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Oguz Sen: Der Frankfurter Künstler, dessen Kunst politische Statements setzt

Oğuz Şen ist Frankfurter Künstler mit Haltung: Seine Streetart und Projekte setzen politische Statements gegen Rassismus und für Sichtbarkeit.

Redaktion
·
30. Juli 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 31 Minuten

Kunst, die wehtut – und das soll sie auch

Er ist 48 Jahre alt, in Frankfurt aufgewachsen und hat eine klare Haltung: Oğuz Şen macht keine Kunst, um Wände zu verschönern. Er macht Kunst, um politische Ungerechtigkeit beim Namen zu nennen. Direkt, antielitär, bisweilen rau – genau so, wie er selbst ist. Für Şen gehört Kunst auf die Straße, raus aus dem Elfenbeinturm, rein ins Leben. Und Frankfurt ist dabei immer irgendwie mit drin.

Mahnmale unter Frankfurts Brücken

Eines der bekanntesten Werke von Şen ist ein 27 Meter langes Gemälde unter der Frankfurter Friedensbrücke. Gemeinsam mit dem „Kollektiv ohne Namen“ erinnert es an die neun Opfer des rassistischen Attentats in Hanau am 19. Februar 2020. Das Mahnmal wurde mehrfach durch Schmierereien und rechtsextreme Symbole beschädigt – so schwer, dass es nicht nur restauriert, sondern zum Schutz versiegelt werden musste. Ein trauriges Zeichen dafür, wie nötig solche Arbeiten sind.

Ähnliches erlebte Şen mit einem anderen Werk: Zusammen mit dem Künstler Justus Becker malte er das Bild des kleinen Alan Kurdi auf eine Mauer im Osthafen – jenes Kind, das 2015 auf der Flucht über das Mittelmeer ertrank und dessen Foto um die Welt ging. Auch dieses Wandbild wurde mit Farbe und rassistischen Parolen beschmiert. Nach einer Spendenaktion erneuerten die Künstler das Bild – diesmal zeigt es Kurdi lachend, umgeben von übergroßen Teddybären. Manche fanden das zu kitschig. Şen ärgert das bis heute: „Das ist erst mal eine klare Haltung“, sagt er. Es gehe um Krieg, Flucht und den Tod eines Kindes – und die Diskussion drehe sich um Kunst und Nichtkunst.

Von der Straße zur Hochschule – ein ungewöhnlicher Weg

Şen hat aserbaidschanische Wurzeln und ist in Frankfurt aufgewachsen. Die Stadt verbindet er bis heute mit einer Hassliebe – sie ist ihm vertraut und fremd zugleich, das Raue, das Migrantische, die Kultur. Sein Vater starb früh, die Mutter zog sechs Kinder allein groß. Die Hauptschule verließ er nach der siebten Klasse. „Es hat mich zu Tode gelangweilt“, sagt er. Seine politische Haltung? Die kam nicht von Büchern. „Ich würde lügen, wenn ich erzählen würde, ich habe Karl Marx gelesen. Mein ganzes politisches Bewusstsein kommt von meinen Schwestern.“

Seinen Weg fand Şen über die Hip-Hop-Kultur – Musik, Filme, Graffiti, Breakdance. „Ich war noch nie so besessen von etwas.“ Über Hip-Hop kam er zur Typographie und Malerei, gestaltete Wände und Räume für Veranstaltungen. Dabei lernte er Heiner Blum kennen, Künstler und Professor an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach. Der ermutigte ihn zur Bewerbung. Şen hielt das zunächst für einen Scherz – bewarb sich trotzdem und wurde für Visuelle Kommunikation angenommen.

Workshops, Flüchtlingsunterkünfte und Kunst auf Augenhöhe

Nach einem Besuch auf Lesbos kurz nach dem Brand von Moria 2020 nahm Şen seine Eindrücke mit zurück nach Frankfurt. Kinder in Kreativangeboten, die Bilder vom Feuer im Flüchtlingslager malten, hatten ihn tief berührt: „Sie haben ohne Sprache diese Grausamkeit wiedergeben können.“ Seitdem gibt er regelmäßig kreative Workshops für Jugendliche – an der Konrad-Haenisch-Schule (IB Fechenheim) und bei der Caritas-Schulbetreuung der Astrid-Lindgren-Schule. Woche für Woche, ein paar Stunden. Und das ehrenamtliche Engagement in Flüchtlingsunterkünften, mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, kommt noch obendrauf.

In den Workshops fragt Şen erst mal: „Wie geht es euch?“ Und dann, worauf die Jugendlichen Lust haben. Rap, Hip-Hop, Bandlogos entwerfen, T-Shirts bedrucken – eine kreative Annäherung an die Lebenswelt junger Menschen, die ihren Platz noch suchen.

„La La Land“ im Kunstverein Frankfurt

Zuletzt setzte Şen gemeinsam mit der Tänzerin und Choreografin Honji Wang das partizipative Projekt „La La Land: Aufhören anzufangen“ um – im Rahmen der Subkultur-Ausstellung „Hidden Cultures“ im Kunstverein Frankfurt. Jugendliche aus prekären Verhältnissen, Obdachlose und Menschen mit Suchterfahrung gestalteten den Raum mit Graffiti, Schriftzügen und Zeichnungen. Ergänzt wurde die Installation durch einen Film mit Performances von Wang. Ein Stück Straße in einem Raum, der sich ständig verändert – so wie die Gemeinschaft und das Leben selbst.

Şens Botschaft an alle, die noch kämpfen: „Es lohnt sich, für seine Leidenschaft zu kämpfen.“ Das ist nicht nur ein Satz. Das ist sein Leben.

Quellen


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