Zwei-Personen-Zustellung. Was das für Paketboten im Rhein-Main-Gebiet und euren Online-Einkauf bedeutet.
Kennt ihr das? Ihr bestellt online ein paar Kilo Katzenstreu, einen Sack Hundefutter oder ein Fitnessgerät – und ein Paketbote schleppt das Ganze allein bis an eure Haustür, manchmal sogar bis in den vierten Stock. Für die Zustellenden ist das echter Knochenjob. Jetzt fordert DHL als Marktführer schärfere gesetzliche Vorgaben für die gesamte Branche.
Konkret: Pakete über 23 Kilo sollen künftig nur noch von zwei Personen gleichzeitig zugestellt werden dürfen. Das fordert DHL-Vorständin Nikola Hagleitner, zuständig für das deutsche Brief- und Paketgeschäft. Ihr Argument ist deutlich: Im Unternehmensbereich Post & Paket Deutschland bezieht sich jede dritte Krankmeldung auf Muskel- oder Skelettkrankheiten. Laut einer Datenauswertung der AOK Rheinland/Hamburg fehlen täglich durchschnittlich 7,65 Prozent der Zusteller krankheitsbedingt – das sind 0,51 Prozentpunkte mehr als in vergleichbaren Branchen. Zahlen, die für sich sprechen!
Gerade bei uns im Rhein-Main-Gebiet ist die Situation besonders krass. In Frankfurt und anderen dicht besiedelten Städten schleppen Paketboten schwere Kisten regelmäßig bis in das vierte oder fünfte Obergeschoss enger Altbauten – oft ohne Aufzug. Zur Weihnachtszeit kommen da schon mal bis zu 200 Pakete pro Tour zusammen. Gewerkschaften in Hessen weisen seit Langem auf die enorme Verdichtung der Touren hin und fordern wirksame Entlastungen für die Beschäftigten.
Ein Beispiel, das aufhorchen lässt: Ein Paketbote berichtete, wie er 27 Kilo Streusalz alleine ausliefern musste – und dabei sogar noch gefragt wurde, ob das schwer sei. Das sagt eigentlich alles.
Auch wenn die Zahlen eindeutig sind: DHL will die neue Regel nicht im Alleingang einführen. Hagleitner macht klar: „Gesundheitsschutz funktioniert dauerhaft nur, wenn für die gesamte Branche dieselben Regeln gelten und diese auch strikt kontrolliert werden.“ Zwar machen Pakete zwischen 23 und 31,5 Kilo nur 1,1 Prozent des DHL-Volumens aus – aber über 90 Prozent davon ließen sich problemlos auf zwei Sendungen aufteilen.
Die Konkurrenz sieht das anders. Der Paketbranchen-Verband BPEX, der unter anderem Hermes, DPD und GLS vertritt, lehnt eine Senkung der aktuellen 31,5-Kilo-Grenze strikt ab. Als Argumente nennt der Verband den Personalmangel und mögliche CO₂-Mehrausstöße durch Extra-Touren. Stattdessen setzt man lieber auf professionelle Paketkarren.
DHL-Chefin Hagleitner hält davon wenig. Tests mit Exoskeletten als technische Unterstützung seien wegen Hitzeentwicklung und dem Eigengewicht des Hilfsmittels ernüchternd verlaufen. Eine echte Lösung sei das nicht.
Der Gewerkschaft Verdi geht der DHL-Vorschlag sogar noch nicht weit genug. Verdi fordert eine strikte 20-Kilo-Grenze ohne Ausnahmen. Verdi-Vize Andrea Kocsis macht Druck auf die Bundesregierung: „Es wird Zeit, dass die Bundesregierung aktiv wird und einen Gesetzesentwurf auf den Weg bringt.“ Ein früherer Gesetzesanlauf stockt aktuell, weil nach dem Ende der Ampel-Koalition die Verordnung für Ausnahmeregelungen fehlte.
Sollten sich DHL oder Verdi mit einer strengen Gewichtsobergrenze durchsetzen, könnte das für euch als Kunden spürbare Konsequenzen haben. Händler müssten schwere Produkte entweder auf mehrere Pakete aufteilen oder für schwere Frachten teurere Speditionsdienste buchen – beides würde die Versandkosten nach oben treiben. Günstiger Online-Einkauf von schweren Waren könnte also künftig der Vergangenheit angehören.
Eins ist klar: Die Debatte um die Paketbranche ist voll im Gange – und gerade für uns im Rhein-Main-Gebiet ist das kein abstraktes Thema. Wir bleiben für euch dran und halten euch auf dem Laufenden. Das ist der Sound der Weltstadt – nah dran, wo es drauf ankommt!






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