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Obdachlose in Notzelten: „Ich bin schon mehrmals verprügelt worden“ – die bittere Realität in Frankfurt

Obdachlose in Frankfurt schlafen nach Schließung der Unterkunft am Eschenheimer Tor in Notzelten – und berichten von Gewalt und Diebstahl.

Dominic Baum
·
5. Juli 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 1 Tag

Neue Unterkunft weg – und jetzt?

Es war eine Entscheidung, die viele kalt erwischt hat: Vergangenen Montag wurde die Obdachlosenunterkunft in der B-Ebene der U-Bahn-Station Eschenheimer Tor überraschend geschlossen. Seitdem schlafen wohnungslose Menschen in fünf Notzelten in der Bockenheimer Anlage – mitten in Frankfurt, mitten im Sommer, mitten in der Stadt. Der Sound der Weltstadt hat auch diese Seite.

Wer an einem Abend kurz vor 21 Uhr durch die Bockenheimer Anlage läuft, sieht das volle Bild: junge Paare, Familien mit Kindern, gestresste Banker in ihrer Spätschicht-Pause – und mittendrin eine wachsende Zahl wohnungsloser Menschen, die schlicht keinen anderen Ort haben, an dem sie schlafen können.

Angst vor Diebstahl – und vor Gewalt

Doch das Zelt schützt nicht vor allem. Viele der Betroffenen berichten nicht nur von Diebstählen, sondern auch von körperlicher Gewalt. Ein Bewohner der Notunterkunft bringt es auf den Punkt: „Ich bin vorher schon mehrmals verprügelt worden.“ Ein Satz, der sitzt. Ein Satz, der zeigt, wie schutzlos diese Menschen oft sind – auf der Straße, in Parks, selbst in provisorischen Unterkünften.

Wachpersonal ist vor Ort, bereitet die Liegen vor, sorgt für einen gewissen Rahmen. Aber ein Zelt in einer Parkanlage ist eben kein sicheres Zuhause – das weiß jeder, der ehrlich hinschaut.

Das Zeltlager wächst – die Lösung fehlt

Wie wir in einem früheren Beitrag über das wachsende Zeltlager in Frankfurt berichtet haben, hat die Stadt zwar die Infrastruktur rund um die Notzelte verbessert – bessere Versorgung, mehr Ausstattung – doch eine echte Dauerlösung steht bis heute aus. Die Stadt prüft angeblich rund 50 mögliche Standorte für eine permanente Unterkunft. Passiert ist bisher: wenig.

Die SPD und soziale Organisationen fordern seit Monaten lautstark nachhaltige Lösungen statt immer neuer Notbehelfe. Denn Zelte sind kein Wohnraum. Sie sind ein Pflaster auf einer offenen Wunde – und die wird größer, nicht kleiner.

Was die Situation für Betroffene bedeutet

Für die Menschen, die in den Zelten schlafen, ist das kein abstrakter Stadtratsbeschluss. Es ist ihr Alltag. Jeden Abend. Ihre Sorgen sind konkret:

  • Diebstahl von den wenigen persönlichen Gegenständen, die sie noch besitzen
  • Körperliche Übergriffe und Gewalt – auch in vermeintlich sicheren Bereichen
  • Keine Privatsphäre, kein fester Rückzugsort
  • Ungewissheit, wie lange das Zeltlager überhaupt bleibt

Die überraschende Schließung der Unterkunft am Eschenheimer Tor hat gezeigt: Provisorien können von einem Tag auf den anderen wegfallen. Wer obdachlos ist, hat kaum einen Plan B.

Frankfurt muss jetzt handeln

Das beste Programm im Main-Gebiet spricht auch die Themen an, die wehtun. Und dieses tut weh. Eine Weltstadt wie Frankfurt kann es sich nicht leisten, wohnungslose Menschen dauerhaft in Notzelten zu parken – während Stadtrat-Sitzungen kommen und gehen und 50 geprüfte Standorte still in einer Schublade schlummern.

Es braucht jetzt konkrete Schritte: feste Unterkünfte, verlässliche Hilfsangebote und vor allem Schutz für Menschen, die täglich Angst vor Übergriffen haben. Die Bockenheimer Anlage ist kein Ersatz für ein Dach über dem Kopf – und das wissen wir alle.

Bleibt dran, Frankfurt. Das Thema ist nicht vorbei. Jetzt reinhören und informiert bleiben – bei Radio Frankfurt.

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