
Am 2. November eröffnet die erste Jüdische Akademie Deutschlands in Frankfurt. Alle Infos zu Programm, Kosten und Eröffnungsgästen wie Steinmeier und Schuster.
Jetzt wird’s konkret, Frankfurt! Am Montag, den 2. November, öffnet die Jüdische Akademie endlich ihre Türen – und das ist keine kleine Nummer: Es handelt sich um die erste überregionale, nicht-universitäre jüdische Bildungseinrichtung in Deutschland seit der Schoah. Wie der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, ankündigte, soll die Akademie ein Ort des Diskurses und der Begegnung werden. Zum Festakt hat sich sogar Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier angesagt – mehr Prominenz geht kaum!
Neben Steinmeier und Schuster werden auch Hessens Ministerpräsident Boris Rhein und Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef zur Eröffnung im Frankfurter Westend erwartet. Damit ist quasi die komplette Riege der Geldgeber vor Ort. Die Allgemeine Zeitung berichtet, dass sich die Baukosten von rund 40 Millionen Euro etwa hälftig zwischen dem Zentralrat und den öffentlichen Geldgebern Bund, Land und Stadt aufteilen – wobei der Bund den größten Batzen der staatlichen Hälfte stemmt. Der Zentralrat selbst übernimmt zusätzlich die laufenden Kosten.
Schuster erklärte, das Ziel sei unter anderem, die jüdische Stimme zu gesamtgesellschaftlichen Themen besser hörbar zu machen. Bislang sei der Zentralrat oft nur dann gefragt worden, wenn es um antisemitische Vorfälle ging. Doch Judentum sei eben mehr als Verfolgung. Auf der Homepage der Akademie heißt es, jüdisches Leben in Deutschland sei vielfältig, diskursfreudig und gegenwärtig – genau diese Pluralität soll sichtbar gemacht werden, mit Perspektiven auf Religion, Philosophie, Geschichte, Politik, Kunst und Literatur.
Laut der Allgemeinen Zeitung gliedert sich das Programm in fünf Schwerpunkte: Neben der „Professionalisierung“, die sich an Beschäftigte jüdischer Institutionen richtet, gibt es die Themenfelder Jüdische Geschichte, Kultur und Tradition, Jüdische Gegenwart, Israel und der Nahe Osten sowie Politik und Gesellschaft. Diese vier Bereiche sind für alle offen, die am akademischen Diskurs teilnehmen wollen. Etwa 25 Mitarbeiter kümmern sich künftig um Seminare, Symposien und Studientage mit externen Experten. Eine Kooperation mit der Goethe-Universität Frankfurt ist ebenfalls vereinbart – geplant sind unter anderem gemeinsame Lehrveranstaltungen im Akademiegebäude.
Die Idee für die Akademie entstand bereits in den 2010er Jahren, zunächst war Berlin als Standort im Gespräch. Am Ende wurde man in Frankfurt fündig – und laut Schuster aus gutem Grund: Die Mainmetropole habe eine sehr lebendige jüdische Gemeinde und sei zudem zentral gelegen und gut angebunden. Die Allgemeine Zeitung erinnert zudem daran, dass Frankfurt schon in den 1920er Jahren Sitz des „Freien Jüdischen Lehrhauses“ war, initiiert vom Historiker Franz Rosenzweig und dem Religionsphilosophen Martin Buber. Eine echte Tradition also, an die jetzt angeknüpft wird.
Baulich besteht die Akademie aus einer denkmalgeschützten ehemaligen Professoren-Villa von 1914 und einem vierstöckigen Neubau, verbunden durch ein gläsernes Zwischengebäude des Frankfurter Architekten Zvonko Turkali. Die Bauweise mit viel Glas soll für Sichtbarkeit und Transparenz sorgen – passend zur Lage nahe dem Messe-Eingang. Der erste Spatenstich erfolgte bereits am 2. September 2021, die Bauzeit verlängerte sich durch Corona und andere Krisen um rund drei Jahre. Die bisherige Leitung der Bildungsabteilung des Zentralrats, Sabena Donath und Doron Kiesel, die bislang im Frankfurter Nordend saß, übernimmt künftig auch die Führung der neuen Akademie an der Senckenberganlage.
Gerade in Zeiten einer erstarkenden AfD und wachsendem Antisemitismus sei es wichtig, die Normalität des Judentums in Deutschland zu zeigen, sagte Schuster. Es gehe darum zu verdeutlichen, dass jüdisches Leben seit Jahrhunderten zur deutschen Kultur gehört – nichts Außergewöhnliches oder Exzentrisches. Dabei soll auch vor polarisierenden Themen wie dem Nahost-Konflikt nicht zurückgeschreckt werden: Solche Debatten sollen laut Schuster selbstverständlich stattfinden und kontrovers diskutiert werden. Auch der interreligiöse Dialog – christlich-jüdisch wie muslimisch-jüdisch – spielt eine große Rolle, genauso wie das Aushalten von Unterschieden bei gleichzeitiger Stärkung von Gemeinsamkeiten.
Ein Ort, der Frankfurt zum neuen Zentrum jüdischen Denkens in Deutschland macht – wir von Radio Frankfurt bleiben dran und halten euch auf dem Laufenden!
Update: Es gibt neue Entwicklungen zu diesem Thema:






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