
Frankfurterin Miriam Carbe ist mit ihrem Debütroman „Unerwünschte Töchter
Frankfurt hat eine neue literarische Stimme – und die macht gleich von sich reden! Die Frankfurterin Miriam Carbe hat es mit ihrem ersten Roman „Unerwünschte Töchter“ auf die Longlist des Deutschen Buchpreises geschafft. Für ein Debüt ist das eine echte Ansage. Fünf Jahre hat die 58-Jährige an dem Buch gearbeitet – immer mal ein paar Stunden nach dem Job, wie sie im Gespräch mit der hessenschau erzählt. Das Ergebnis: ein knapp 600 Seiten starker Epochenroman, der sich über das gesamte zwanzigste Jahrhundert erstreckt.
Der Grundstein für das Buch lag buchstäblich im Erbe: Miriam Carbe hat Tagebuch-Aufzeichnungen ihrer Mutter und Großmutter geerbt. „Es kam mir tatsächlich ein bisschen wie ein Auftrag vor, sie nicht einfach in den Keller zu räumen, sondern darüber zu schreiben“, sagt sie. Entstanden ist daraus eine Geschichte, die vier Generationen von Frauen in den Mittelpunkt stellt: Urgroßmutter Margarethe, Großmutter Marianne, Mutter Monika – und Miriam Carbe selbst. Der Roman endet mit ihrer eigenen Geburt im Jahr 1967.
Die Familie kommt ursprünglich aus Dresdens Bildungsbürgertum, verarmt aber im Zuge der beiden Weltkriege und zieht mehrfach um. Immer wieder müssen die Frauen Orte und geliebte Menschen hinter sich lassen. Männer? Gefallen im Krieg oder einfach gegangen. Die Frauen tragen die Geschichte – und das Buch trägt das sichtbar nach außen.
„Unerwünschte Töchter“ erzählt auch vom Nationalsozialismus – nicht laut und moralisierend, sondern fast beiläufig und gerade deshalb so eindringlich. Großmutter Marianne ist mit einem Staatsanwalt verheiratet, der in der NS-Zeit Todesurteile für Deserteure unterschreibt – ohne innere Überzeugung, aber eben doch. Carbe zeigt, wie Menschen zu „kleinen Rädchen in einem gewaltigen Getriebe“ werden.
Und dann ist da noch Miriam Carbe selbst – die titelgebende, unerwünschte Tochter. Ihre Mutter hatte in den Sechzigern in Marburg einen nigerianischen Austauschstudenten kennengelernt. Ein schwarzes, uneheliches Kind – das war damals ein echter Skandal. Mit ihrem Roman rollt Carbe die Vorgeschichte dieses Skandals auf und schlägt dabei eine Brücke zum Heute: „Wir benennen heute Sachen klar als rassistisch, was man in der Zeit, die ich beschreibe, gar nicht gemacht hat.“ Gleichzeitig beobachtet sie einen „totalen Backlash“ – und findet das erschreckend.
Auch die Frage nach der Rolle von Frauen zieht sich durch das Buch. Carbe, die hauptberuflich als Redakteurin bei arte arbeitet, bringt es auf den Punkt: „In meiner Generation sind wir mit der Illusion totaler Gleichberechtigung aufgewachsen und haben dann im Berufsleben, in der Familienorganisation irgendwann gemerkt, dass das leider doch nicht stimmt.“ Ihre Vorfahrinnen hätten ein erfüllteres Leben führen können – wenn die gesellschaftlichen Erwartungen an Frauen sie nicht so sehr eingeengt hätten.
„Unerwünschte Töchter“ ist erschienen im Hanser Verlag, 576 Seiten, für 26 Euro. Wer Miriam Carbe live erleben will: Am 3. September liest sie in Vellmar. Für alle, die noch mehr Frankfurt-Gefühl wollen – bleibt dran bei Radio Frankfurt, dem Sound der Weltstadt. Hier verpasst ihr nichts, was in unserer Stadt und der Region bewegt!






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