
Rekord-Niedrigwasser legt den Frankfurter Osthafen lahm – kein einziges Frachtschiff liegt mehr im Becken.
Zwei Schwäne, kein einziges Frachtschiff: So sieht es dieser Tage im Frankfurter Osthafenbecken aus. Das Niedrigwasser im Sommer 2026 bricht laut Matthias Krämer, Operation Manager bei Contargo, sämtliche Rekorde seiner 29-jährigen Dienstzeit. Wo sonst Zwölf-Meter-Container von Binnenschiffen entladen und auf Güterzüge oder Lastwagen verteilt werden, herrscht gähnende Leere auf der Wasserseite. Frankfurt erlebt gerade hautnah, wie fragil unser Güterverkehrssystem wirklich ist.
Der Frankfurter Osthafen ist ein trimodaler Umschlagpunkt: Binnenschiffe bringen Container aus den Meerhäfen, die dann per Güterzug oder Lkw weiterreisen. Klingt nach einem perfekten System – aber wie Andreas Roer, Managing Director des Unternehmens, offen zugibt: Reibungslos funktioniert das praktisch nie. Erfahrung und Improvisationstalent sind gefragt. Und in diesem Sommer, wenn die Schiffe komplett ausbleiben, zieht das die gesamte Lieferkette in Mitleidenschaft.
Die Bahn springt als Alternative kaum ein. Der Güterzug aus Hamburg? Ausgefallen. Unzuverlässig, wie meist. Hinzu kommt: Die halbjährige Vollsperrung wegen der Korridorsanierung am rechten Rheinufer macht die Schiene noch unzuverlässiger. Güterverkehr kommt immer zuletzt – selbst die S-Bahn hat Vorfahrt.
Und der Lkw? Hessen hat das Wochenendfahrverbot für schwere Lastwagen bis Ende August aufgehoben. Doch auch das hilft der Branche nur bedingt weiter. Fahrerinnen und Fahrer sind Mangelware, sie müssen gesetzliche Ruhezeiten einhalten. „Eben mal zusätzlich am Sonntag nach Rotterdam zu fahren, das ist nicht zumutbar“, macht Roer deutlich.
Die Grünen-Landtagsfraktion hat den Osthafen deshalb am Donnerstag besucht und ihren Aktionsplan Niedrigwasser vorgestellt. Katy Walther, Sprecherin für Verkehr im Landtag, bringt es auf den Punkt: „Flexibilität im Güterverkehr zwischen Binnenschiff, Bahn und Lkw ist der Schlüssel, damit bei Niedrigwasser möglichst viele Güter auch kurzfristig umgeleitet werden können.“ Ihre Kollegin Kaya Kinkel, Sprecherin für Wirtschaft, mahnt: „Das Land kann verhindern, dass aus Niedrigwasser eine Produktions- und Versorgungskrise wird.“
Der Aktionsplan der Grünen sieht unter anderem vor:
Klimapolitische Sprecherin Martina Feldmayer fasst die Botschaft zusammen: „Konsequenter Klimaschutz ist auch harte Standortpolitik.“
Das größte Manko sieht Roer im kurzfristigen Denken der Politik. Seit rund 20 Jahren fordert die Branche eine Vertiefung der Rheinrinne und den Ausbau der Schienenkapazitäten. Wenn endlich etwas passiert, ist der Bedarf längst ein anderer. Sein Fazit: „Langfristig benötigen wir jetzt Schleusen am Rhein.“ Auch die Hafenanrainer kämpfen an einer anderen Front: Mit Zähnen und Klauen verteidigen sie ihr Industriegewerbe in der Schmickstraße gegen den Druck der Gentrifizierung – denn Frankfurt rückt auf der Suche nach Wohnflächen immer näher an den Osthafen heran.
Operation Manager Krämer, 65 Jahre alt und seit fast drei Jahrzehnten im Geschäft, bringt die Lage nüchtern auf den Punkt: Einen Sommer wie diesen hat er noch nie erlebt. Und das will bei seiner Erfahrung wirklich etwas heißen. Frankfurt braucht Lösungen – und zwar jetzt.






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