
Die Gwinnerhöfe in Frankfurt-Seckbach sind bedroht: Eigentümerin Aurelis vergibt nur noch Jahresverträge und schweigt über einen möglichen Verkauf des Geländes.
Wer durch die Gwinnerstraße in Seckbach spaziert, erlebt etwas Besonderes: Auf rund 500 Metern reihen sich mächtige Backsteinhallen aneinander – die Gwinnerhöfe. Hier arbeiten 25 Unternehmen, darunter Künstler, Handwerker und Designer. Doch über dem kreativen Treiben liegt ein Schatten: Gerüchte über einen möglichen Verkauf des Geländes machen die Runde – und die Eigentümerin Aurelis weicht der Frage danach auffällig aus.
Einer der Mieter ist Ali Brambilla. Oberkörperfrei sitzt er in der Sonne vor seiner Werkstatt und arbeitet an einem Holz-Modell – ein Bild, das kaum besser zeigen könnte, wie lebendig es auf dem Gelände zugeht. Drinnen in der großen Halle stehen Werktische, Regale voller Farbeimer, Kisten und Werkzeug. Eine riesige schwarze Maske hängt unter der Decke, Farbflecken an den Wänden erzählen von früheren Projekten.
Brambilla ist Raumgestalter: Gemeinsam mit seinem Kollegen Jörg Henn erschafft er Skulpturen, entwirft Museumsräume und baut Filmkulissen für Kino- und TV-Produktionen. Seit 2018 ist sein Unternehmen in einer der Backsteinhallen an der Gwinnerstraße zu Hause. Und genau das soll – wenn es nach ihm und seinen Mitstreitern geht – auch so bleiben.
Was die Mieter der Gwinnerhöfe beunruhigt: Die Eigentümerin Aurelis vermietet die Flächen inzwischen offenbar nur noch mit Jahresverträgen. Für Künstler und Kreative, die auf langfristige Planungssicherheit angewiesen sind, ist das ein ernstes Signal. Wer weiß schon, ob er in zwölf Monaten noch in seiner Halle arbeiten darf – und ob sich eine große Investition in Ausstattung oder Infrastruktur dann überhaupt noch lohnt?
Aurelis selbst weicht der zentralen Frage aus, ob das Gelände verkauft werden soll. Klare Antworten? Fehlanzeige. Genau diese Unklarheit treibt die Mieter um. Das Gerücht über einen bevorstehenden Verkauf kursiert bereits – und auch Ali Brambilla hat es schon gehört.
Die Gwinnerhöfe stehen für mehr als nur günstige Gewerbeflächen. Sie sind ein Stück Industriegeschichte Frankfurts, ein lebendiger Ort, an dem Handwerk auf Kunst trifft und kreative Köpfe ihrer Arbeit nachgehen. Solche Orte sind in einer wachsenden Stadt wie Frankfurt rar – und einmal verloren, kaum zu ersetzen.
Der Sound der Weltstadt lebt auch von Orten wie diesen: von alten Mauern, die neuen Ideen Raum geben. Ob die Gwinnerhöfe diesen Raum behalten dürfen, ist derzeit offen. Wir bleiben dran – und halten euch auf dem Laufenden!






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