
Ron Sexsmith begeisterte die Brotfabrik Frankfurt – 18 Jahre nach seinem letzten Auftritt. Zeitloser Folkpop, starke Texte und ein Abend voller Emotionen.
Manche Momente lassen einen einfach sprachlos zurück. Ron Sexsmith, der kanadische Singer-Songwriter aus Ontario, hat die Brotfabrik Frankfurt wieder zu seinem Wohnzimmer gemacht – und das nach sage und schreibe 18 Jahren! Sein letzter Auftritt an dieser Stätte war 2008, und wer dabei war, der erinnert sich mit einem breiten Grinsen daran. Kein Wunder also, dass der gut besuchte Saal beim bloßen Erwähnen dieses Konzerts mit einer Welle der Nostalgie reagierte. Funny how time slips away, könnte man da nur sagen!
Mit 62 Jahren sieht Ron Sexsmith aus wie eh und je – wuschelköpfig, entspannt und irgendwie zeitlos. Und genauso zeitlos ist seine Musik. Seit seinem Debüt vor 35 Jahren hat er 18 Alben veröffentlicht, und sein melodisch-melancholischer Folkpop klingt bis heute so frisch wie am ersten Tag. Mal mit einer Prise Electronica, mal mit einem Hauch Memphis-Soul – aber immer weit weg von gängigen Moden. Das ist es, was Sexsmith in Musikerkreisen so hoch angesehen macht: Er macht einfach sein Ding, und das mit einer Ehrlichkeit, die einen sofort in den Bann zieht.
In der Brotfabrik präsentierte er sich gewohnt unprätentiös – Gitarre oder Piano, dazu seine langjährigen Weggefährten Don Kerr am Schlagzeug und Jason Mercer am Bass. Die beiden sorgten nicht nur für den Rhythmus, sondern auch für Harmoniegesänge und Uhuhuh-Chöre, die den Abend eine ganz eigene, warme Atmosphäre verliehen. Fast so, als würde man sich mit Freunden zur Hausmusik treffen.
Gut anderthalb Stunden dauerte die musikalische Retrospektive, die Sexsmith dem Frankfurter Publikum schenkte. Fast alle seiner Alben waren mit mindestens einem Song auf der Setlist vertreten – ein echtes Fest für Langzeit-Fans! Neben Highlights aus dem aktuellen, herzerwärmenden Album „Hangover Terrace“ erklangen Stücke quer durch seine gesamte Karriere.
Was diese Songs so besonders macht? Es sind die Texte. Lakonisch, niemals spöttisch, dafür absolut ehrlich. In Songs wie „Cigarette And Cocktail“ spiegelt sich die Gegenwart wider – die Welt wird dunkler, das Haar lichter, Verbindungen zerbrechen. Und trotzdem: Diese Betrachtungen wirken so allgemeingültig, dass sie jeden im Saal irgendwie persönlich treffen. Wer nicht bei einer Ballade an eigene Fehler oder Freuden denkt, der lacht vielleicht beim schmissigen „Camelot Towers“ mit – ein Song über die großsprecherischen Namen von Neubauprojekten, der an Ray Davies erinnert. Solche Songs schreibt heutzutage kaum noch jemand!
Der Abend in der Brotfabrik war mehr als ein Konzert. Es war ein Wiedersehen mit einem alten Freund, der mit seiner Musik Geschichten erzählt, die uns alle angehen. Ron Sexsmith hat bewiesen, dass echte Songwriter-Kunst keine Halbwertszeit kennt. Wer ihn noch nicht live erlebt hat: Nicht wieder 18 Jahre warten! Jetzt reinhören und den Sound eines echten Ausnahme-Künstlers entdecken.






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