
Das Frankfurter Childhood-Haus beeindruckt Bundesministerin Karin Prien: 1166 Kinder wurden zuletzt betreut. Warum das Konzept Schule machen soll.
Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) hat das Childhood-Haus der Frankfurter Universitätsklinik besucht – und ist beeindruckt. Ihr klares Fazit: Das Konzept dieses spezialisierten Therapiezentrums für Kinder, die Gewalt erfahren haben, ist der richtige Weg. „Für mich ist es wichtig, das entstandene Know-how, was oft noch in den Anfängen ist, gut miteinander zu vernetzen“, erklärte Prien. Ihr Besuch sei bewusst gewählt: zuhören, verstehen, Impulse geben.
Prien machte deutlich, dass Gewalt und Missbrauch an Kindern kein neues Phänomen sind – wohl aber das gesellschaftliche Bewusstsein dafür. „Aber wir haben in Deutschland erst seit rund 15 Jahren eine wirkliche Wahrnehmung für dieses Thema“, sagte sie. „Wir haben uns als Gesellschaft aufgemacht und gesagt, wir dürfen das nicht mehr hinnehmen.“ Starke Worte – und ein klarer Auftrag.
Das Childhood-Haus des Frankfurter Universitätsklinikums gibt es seit 2023. Es ist eine Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, die körperliche oder sexuelle Gewalt erfahren oder miterlebt haben. Einrichtungsleiter Matthias Kieslich erklärt das Konzept anhand von drei zentralen Säulen:
Besonders hervorzuheben: Ein speziell ausgestatteter Raum mit Videoanlage ermöglicht es, Zeugenaussagen aufzunehmen und bei Bedarf sogar live ins Gericht zu übertragen. Projektkoordinatorin Kristina Odak bringt es auf den Punkt: „Strafverfahren sind für Erwachsene konzipiert. Kinder haben dort häufig keine Möglichkeit, Gehör zu erfahren.“ Genau das soll das Childhood-Haus ändern.
Die Zahlen sprechen für sich: Im vergangenen Jahr wurden 1166 Kinder und Jugendliche im Childhood-Haus vorstellig – ein deutlicher Anstieg. Das zeigt: Das Angebot wird angenommen, der Bedarf ist real und groß.
Auch die hessische Familien- und Gesundheitsministerin Diana Stolz (CDU) war beim Besuch dabei und bezeichnete das Frankfurter Projekt als Vorzeigeprojekt. Als frühere Jugendamtsdezernentin im Landkreis Bergstraße weiß sie aus eigener Erfahrung, was Kindern widerfahren kann. Ihre Konsequenz: Die hessische Landesregierung plant, in Kassel ein zweites Haus nach demselben Konzept zu eröffnen. „Man muss die Kinder in den Mittelpunkt stellen“, sagte Stolz. Dazu brauche es ressortübergreifende, vernetzte Arbeit – nicht nur in solchen Einrichtungen, sondern in der gesamten Gesellschaft.
Einrichtungsleiter Kieslich erinnert sich daran, dass er in den Achtziger- und Neunzigerjahren noch erlebt hat, wie Kinder mehrmals mit Verbrennungen oder schwersten Verletzungen wiederkamen. Das erlebe er heute nicht mehr. Sein Fazit ist ermutigend: „Das System, bei dem man vor 30 oder 40 Jahren gedacht hat, das wird nie funktionieren, funktioniert. Wir sehen, das Konzept wird angenommen. Das macht Mut.“
Ministerin Prien sieht Bund und Länder in gemeinsamer Verantwortung: Es brauche mehr interdisziplinären Kinderschutz in Deutschland, die Forschung müsse vorangetrieben und Modellprojekte müssten ausprobiert werden. Das Frankfurter Childhood-Haus zeigt, wie das gelingt – und es setzt damit ein wichtiges Signal weit über die Mainmetropole hinaus.






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