
Paternoster in Hessen: Wo ihr die historischen Endlos-Aufzüge noch fahren könnt – und welcher in Frankfurt für alle offen ist.
Rauf und runter, ohne Halt, ohne Türen – der Paternoster ist eine der faszinierendsten Erfindungen der Aufzugstechnik. Die Fahrkabinen bewegen sich permanent im Kreis, man steigt einfach ein und aus. Ein bisschen Mut gehört dazu, aber wer’s einmal probiert hat, will es nicht mehr missen. Und das Beste: In Hessen gibt es diese Oldtimer-Aufzüge tatsächlich noch – wenn auch nicht überall für jeden zugänglich.
Die gute Nachricht für alle Frankfurterinnen und Frankfurter: Im IG-Farben-Haus der Goethe-Universität auf dem Campus Westend laufen gleich vier von acht Paternostern noch im Betrieb. Die Aufzüge wurden im Jahr 2000 modernisiert und befinden sich im Bibliotheksbereich. Das Beste daran: Sie sind für Besucherinnen und Besucher frei nutzbar. Einfach hinfahren, einsteigen und das besondere Fahrgefühl genießen – ganz ohne Anmeldung.
Weniger glücklich lief es zuletzt am Oberlandesgericht Frankfurt. Dort hängt der Paternoster im Treppenhaus – allerdings nur für Angehörige des Gerichts zugänglich. Nach einer Reparaturpause nahm er erst kürzlich wieder seinen Betrieb auf. Für Außenstehende bleibt die Tür also buchstäblich zu.
Auch in Wiesbaden und Kassel gibt es noch diese nostalgischen Aufzüge – aber auch hier ist nicht alles einfach. Im Gebäude des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden existieren noch zwei Exemplare. Der Haken: Sie sind derzeit außer Betrieb, weil Wartungen und Reparaturen durchgeführt werden. Und selbst wenn sie laufen, dürfen sie ausschließlich durch Beschäftigte des Statistischen Bundesamtes genutzt werden. Für uns Normalsterbliche also leider tabu.
In Kassel wartet im Rathaus 2 ein echtes Schwergewicht der Paternoster-Geschichte: 22 Kabinen, eine Förderhöhe von 38,30 Metern und eine Gleitführung – errichtet 1957 und aktuell voll funktionsfähig. Klingt großartig, oder? Leider ist auch dieses Exemplar nicht mehr für die tägliche Nutzung freigegeben – aus Brand- und Arbeitsschutzgründen. Er wird nur zu besonderen Anlässen von einer eingewiesenen Person in Betrieb gesetzt.
Klar, die Dinger sind alt – und genau das macht ihre Pflege so aufwendig. Wie eine Sprecherin des Oberlandesgerichts Frankfurt erklärte, liegen Ersatzteile für diese historischen Aufzüge aufgrund ihrer Seltenheit und ihres Alters nicht mehr auf Halde, sondern müssen aufwendig beschafft werden. Das kostet Zeit und Geld.
Auch die Goethe-Universität bestätigt: Für historische Paternoster gibt es keine Normen mehr, keine Standardreparaturen und keine gezielt dafür ausgebildeten Fachleute. Was die Technik am Laufen hält, sind engagierte Haustechnikerinnen und -techniker, die sich über die Jahre eingearbeitet haben und Alterungsschäden in Eigenregie beheben.
Paternoster sind lebendige Geschichte – und in Frankfurt habt ihr das Glück, einen öffentlich zugänglichen Paternoster direkt vor der Haustür zu haben. Das IG-Farben-Haus der Goethe-Universität auf dem Campus Westend ist euer Anlaufpunkt, wenn ihr dieses besondere Fahrerlebnis mal selbst ausprobieren wollt. Schnappt euch die Chance, solange die alten Schätzchen noch laufen – denn wer weiß, wie lange die Ersatzteile noch beschafft werden können.
Der Sound der Weltstadt Frankfurt steckt eben auch in solchen kleinen, einzigartigen Momenten. Jetzt reinhören – und dann ab auf den Campus Westend!






Wir schätzen Ihren Beitrag! Wenn Sie Fragen haben, uns Feedback geben oder einfach nur Hallo sagen möchten, steht Ihnen unser Team gerne zur Verfügung. Bitte zögern Sie nicht, uns über das unten angegebenen Kontaktformular zu kontaktieren.
Dein Beitrag für Radio Frankfurt
Kommentar verfassen
Teilen Sie uns Ihr Anliegen mit. Wir prüfen Ihren Beitrag und veröffentlichen ihn nach Freigabe.