
Nach dem Gen-Z-Protest kam es in Frankfurt zu Plünderungen und Randale. Ermittlungen laufen, ein Experte erklärt, warum hohe Strafen schwer nachweisbar sind.
Frankfurt, wir müssen reden. Was als friedliche Demo der Initiative ‚Gen Z regelt‘ begann, ist am Abend in mehreren deutschen Städten eskaliert – und unsere Main-Metropole war mittendrin. In mehr als 30 Städten hatte die Initiative zu Protesten aufgerufen, Zehntausende machten mit. Die Forderungen: mehr Geld für Schulen, Suchthilfe und Psychotherapie, Maßnahmen gegen steigende Lebenshaltungskosten und mehr Klimaschutz. Eine Wehrpflicht lehnt die Bewegung ab, genauso wie den Ausbau staatlicher Überwachung.
Wie der Schweizer Sender SRF berichtet, nannte ein Sprecher der Initiative kurz vor 20 Uhr eine bundesweite Teilnehmerzahl von mehr als 100.000 Menschen. Die Organisatoren selbst betonen, dass sie zu friedlichem Protest aufgerufen und jede Form von Gewalt abgelehnt haben.
Doch dann kippte die Stimmung. In Frankfurt schlugen Randalierer mehrere Schaufensterscheiben von Geschäften ein, es kam zu Plünderungen. Nach Angaben von SRF drangen mehrere Personen in Geschäfte ein und stahlen Turnschuhe und andere Gegenstände. Auch ein Waffenladen war betroffen – die Scheibe wurde eingeschlagen.
Nach ersten Erkenntnissen des hessischen Innenministers Roman Poseck erlitten mehrere Polizisten bei den Ausschreitungen Verletzungen. Die Gewerkschaft der Polizei zog eine gemischte Bilanz: Der Vorsitzende für den Bereich Bundespolizei, Andreas Rosskopf, sagte laut SRF, die Proteste der Gen Z hätten sich grundsätzlich als sehr friedlich herausgestellt – nach dem Ende der eigentlichen Veranstaltungen habe sich die Lage jedoch in einigen Städten zugespitzt. Auch in anderen Städten wie Berlin und Bremen kam es zu Zwischenfällen, in Bremen wurden Polizeikräfte mit Schlägen und Tritten attackiert, mindestens ein Müllcontainer brannte.
Nach Angaben der Einsatzleitung wurden infolge der Ausschreitungen in Frankfurt 87 Strafanzeigen gestellt, 366 Personen kontrolliert und 1.225 Platzverweise erteilt. Die Ermittlungen laufen jetzt auf Hochtouren.
Ob den Randalierern am Ende tatsächlich hohe Strafen drohen, ist aber alles andere als sicher. Der Frankfurter Strafrechtler Matthias Jahn von der Goethe-Universität erklärte in der Hessenschau, dass der Nachweis von schwerem Landfriedensbruch eine erhebliche Herausforderung sei. Dafür müsse belegt werden, wer konkret aus einer Menschenmenge heraus Gewalt begangen habe und in welcher Rolle. Angesichts von mutmaßlich rund 30 Tatorten und einer unübersichtlichen Einsatzlage sei das schwer zu beweisen, so Jahn. Auf schweren Landfriedensbruch stehen bis zu zehn Jahre Haft – ein schweres Delikt, wie Jahn betonte.
Einzelne Diebstähle und Sachbeschädigungen, die teilweise auf Videos in sozialen Netzwerken zu sehen sind, könnten laut Jahn möglicherweise innerhalb weniger Wochen in beschleunigten Verfahren abgeurteilt werden, sofern die Taten leicht nachweisbar sind. Bei Landfriedensbruch und schwerem Landfriedensbruch sei der Weg zu einer Verurteilung dagegen deutlich schwieriger. Auch die Frage, ob Beschuldigte in ein kriminelles Netzwerk eingebunden waren, das gezielt Landfriedensbrüche begehen wollte, muss erst durch weitere Ermittlungen geklärt werden. Die Ergebnisse der kommenden Wochen seien dafür entscheidend, so der Strafrechtler.
Die Initiative ‚Gen Z regelt‘ zog trotz der Ausschreitungen insgesamt ein positives Fazit der Jugendproteste. Was nach dem Ende der Kundgebungen passiert sei, darauf habe man keinen Einfluss gehabt, hieß es von einem Sprecher des Presseteams laut SRF. Zugleich kündigte die Initiative an, in drei Wochen erneut viele junge Menschen mobilisieren zu wollen – man wolle sich an den europaweiten Protesten am 20. November beteiligen.
Für Frankfurt bleibt die Aufarbeitung der Krawallnacht jedenfalls noch lange nicht abgeschlossen. Wir bleiben für euch dran und halten euch auf dem Laufenden – das beste Programm im Main-Gebiet informiert euch, sobald es Neuigkeiten aus den Ermittlungen gibt. Jetzt reinhören bei Radio Frankfurt!






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