
In Schwanheim haben drei von sechs Hausarztpraxen geschlossen – der Versorgungsgrad liegt nur noch bei 51,28 Prozent. Was das für die Menschen vor Ort bedeutet.
Stell dir vor, du bist krank – und findest einfach keinen Hausarzt mehr in deiner Nähe. Genau das ist in Schwanheim gerade bittere Realität. Drei von sechs Hausarztpraxen haben in dem Frankfurter Stadtteil dichtgemacht, zuletzt die Praxis von Dr. Jorge Castaneda in Alt-Schwanheim. Die Folge: Der Versorgungsgrad ist auf gerade mal 51,28 Prozent abgestürzt – und liegt damit weit unterhalb der kritischen Marke von 75 Prozent. Schwanheim ist damit nicht nur gefühlt, sondern auch statistisch unterversorgt.
Viele Schwanheimerinnen und Schwanheimer versuchen jetzt ihr Glück in den Nachbarstadtteilen – in Höchst, Nied, Griesheim, Niederrad oder sogar in Kelsterbach. Doch auch dort stoßen sie zunehmend auf verschlossene Türen. Die Praxen sind voll, das Personal ausgelastet, die Kapazitäten einfach erschöpft. Selbst Privatpatienten werden inzwischen abgewiesen. Die drei verbliebenen Praxen in Schwanheim selbst können kaum noch neue Patienten aufnehmen.
Besonders hart trifft es ältere Menschen: Wer nicht mehr selbst Auto fährt, schlecht zu Fuß ist oder auf Unterstützung angewiesen ist, kann nicht einfach quer durch Frankfurt fahren. Und Schwanheim ist nun mal nicht ideal ans öffentliche Nahverkehrsnetz angebunden. Noch schwieriger wird es, wenn Hausbesuche nötig sind – eine Praxis aus einem weit entfernten Stadtteil wird das kaum dauerhaft leisten können.
Klingt paradox, ist aber so: Rein rechnerisch gilt Frankfurt laut Alexander Kowalski, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung (KAV) Hessen, mit einem Versorgungsgrad von 112,72 Prozent als hausärztlich überversorgt. Ab 110 Prozent spricht man offiziell von Überversorgung – das bedeutet, dass derzeit keine freien Kassensitze zur Verfügung stehen. Ohne diesen Kassensitz ist eine ambulante Tätigkeit für gesetzlich Versicherte in Deutschland rechtlich und wirtschaftlich nicht möglich.
Die KAV setzt dabei auf sogenannte „Mitversorgungseffekte“: Höchst zum Beispiel hat einen hausärztlichen Versorgungsgrad von 180,17 Prozent. Doch das hilft den Menschen in Schwanheim wenig, wenn lange Wege, steigende Kosten für Krankenfahrten und längere Wartezeiten den Alltag erschweren. Jürgen Storjohann (SPD) weist zudem darauf hin, dass die neu eingeführte Pflicht zur Krankmeldung ab dem ersten Tag die Wartezimmer zusätzlich fülle.
Das Thema ist jetzt auch politisch angekommen: Der Ortsbeirat im Frankfurter Westen hat in seiner jüngsten Sitzung mehrheitlich einen Antrag von Jürgen Storjohann (SPD) verabschiedet. Darin wird der Magistrat aufgefordert, aktiv zu werden und das Gespräch mit der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen zu suchen. Direkt Ärzte zuteilen kann die Stadt zwar nicht – aber Storjohann fordert, dass die Neuzuordnung von Ärzte-Zulassungen stadtteilbezogen betrachtet wird, statt nur auf Gesamtfrankfurter Ebene.
Das Problem hat auch eine strukturelle Seite: Jüngere Ärztinnen und Ärzte scheuen zunehmend die Selbstständigkeit als Hausarzt. Lange Arbeitszeiten, wachsende Bürokratie, Personalmangel, hohe Investitionen und eine wirtschaftlich unsichere Perspektive schrecken ab. Hinzu kommen die Pflichten, die ein voller Kassensitz mit sich bringt – laut Bundesmantelvertrag-Ärzte (BMV-Ä) mindestens 25 Stunden Sprechstundenzeit pro Woche sowie die Teilnahme am ärztlichen Bereitschaftsdienst. Storjohann bringt es in seiner Antragsbegründung treffend auf den Punkt: Die Ärzteschaft „ist mit ihren Patienten gealtert“.
Wie es in Schwanheim weitergeht, bleibt offen. Klar ist: Hier braucht es dringend Lösungen – für die Menschen vor Ort, die einfach nur einen Hausarzt in ihrer Nähe wollen. Wir bleiben für euch dran!






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