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Kühlmobile in Frankfurt: So kämpft die Stadt gegen den Hitzetod auf der Straße

Kühlmobile in Frankfurt helfen obdachlosen Menschen bei extremer Hitze. Wie die Johanniter mit umgebauten Linienbussen Leben retten wollen – alle Infos hier.

Redaktion
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7. August 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 1 Monat

Wenn die Hitze zur Gefahr wird

Stellt euch vor: 34 Grad, pralle Sonne – und kein kühles Zuhause, in das ihr euch zurückziehen könnt. Für rund eine Million wohnungslose Menschen in Deutschland ist das keine Vorstellung, sondern bitterer Alltag. Einer von ihnen ist Dennis Christopher Kühn. Er ist 36 Jahre alt, seit zehn Tagen wieder obdachlos und steht bei knapp 34 Grad Außentemperatur neben dem Märchenbrunnen am Willy-Brandt-Platz in der Frankfurter Innenstadt. Die Hitze spüre er am stärksten an den Füßen, erzählt er – die schwellen durch die Wärme an, der Schweiß weicht die Haut auf. „Es tut einfach nur sehr weh.“

Kühn ist seit 2016 in Frankfurt – und fast die ganze Zeit über obdachlos. Um die Hitze zu überstehen, taucht er zwei- bis dreimal täglich in den Brunnen am Willy-Brandt-Platz. Die Hochhausschluchten des Bankenviertels helfen ein bisschen, weil der Wind durchzieht. Am meisten hält er sich aber in der „B-Ebene“ unter dem Frankfurter Bahnhofsvorplatz auf: „Wenn die U-Bahnen einfahren, hat man diesen schönen Fahrtwind.“

Das Kühlmobil: Eine Idee, die Leben retten kann

Genau hier setzt die Stadt Frankfurt jetzt an. Am Willy-Brandt-Platz stehen seit Anfang August zwei ausrangierte Linienbusse – umfunktioniert zu mobilen Kühlstationen. Je rund vierzig Plätze, täglich von 13 bis 19 Uhr geöffnet. Gold-silberne Rettungsdecken spannen sich über die Fensterbreite, zwei mobile Klimageräte und zwei Ventilatoren laufen durchgehend, um die Raumtemperatur bei 20 Grad zu halten. Pfandfreie Wasserflaschen liegen bereit, Mitarbeiter der Johanniter-Unfall-Hilfe stehen als Ansprechpersonen zur Verfügung.

„Obdachlose Menschen können sich nicht einfach in einem klimatisierten Einkaufszentrum oder Restaurant abkühlen“, sagte Sozialdezernentin Elke Voitl zur Eröffnung. Oliver Pitsch, Vorstandsmitglied der Johanniter Rhein-Main, erklärt die Entstehung der Idee: Dieser Sommer sei extrem heiß gewesen – früher, anhaltender und anders als die Jahre zuvor. Die Johanniter registrierten eine deutliche Zunahme rettungsdienstlicher Einsätze an den heißesten Tagen. Schnell wurde klar: Hydration, also das Zuführen von Wasser in den Körper, ist neben dem Abkühlen die entscheidende Voraussetzung dafür, dass ein Mensch nicht zusammenbricht.

Frankfurt ist nicht allein – aber es braucht mehr

Frankfurt ist mit dem Kühlmobil nicht die einzige Stadt, die aktiv wird. Bereits unterwegs ist der „Hitzebus“ des Frankfurter Vereins für soziale Heimstätten: Er fährt während Hitzewellen abends von 18.30 bis 2 Uhr durch die Stadt und verteilt Wasser, Kappen, Sonnencreme und Wasserzerstäuber. Berlin betreibt eine „Hitzehilfe“ in Schöneberg mit kühlen Tagesräumen, Duschen und Beratung. Stuttgart schickt das Deutsche Rote Kreuz los, sobald die Temperaturen 30 Grad überschreiten.

Doch das Rote Kreuz und der Sozialverband VdK fordern schon länger flächendeckende Lösungen: kühle Orte, gekühlte Unterkünfte und freier Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe forderte 2024 sogar einen eigenen Hitzeschutzfonds, damit Einrichtungen Sonnencreme, Wasser und Sonnensegel anschaffen können. Laut dem Robert-Koch-Institut sind in diesem Sommer bundesweit bereits etwa 11.900 Menschen an Hitzefolgen gestorben – wie viele davon auf der Straße lebten, wird in keiner Statistik erfasst.

„Warnsignale wahrnehmen“ – ein Appell an die Politik

Oliver Pitsch fährt selbst Rettungsdienst und kennt die Zeichen der Hitzeschwäche: roter Kopf, schwere Atmung, Schweißperlen, der Blick auf den Boden. „Wir müssen die Warnsignale von diesem Sommer wahrnehmen“, fordert er – und meint damit die dritte Hitzewelle in diesem Sommer. Hitzeschutz für vulnerable Gruppen müsse von der Politik mitgedacht werden, insbesondere bei der Stadtplanung.

Dennis Kühn findet den Bus eine „geile Idee“. An diesem Tag nimmt er sich erst mal Wasser mit – aber er will wiederkommen. Und seinem Freund will er von der „Busfahrt, ohne zu fahren“ erzählen. Kleine Momente, die zeigen: Manchmal braucht es keine großen Gesten. Manchmal reichen 20 Grad, eine Wasserflasche und ein Platz zum Sitzen.

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