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Neue Schulen in Frankfurt: Schnell bauen statt schön bauen?

Frankfurt baut neue Schulen – aber ohne Architektenwettbewerb. Was hinter der Schulbau-Offensive steckt und warum Experten jetzt Alarm schlagen.

Redaktion
·
7. September 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 1 Stunde

Frankfurt baut – aber wie?

Im Frankfurter Stadtteil Preungesheim wächst gerade eine neue Schule aus dem Boden. Am Rand eines Gewerbegebiets, direkt neben der Auffahrt zur Autobahn 661, entsteht die Johanna-Tesch-Schule – und das sogar schneller als geplant. In zwei Jahren soll die integrierte Gesamtschule, die bisher auf zwei Provisorien aufgeteilt war, endlich ein eigenes Zuhause haben. Klingt gut, oder? Doch hinter der Baustelle schwelt ein heftiger Streit – und der betrifft alle Frankfurterinnen und Frankfurter.

Schulbau-Offensive: 30 Projekte, viel Druck

Die Johanna-Tesch-Schule ist Teil der Schulbau-Offensive der Stadt Frankfurt. Unter diesem Titel hat die Stadt 30 besonders dringende Projekte gebündelt und will sie mit neuen Methoden schneller umsetzen. Eine davon: stärker mit privaten Dritten zusammenzuarbeiten. Der bisherige Eigentümer des Grundstücks baut die Schule schlüsselfertig im Auftrag der Stadt – insgesamt zahlt Frankfurt dafür 147 Millionen Euro, inklusive Grundstückskosten.

Das klingt nach einem cleveren Deal. Aber dabei wurde auf einen Planungswettbewerb für Architekten verzichtet – und genau das sorgt für mächtig Wirbel.

Architekten schlagen Alarm

Architekt Ulrich Kuhlendahl, der früher selbst im Hochbauamt tätig war, vergleicht das Erscheinungsbild der neuen Schule mit einem „Kaufhaus an der Ostzeil“ – und das ist definitiv kein Kompliment. Er vermisst einen echten Architektenwettbewerb und eine europaweite Ausschreibung. Sein Argument: Auch wenn die Umgebung an einem Gewerbegebiet liegt, rechtfertige das keine Abstriche bei der Gestaltung. „Wenn die Umgebung schon schwierig ist, warum sollte ich auf eine Gestaltung verzichten, die für eine Schule angemessen ist?“ – so Kuhlendahl. Die Kinder seien schon lange genug in Provisorien untergebracht gewesen.

Kuhlendahl erinnert außerdem daran, dass Frankfurt mit Schulbauten in öffentlich-privater Partnerschaft schon früher schlechte Erfahrungen gemacht hat. Damals seien die Projekte insbesondere in puncto Qualitätssicherung problematisch gewesen und wurden nicht wiederholt. Als Beispiel nennt er die Freiherr-vom-Stein-Schule am Südbahnhof.

Die Stadt sagt: Alles läuft nach Plan

Das Baudezernat verteidigt das gewählte Verfahren. Weil die Stadt kein eigenes geeignetes Grundstück hatte, wurde ein europaweites Interessenbekundungsverfahren gestartet – aber nur ein einziges Angebot ging ein. Deshalb, so die Argumentation, war kein weiterer Wettbewerb nötig. Ein „amtsinterner Gestaltungsbeirat“ habe den Entwurfsprozess maßgeblich begleitet und die Qualität gesichert.

Außerdem betont die Stadt die Nachhaltigkeit des Projekts: Solaranlage auf dem Dach, umweltfreundliche Baumaterialien – Frankfurt spricht von der ersten klimaneutralen Schule der Stadt. Der Schulhof soll zudem üppig begrünt werden.

Ein Trend, der beunruhigt

Moritz Kölling, Vorsitzender des hessischen Landesverbands des Bundes Deutscher Architekten, sieht das Projekt kritisch und stellt es in eine Reihe mit ähnlichen Entwicklungen in der Region. Der Main-Kinzig-Kreis etwa vergibt komplette Schulbauprojekte an sogenannte „Generalübernehmer“ – darunter die nach eigenen Angaben „schnellste Schule Deutschlands“ in Nidderau. Für eine weitere Schule in Bruchköbel wird wieder ein „Totalübernehmer“ gesucht. Köllings Fazit: „Das geht zulasten der Qualität, des Mittelstands und der freien Büros.“

Seine zentrale Frage bringt den Konflikt auf den Punkt: Wie verträgt sich der Anspruch an ein identitätsstiftendes öffentliches Gebäude mit einem Verfahren, das Planung, Bau und wirtschaftliches Risiko weitgehend in einer Hand bündelt?

Was bedeutet das für Frankfurt?

Hier im Main-Gebiet kennen wir unsere Stadt – und wir wissen, dass Schulen mehr sind als bloße Gebäude. Sie sind Orte, an denen Kinder aufwachsen, lernen und ihre Zukunft gestalten. Ob die Johanna-Tesch-Schule in Preungesheim am Ende wirklich hält, was die Stadt verspricht, wird sich zeigen, wenn die ersten Schülerinnen und Schüler einziehen. Eines ist aber klar: Die Debatte um Tempo versus Qualität beim Frankfurter Schulbau ist noch lange nicht vorbei. Radio Frankfurt bleibt für euch dran!

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