
Mozarts unvollendetes Singspiel Zaide kommt ins Bockenheimer Depot in Frankfurt: Liebe, Flucht und offene Fragen zur Freiheit auf der Opernbühne.
Der Sound der Weltstadt ist manchmal auch ein Stück Musikgeschichte, das nie fertig wurde! In Frankfurt steht jetzt Mozarts Singspiel „Zaide“ auf dem Programm – ein Werk, das der Komponist nie zu Ende gebracht hat. Ohne Ouvertüre, ohne Finale und ohne vollständige Dialoge ist „Zaide“ überliefert, wie Theaterkompass.de berichtet. Und genau diese Lücken machen das Stück so spannend für die Inszenierung im Bockenheimer Depot.
Die Geschichte: Zaide und Gomatz lernen sich in der Gefangenschaft von Soliman kennen und verlieben sich ineinander. Ein Fluchtversuch der beiden scheitert – und dann bricht Mozarts Fragment ab, bevor klar wird, ob Soliman die beiden begnadigt oder bestraft. Diese Offenheit gibt der Inszenierung von Regisseur David Hermann jede Menge Spielraum. Er kombiniert das Fragment mit Nummern aus Mozarts Schauspielmusik „Thamos, König in Ägypten“ aus dem Jahr 1773 und schärft damit die dunklen Seiten der Geschichte.
Wie Theaterkompass.de erklärt, entstand „Zaide“ in einer Zeit, die für Mozart selbst zum Wendepunkt wurde. Die Jahre im Dienst des Salzburger Fürsterzbischofs Colloredo empfand der Komponist als pure „Sklaverei“ – kurz darauf überwarf er sich mit seinem Dienstherrn und zog als freischaffender Musiker nach Wien. Die intensive Beschäftigung mit der menschlichen Seele, die in „Zaide“ durchscheint, markiert genau diesen Emanzipationsprozess: weg vom Brotgeber, weg von der Heimatstadt, weg vom eigenen Vater.
Text zum Singspiel lieferte Johann Andreas Schachtner. Die Uraufführung fand 1866 im Opernhaus Frankfurt statt – „Zaide“ hat also schon eine lange Geschichte in unserer Stadt! Gespielt wird in deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln. Musikalische Leitung hat George Petrou, für Bühnenbild sorgt Jo Schramm, für die Kostüme Sibylle Wallum. Mit dabei: Karolina Bengtsson als Zaide, Michael Porter als Gomatz, Peter Marsh als Soliman, Aleksander Myrling als Allazim und Pete Thanapat als Osmin, begleitet vom Frankfurter Opern- und Museumsorchester.
Welche Macht hat die Liebe? Wie steht es um die menschliche Empathie? Und was bedeutet Freiheit? Genau diese Fragen wirft „Zaide“ laut Theaterkompass.de auf – und sie kommen uns heute unerwartet nah, wenn man an Zwänge und Brutalitäten unserer Gegenwart denkt. Wer sich vorab einstimmen will: Eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn gibt es Einführungen im Bockenheimer Depot, kurz nach der Premiere außerdem eine Audioeinführung als Podcast. Am 16. Oktober findet zudem das Nachgespräch „Oper im Dialog“ anlässlich der Premiere statt. Weitere Vorstellungen laufen am 3., 7., 9., 11. (15.30 Uhr), 14., 16. und 18. Oktober (18 Uhr) 2026, sofern nicht anders angegeben jeweils um 19 Uhr.
Wer nach „Zaide“ Lust auf noch mehr Musiktheater hat: Die Oper Frankfurt zeigt auch „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck. Regisseur Keith Warner gibt der Oper laut Angaben der Oper Frankfurt einen psychologischen Twist – als Erwachsene blicken Hänsel und Gretel darin auf ihre Kindheit im Waisenhaus und den dunklen Wald ihrer Erinnerungen zurück. Karten gibt es je nach Termin ab 16 Euro, Schüler und Studierende bekommen im Vorverkauf 50 Prozent Rabatt, ebenso Azubis, Arbeitslose, Frankfurt-Pass-Inhaber und Teilnehmer des Bundesfreiwilligendienstes.
Zwei Werke, zwei ganz unterschiedliche Zugänge zur Oper – und beide zeigen, wie lebendig die Frankfurter Opernszene gerade ist. Das beste Programm im Main-Gebiet gibt’s natürlich weiterhin bei uns. Jetzt reinhören und DANKE AN 344.000 HÖRER, die uns dabei begleiten!






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