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Leere Kassen in Hessens Kommunen: Milliarden-Loch im Main-Gebiet und ganz Hessen

Hessens Kommunen stecken tief in den roten Zahlen: 2,4 Milliarden Euro Defizit 2025. Wie Hofheim, Eppstein und der Landkreis Gießen gegensteuern wollen.

Redaktion
·
3. November 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 59 Minuten

Hessens Städte und Gemeinden in der Finanzklemme

Das ist kein schönes Thema, aber wir müssen da jetzt mal ganz ehrlich drüber reden: Hessens Kommunen stehen finanziell mit dem Rücken zur Wand. Laut Statistischem Landesamt weisen vier von fünf der insgesamt 421 Kommunen in Hessen für das Jahr 2025 ein Finanzierungsdefizit auf. Zusammengerechnet türmt sich da ein Minus von rund 2,4 Milliarden Euro auf. Und das Krasse dabei: Es trifft nicht nur die ländlichen Regionen weit weg vom Trubel – auch Städte im an sich wohlhabenden Speckgürtel von Frankfurt, mit gut verdienenden Bürgern und top Infrastruktur, kommen aus den roten Zahlen nicht raus.

Auch Hofheim und Eppstein kämpfen

Wie die FAZ berichtet, gehören Hofheim und Eppstein zu den Kommunen, die trotz guter Lage im Rhein-Main-Gebiet finanziell im Minus stecken. Manche Städte retten sich mit Rücklagen noch über die Runden, bei vielen anderen sind die Kassen inzwischen aber schlicht leer. Hofheims Bürgermeister Wilhelm Schultze fordert deshalb in einem offenen Brief eine Art „Hessenkasse 2.0“ für Kassenkredite und Altschulden – und eine dauerhaft bessere Finanzausstattung der Kommunen. Auch Stadträtin Andrea Sehr aus Eppstein spricht sich für mehr Spielraum bei Konsolidierungen aus.

Zur Erinnerung: Die ursprüngliche Hessenkasse hatte schon mal Nachbarstädten wie Hattersheim und Flörsheim geholfen, sich aus hohen Kassenkrediten zu befreien. Hattersheim profitiert heute sogar von neuen Gewerbeansiedlungen, unter anderem Rechenzentren. Aber – und das ist der Haken – mehr Gewerbe ist eben nicht für jede Kommune die Lösung. Eppstein zum Beispiel liegt idyllisch in einem waldreichen Tal und hat kaum Flächen für neue Betriebe.

82 Prozent für Pflichtaufgaben – da bleibt nicht viel übrig

Warum ist die Lage so verfahren? Innenminister Roman Poseck bringt es auf den Punkt: Die hessischen Kommunen haben 2025 das besagte Defizit von 2,4 Milliarden Euro verzeichnet, und rund 82 Prozent der kommunalen Haushalte gehen für gesetzliche Pflichtaufgaben drauf. Für Kultur, Sport oder Schwimmbäder bleibt da oft einfach nichts mehr übrig. Diese Zahlen hat das Hessische Innenministerium bei einem Besuch in der Kreisverwaltung Gießen genannt.

Bürokratieabbau als ein Baustein der Lösung

Während also an vielen Stellen über Kürzungen, Einsparungen oder Steuererhöhungen diskutiert wird, setzt das Land Hessen auch auf einen anderen Hebel: weniger Bürokratie. Der Landkreis Gießen ist jetzt offiziell als Modellkommune nach dem Kommunalen Flexibilisierungsgesetz, kurz KommFlexG, anerkannt – nach dem Landkreis Fulda und der Gemeinde Kalbach die dritte Modellkommune in Hessen.

Landrätin Anita Schneider erklärt, der Landkreis habe sich frühzeitig mit den Möglichkeiten des KommFlex auseinandergesetzt und insgesamt 33 Anträge auf Befreiung von landesrechtlichen Standards gestellt – von der Feuerwehr über Aufenthaltsrecht bis zur Kinderbetreuung. Ein konkretes Beispiel: Bei der Erteilung und Verlängerung von Duldungen soll künftig nur noch eine statt zwei Verwaltungsebenen zuständig sein. Das spart Zeit und Nerven, bei der Verwaltung genauso wie bei den Bürgern.

Landesweit sind laut Innenministerium inzwischen 170 Anträge von Kommunen eingegangen, die vom Kommunalen Flexibilisierungsgesetz Gebrauch machen wollen. Das Gesetz gilt seit dem 1. März 2026 und erlaubt es Kommunen, sich für bis zu vier Jahre von bestimmten landesrechtlichen Standards befreien zu lassen. Die Erfahrungen der Modellkommunen sollen ausgewertet werden und in die weitere Modernisierung kommunaler Verwaltungsverfahren einfließen.

Am Ende zahlen die Bürger drauf

So wichtig der Bürokratieabbau auch ist – er allein wird das Milliarden-Loch in den hessischen Kommunalkassen nicht stopfen. Die FAZ macht klar: Wenn Kommunen wie Hofheim kaum noch andere Instrumente haben, landet die Last am Ende oft bei den Bürgern, etwa durch kräftige Erhöhungen der Grundsteuer B. Für viele Städte und Gemeinden im Main-Gebiet und ganz Hessen bleibt die Finanzlage also angespannt – und die Forderung nach echter Entlastung durch das Land steht weiter im Raum.

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