
Ehrenamt in der Krise: Vereine im Wetteraukreis und der Region Frankfurt finden kaum noch Vorstandsmitglieder. Was das für unsere Community bedeutet.
Hand aufs Herz: Wann hast du zuletzt überlegt, dich in einem Verein zu engagieren? Oder sogar einen Vorstandsposten zu übernehmen? Genau da liegt das Problem – und es betrifft nicht nur Frankfurt, sondern die ganze Region. Im Wetteraukreis schlagen gerade viele Vereinsverantwortliche Alarm: Die Ehrenamtlichen werden immer weniger, und wer den Laden am Laufen halten soll, ist oft unklar.
Bettina Winkel kennt das Problem aus erster Hand. Sie ist Vorsitzende des Sängerkreises Friedberg-Wetterau und hat über 20 Mitgliedsvereine im Blick. Ihr Fazit ist eindeutig: „An Ehrenamtlichen mangelt es eigentlich in jedem Verein. Es gibt durchaus Vereine, die keinen Vorstand mehr zusammenbekommen.“ Starke Worte – aber leider keine Übertreibung.
Was Bettina Winkel über sich selbst erzählt, sagt alles: Ihr Vorgänger im Amt hat es 40 Jahre lang gemacht. Dann suchte er einen Nachfolger – und Winkel sprang ein. Jetzt macht sie es selbst schon seit 16 Jahren. Und wenn sie geht? „Ich wüsste heute nicht, wer mich ablösen sollte, und ich frage immer.“ Dieses Muster zieht sich durch unzählige Vereine: Engagierte Menschen halten Jahrzehnte durch, weil niemand nachrückt.
Besonders bei den Chören spitzt sich die Lage zu. Nicht nur fehlen Vorstandsmitglieder – es mangelt auch an Chorleitern. Fortbildungen gibt es zwar, aber wie Winkel erklärt: „Es gehört eben auch etwas dazu, sich vor einen Chor zu stellen und einen Chor zu leiten.“ Fachkompetenz plus Mut plus Zeit – eine Kombination, die immer seltener zu finden ist.
Manche Vereine haben bereits reagiert und denken um. Statt einen einzelnen Vorsitzenden zu suchen, bilden sie Vorstands-Teams. Das bedeutet: Aufgaben werden auf mehrere Schultern verteilt, niemand muss alles alleine stemmen. Eine clevere Idee – aber auch ein Zeichen dafür, wie ernst die Lage ist.
Denn eigentlich sollte ein Verein genug motivierte Mitglieder haben, um Ämter problemlos zu besetzen. Dass man heute schon froh ist, wenn sich überhaupt jemand findet – egal in welcher Form – zeigt, wie sehr sich das Engagement im Wandel befindet.
Was im Wetteraukreis passiert, ist kein Einzelfall. Auch in Frankfurt und dem gesamten Main-Gebiet kämpfen Sportvereine, Kulturgruppen, Nachbarschaftsinitiativen und Traditionsvereine mit demselben Problem. Das Leben wird schneller, Freizeit ist kostbar – und ein Ehrenamt kostet vor allem eines: Zeit.
Dabei sind Vereine das Rückgrat einer lebendigen Community. Sie halten Nachbarschaften zusammen, bewahren Traditionen, bieten Begegnung und Gemeinschaft. Wenn sie sterben, verlieren wir alle etwas – den Sound einer lebendigen Stadtgesellschaft, die mehr ist als Hochhäuser und Hochglanz.
Du singst gerne, treibst Sport, interessierst dich für Kultur oder willst einfach etwas in deiner Nachbarschaft bewegen? Dann schau dich um, was in deiner Nähe gebraucht wird. Es muss nicht gleich der Vorsitz sein – auch kleine Aufgaben machen einen riesigen Unterschied. Denn ohne Menschen wie dich gibt es bald keine Vereine mehr, die das Lebensgefühl unserer Region am Leben erhalten. Und das wäre wirklich schade – für Frankfurt, für das Main-Gebiet und für uns alle. Also: Ran ans Ehrenamt!






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