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Frankfurt trauert: Ehemaliger Kulturdezernent Felix Semmelroth gestorben

Frankfurt trauert: Ehemaliger Kulturdezernent Felix Semmelroth ist im Alter von 76 Jahren gestorben. Sein kulturelles Erbe prägt die Stadt bis heute.

Redaktion
·
10. August 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 7 Minuten

Ein großer Verlust für Frankfurt

Traurige Nachrichten aus unserer Stadt: Felix Semmelroth, ehemaliger Kulturdezernent von Frankfurt am Main, ist im Alter von 76 Jahren gestorben. Die Stadt Frankfurt gab seinen Tod am Montag offiziell bekannt. Semmelroth hat die Kulturlandschaft unserer Stadt über viele Jahre hinweg geprägt – und sein Erbe ist bis heute spürbar.

Zehn Jahre für Frankfurts Kultur

Von 2006 bis 2016 war Felix Semmelroth Kulturdezernent der Stadt Frankfurt. Zehn Jahre, in denen er das bekannte Motto „Kultur für alle“ weitertrug und die Frankfurter Kulturszene aktiv mitgestaltete. Sein Abgang aus dem Amt war alles andere als ein sanfter: Nach dem Ende der schwarz-grünen Koalition im Frankfurter Römer 2016 gab die CDU das Kulturdezernat an die SPD ab, und Semmelroth trat vorzeitig zurück – „durchaus im Zorn“, wie er selbst in Interviews sagte. Er ärgerte sich, dass seine Partei die beiden gestaltungsmächtigsten Dezernate Kultur und Planung ohne Kampf aufgegeben hatte.

Was er für Frankfurt auf den Weg gebracht hat

Semmelroth wollte gestalten – und das tat er. In seiner Amtszeit fielen wichtige Meilensteine für das Museumsufer: die Erweiterung des Jüdischen Museums, der Neubau des Historischen Museums und die Förderung des Romantikmuseums. Er kämpfte außerdem für Räumlichkeiten für die Frankfurter Volksbühne von Michael Quast. Nicht immer setzte er sich durch – etwa mit dem geplanten Neubau des Weltkulturenmuseums scheiterte er an knappen Kassen. Aber sein Gestaltungswille war unverkennbar.

Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) würdigte Semmelroth in einer Mitteilung: „Besonders wichtig war ihm dabei, dass Frankfurt kulturell nicht nur baut, sondern auch Programm und Persönlichkeit entwickelt: mit Künstlerinnen und Künstlern, Intendanten und Museumsdirektoren, die unsere Stadt geprägt haben“, so Josef mit Blick auf Schauspiel und Oper.

Sein Weg nach Frankfurt

Semmelroth wurde am 30. August 1949 in Kassel geboren. Nach Frankfurt kam er 1989, als ihn der damalige Kulturdezernent Hilmar Hoffmann als Referent für Literatur und Grundsatzangelegenheiten ins Kulturdezernat holte. Zuvor hatte Semmelroth Anglistik, Literaturwissenschaft und Politikwissenschaft studiert, bei Radio Bremen gearbeitet und an der Technischen Hochschule Darmstadt geforscht – wo er seit 1998 Honorarprofessor für englische Literaturwissenschaft war.

1996 wechselte er ins Büro der damaligen Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU), zunächst als Referent, später als Leiter ihres Büros. 2006 wurde er schließlich zum Kulturdezernenten gewählt – nachdem er von der SPD in die CDU gewechselt war.

Engagement weit über das Amt hinaus

Bis zu einer schweren Erkrankung blieb Semmelroth aktiv und wirkte bis 2019 unter anderem als Antisemitismusbeauftragter der Landesregierung. Für ihn war Kultur, wie es im Nachruf der Stadt Frankfurt heißt, „kein bloßes Instrument für andere Zwecke“ – er glaubte an die Freiheit der Künste und die besondere Rolle kultureller Institutionen für eine Stadt wie Frankfurt.

Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD), seine Nachfolgerin, erinnerte an seine Beharrlichkeit und Diskussionsfreude. Als Beispiel nannte sie die Verleihung des Theodor-W.-Adorno-Preises an die US-Philosophin Judith Butler und Semmelroths Entscheidung, trotz heftiger öffentlicher Kontroversen 2024 an der Ehrung festzuhalten. Damit habe er sein Verständnis von Frankfurt als Ort der freien Debatte und des offenen kulturellen Austauschs unterstrichen. Sein Engagement für Erinnerungskultur und gegen Antisemitismus, so Hartwig, habe eine Haltung fortgeführt, die ihn schon als Kulturpolitiker geprägt hatte.

Frankfurt verliert einen seiner Gestalter

Felix Semmelroth hat Frankfurt nicht einfach verwaltet – er hat diese Stadt kulturell mitgeformt. Wer das Museumsufer liebt, wer die Vielfalt unserer Kulturinstitutionen schätzt, der spürt noch heute, was er hinterlassen hat. Frankfurt trauert um einen Mann, der wusste: Bildung, Kultur und eine offene Gesellschaft sind nicht selbstverständlich. Sie müssen immer wieder verteidigt und gestaltet werden.

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