
Kinderarmut in Frankfurt und Offenbach im Fokus: 300 Fachleute diskutierten, was Kinder wirklich brauchen – und was ihnen täglich fehlt.
Stifte, Drucker, ein ruhiger Platz zum Lernen – Dinge, die für viele selbstverständlich klingen. Für Tausende Kinder in Frankfurt und Offenbach sind sie es nicht. Das zeigt die zweite Armutskonferenz der beiden Städte, die am 25. August 2026 im Capitol Offenbach stattfand. Rund 300 Vertreterinnen und Vertreter aus Ämtern, Schulen, Politik, Sozialarbeit, Familienpflege und Jobcentern kamen zusammen, um genau darüber zu reden: Was fehlt? Und was muss sich ändern?
Besonders eindrucksvoll: Aysin Oruç Özmen (17) und Lucas Santermans (16) vom Offenbacher Kinder- und Jugendparlament haben vor der Konferenz einfach mal die befragt, um die es geht – die Kinder selbst. Ihre Erkenntnisse haben sie auf dem Podium vorgestellt. Das Ergebnis ist eindeutig: Vielen Kindern fehlt schon die absolute Grundausstattung für den Schulalltag. Kein Drucker zu Hause, kein Laptop, kein USB-Stick – manchmal nicht mal Stifte. Dazu kein Geld für ein Nahverkehrsticket oder Nachhilfe.
„Es gibt keinen Rückzugsort“, sagt Özmen. Im Winter sei es draußen zu kalt, zu Hause laut und beengt. Wer sich irgendwo aufhalten will, muss dort konsumieren – das beschreibt Santermans als dauerhaften Kaufdruck, dem Jugendliche ausgesetzt sind. Das alles schadet der Konzentration, dem Lernen, den Zukunftschancen.
Eine konkrete Idee, die auf der Konferenz diskutiert wurde: Lernräume schaffen, die für alle Kinder offenstehen – ausgestattet mit den nötigen Materialien. Kein Konsumzwang, kein Platzmangel, kein lautes Umfeld. Einfach ein Ort, an dem Lernen möglich ist.
Doch es geht um mehr als Material. Eingeladen zur Konferenz hatten das Offenbacher Jugendamt, die Diakonie Frankfurt-Offenbach, der Evangelische Regionalverband Frankfurt und Offenbach sowie der Evangelische Verein für Kinder- und Jugendhilfe Rhein-Main. Der Auftrag war klar: den Kommunen Ideen und Wege aufzeigen, wie sie mehr gegen Armut tun können. Denn Armut im Kindesalter wirkt sich auf Bildung, Gesundheit, Teilhabe und Zukunftschancen aus – und damit auf die gesamte Gesellschaft.
Markus Eisele vom Evangelischen Regionalverband brachte es auf den Punkt: Er wundert sich, warum das Thema nicht viel lauter skandalisiert wird. Nicht die Familien müssten sich dem System anpassen – das System müsse auf den Bedarf reagieren. „Niemand darf verloren gehen, von der Geburt bis ins Erwachsenenalter.“
Ouafa Bohus, eine ehemalige Teilnehmerin des Scout-Projekts, berichtete auf dem Podium, wie ihr das Projekt half, aus der Obdachlosigkeit zurück zum Schulerfolg zu finden. „Ich fühlte mich nicht gesehen.“ Scout habe das geändert. Heute hat sie Soziale Arbeit studiert und arbeitet in dem Feld – sieht aber noch immer Lücken: wenn Ämter Zuständigkeiten abschieben oder Formulare nicht übersetzt werden.
Helena Wolf, Offenbacher Stadträtin unter anderem für Bildung und Jugend, machte deutlich: „Alleine, dass es Institutionen wie die Tafel geben muss in einem reichen Land wie Deutschland, zeigt, dass Lücken im System bestehen.“ Bessere Kontakte zu Familien und frühzeitige Kitauntersuchungen nennt sie als Mittel, um gegenzusteuern.
Özmen bringt es auf eine klare Botschaft: Es geht nicht nur darum, dass Kinder die Zukunft sind. „Sie haben auch das Recht, nicht in Armut leben zu müssen.“ Das ist kein frommer Wunsch – das ist eine Forderung. Und eine, die Radio Frankfurt voll und ganz unterstützt. Wir sind Frankfurt. Wir sehen hin.






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