
Carlo und Karin Giersch haben eine der größten Privatsammlungen regionaler Kunst Deutschlands aufgebaut und Frankfurt damit ein bleibendes Kulturerbe geschenkt.
Eine heiße Worscht über die Verkaufstheke – so fing alles an. Carlo und Karin Giersch lernten sich einst in der elterlichen Metzgerei von Karin Lutz kennen, wie sie damals noch hieß. Seitdem sind sie 63 Jahre verheiratet und haben gemeinsam etwas aufgebaut, das Frankfurt richtig stolz machen kann: eine der größten Privatsammlungen regionaler Kunst in ganz Deutschland.
Der Sound der Weltstadt steckt nicht nur in der Musik – er steckt auch in der Kunst. Und genau das haben Carlo und Karin Giersch früher erkannt als die meisten. Ihre Sammlung umfasst Werke von 68 Malern und Bildhauerinnen aus Frankfurt, der Kronberger Malerkolonie, aus Hessen und darüber hinaus – alle mit einem besonderen Bezug zur Region.
Anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Museums Giersch und der zehnjährigen Kooperation mit der Goethe-Universität hat die Stiftung Giersch einen monumentalen Sammlungskatalog herausgegeben. „Freude am Sammeln“ heißt das Werk – dreieinhalb Kilo schwer, 624 Seiten stark, mit 415 Abbildungen. Alphabetisch geordnet von Wilhelm Altheim bis Fritz Wucherer. Für das Ehepaar ist es mehr als ein Katalog: „Jedes einzelne Bild, jeder einzelne Artikel darin erinnert uns an vergangene glückliche Kunst-Einkäufe, an Begegnungen mit neuen Werken, an unser gemeinsames Leben“, sagen sie.
Die Liebe zur Kunst war den Gierschs nicht in die Wiege gelegt. Es war Carlo Gierschs damaliger Chef Ludwig Spoerle, der das Ehepaar ins Atelier des Malers Karl Dörrbecker im Bahnhofsviertel schleppte – und damit eine echte Initialzündung auslöste. Danach schaute Carlo Giersch sich die Büros seiner Mitarbeiter an, die voller Kalender und Urlaubsfotos hingen. „Das hat mir nun missfallen“, erinnert er sich. Schnell kamen Kunst-Lithographien an die Wände – der Anfang einer langen Reise.
Karin Giersch brachte dann die entscheidende Frage: „Kannst du nicht schöne Bilder kaufen?“ Das war die Geburtsstunde der Leidenschaft für die Kronberger Maler – Spätromantiker und Impressionisten, die sich vor allem der Landschafts- und Genremalerei widmeten. Fritz Wucherer wurde dabei zu einem besonderen Liebling: Über 80 seiner Werke in Öl sind im Katalog verzeichnet. Auch Anton Burgers „Eingang zum Alten Markt in Frankfurt vom Römerberg aus“ aus dem Jahr 1871 hängt in der Bibliothek der Giersch-Villa – an genau jener Stelle stand Karin Giersch als Vierjährige. Das Foto davon hat sie bis heute.
Carlo Giersch kaufte ausschließlich, was ihm und seiner Frau persönlich gefiel. Ludwig Knaus‘ Gemälde „Roses and Thorns – Dornen und Rosen“ aus dem Jahr 1875 ist ein perfektes Beispiel: Karin Giersch verliebte sich in die Rosen auf dem Bild – und schon hatte ihr Mann es gekauft. Streit darüber, was in die Sammlung kommen sollte, gab es nie. Kunsthistoriker Manfred Großkinsky, der erste Museumsdirektor, berät das Ehepaar bis heute: Wenn er einem Bild die museale Qualität abspricht, lassen die Gierschs die Finger davon.
Die Giersch-Villa am Schaumainkai in Sachsenhausen ist ein echtes Kunsthaus: Im Wohnzimmer hängen Landschaftsbilder, Genreszenen und Stillleben bis unter die hohe Decke, auch im Treppenhaus, im Frühstücksraum und in der Bibliothek. Dazu eine ganze „Farm“ an Tierskulpturen, viele davon vom Bildhauer August Gaul. Einige dieser Tiere sind derzeit im Liebieghaus in der Ausstellung „Tiere sind auch nur Menschen“ zu Gast – ohne die Leihgaben der Gierschs wäre diese Schau kaum möglich.
Carlo Giersch ist heute 89 Jahre alt, seine Frau 87. Da die beiden keine Kinder haben, entschieden sie früh, ihr Vermögen in die Stiftung Giersch einzubringen. Diese hat Frankfurt schon viel gegeben: den Bau des Portikus neben der Alten Brücke, die Errichtung des Frankfurt Institute for Advanced Studies auf dem Campus Riedberg und derzeit die Schenkung von zwei Glocken für den Rathausturm „Langer Franz“.
Das Museum Giersch eröffnete im Jahr 2000 – aus dem Scherz „Eigentlich könnten wir ja ein Museum aufmachen“ war Ernst geworden. Seit 2014 gehört es für 30 Jahre der Goethe-Universität und heißt seitdem Museum Giersch der Goethe-Universität. Die Stiftung Giersch übernimmt dabei die Betriebskosten von mehr als einer halben Million Euro im Jahr. Ein echtes Geschenk an unsere Stadt – und ein Beweis dafür, dass Frankfurt und seine Kunst in den allerbesten Händen sind!






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