
Seit 1959 bringt Jazz im Palmengarten Frankfurt und Polen musikalisch zusammen. Zum 100. Geburtstag von Gründer Werner Wunderlich ein Rückblick auf seine…
Der Sound der Weltstadt hat eine lange Geschichte – und die beginnt mitten im Grünen. Im Frankfurter Palmengarten läuft seit 1959 ununterbrochen jeden Sommer eine Konzertreihe, die heute als weltweit älteste kontinuierlich veranstaltete Open-Air-Jazzreihe gilt. Wie die Jazz-Plattform United in Jazz berichtet, geht die Gründung von „Jazz im Palmengarten“ auf den Organisator Heinz Werner Wunderlich zurück, der am 15. September 2026 seinen hundertsten Geburtstag gefeiert hätte.
Wunderlichs Weg zum Jazz begann alles andere als gewöhnlich. 1926 geboren, geriet er gegen Kriegsende in polnische Gefangenschaft und verbrachte dort vier Jahre. Nach seiner Rückkehr 1948 begann er ein Bauingenieurstudium in Darmstadt, gründete einen Amateur-Jazzclub und knüpfte Kontakte zur damals stärksten Jazzszene Deutschlands in Frankfurt – zu Emil und Albert Mangelsdorff, Joki Freund und Rudi Sehring.
Der eigentliche Durchbruch kam 1957: Wunderlich erhielt eine Einladung zum Jazzfestival im polnischen Sopot und organisierte den ersten Besuch westdeutscher Jazzmusiker in Polen nach dem Krieg. Wie United in Jazz schreibt, prägten polnische Musiker und Kritiker bei dieser Gelegenheit den Begriff „Frankfurt Sound“ für den Stil rund um die Brüder Mangelsdorff und Joki Freund.
Nur zwei Jahre später, 1959, holte Wunderlich den Jazz aus den Clubs heraus und direkt in den Palmengarten. Das erste Konzert spielten dieselben Frankfurter Musiker, die zuvor in Sopot aufgetreten waren. Aus einigen wenigen geplanten Abenden wurde eine Reihe mit mittlerweile mehr als 400 Veranstaltungen. Wunderlich selbst organisierte die Konzerte 44 Jahre lang, bis 2002. Danach übernahm der 1990 gegründete Verein Jazz-Initiative Frankfurt am Main (JIF) die Trägerschaft.
Open-Air-Konzerte bringen eigene Risiken mit sich – störende Flugzeuge oder laute Gänseschwärme gehörten laut United in Jazz zum Alltag der Reihe. Bei schlechtem Wetter wich man in den Festsaal des Gesellschaftshauses Palmengarten aus, der Platz für rund 800 Gäste bot, während im Freien bis zu 1.100 Zuhörer Platz fanden, in Spitzenjahren sogar 1.540.
Besonders eng blieb die Verbindung zu polnischen Musikern. Als erster Pole trat 1971 Michał Urbaniak im Palmengarten auf, insgesamt wirkten polnische Künstler an 29 Konzerten mit. Zu den Höhepunkten zählte laut United in Jazz das Konzert zu Wunderlichs 80. Geburtstag 2006 mit dem Polish Jazz Quartet sowie die Gedenkveranstaltung „In Memoriam Zbigniew Seifert“ im Jahr 2013.
Seit der Übernahme durch die JIF 2003 setzt die Reihe verstärkt auf europäischen Jazz – eine Entwicklung, die auch die Gründung des Labels ECM durch Manfred Eicher 1969 beschleunigt hatte. 2005 organisierte die JIF gemeinsam mit dem Adam-Mickiewicz-Institut das „German-Polish Jazz Jamboree“ in der Frankfurter Oper, bei dem 30 Musiker aus beiden Ländern auftraten.
Was Wunderlich geschaffen hat, bleibt bis heute lebendig: ein Ort, an dem sich Musik über Grenzen hinweg trifft.






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