
Elye Wahi floppte bei Eintracht Frankfurt ohne ein einziges Bundesligator – in Nizza wird er als Volksheld gefeiert. Wie erklärt sich dieser krasse Unterschied?
Frankfurt kennt ihn als den Stürmer, der einfach nicht traf. Nizza feiert ihn wie einen Messias. Die Rede ist von Elye Wahi – und seine Geschichte ist eine der kuriosesten der jüngeren Eintracht-Geschichte. Am Montagabend vermeldete Eintracht Frankfurt offiziell, dass der 23-jährige Ivorer erneut zu OGC Nizza verliehen wird. Was danach passierte, sorgte in Frankfurt für ungläubiges Staunen.
Als sich am Flughafen Nizza Côte d’Azur die Schiebetür öffnete, stürmten dutzende Fans auf Wahi ein, sprangen ihm um den Hals und feierten ihn mit Gesängen. Nizza selbst schoss auf seinen Klub-Kanälen gleich neun vorproduzierte Posts ab – „Guess who’s back!“ hallte es aus allen Ecken. Und in Frankfurt? Da hätte der gleiche Empfang am Abflug-Terminal für einige Schmunzler gesorgt – genau das frotzelten Fans prompt auf Social Media.
Denn Wahis Bilanz bei der Eintracht ist ernüchternd: In 18 Bundesliga-Einsätzen unter zwei verschiedenen Trainern gelang ihm kein einziges Tor. Kein Durchbruch, keine Entwicklung – das erhoffte nächste große Talent blieb aus.
Dabei hatte Sportvorstand Markus Krösche Wahi einst als „temporeichen Stürmer mit einer guten Boxbesetzung und einem ausgeprägten Torinstinkt“ vorgestellt. Der Stürmer hatte mit 20 Jahren in der ersten französischen Liga bereits eine Saison mit 19 Toren hingelegt. Die Hoffnung: Er sollte in Frankfurt eine Entwicklung wie Omar Marmoush oder Hugo Ekitike nehmen. Daraus wurde nichts.
Doch kaum zurück in Südfrankreich, blühte Wahi förmlich auf. Gleich sein erster Einsatz für Nizza brachte ein Traumtor. In der abgelaufenen Saison erzielte er in Liga und Pokal insgesamt neun Treffer in 19 Einsätzen. In der Relegation trug er mit zwei Treffern beim entscheidenden 4:1-Sieg gegen St. Etienne wesentlich zum Klassenerhalt bei. Seitdem: Volksheld.
Die Eintracht schlug Wahi einst für 26 Millionen Euro los – damals eine stolze Summe, überwiesen an Olympique Marseille. Nun hoffen die Hessen, dass Nizza im kommenden Sommer die Kaufoption von angeblich 15 Millionen Euro zieht. Das wäre nach dem teuren Missverständnis zumindest Schadensbegrenzung.
Doch auch das ist nicht selbstverständlich: Dem Vernehmen nach soll Wahi Angebote von Hull City und AS Rom ausgeschlagen haben, um ausgerechnet zu Nizza zurückzukehren. Sein Wunschklub. Anders als die Konkurrenz aus England und Italien hätte Nizza wohl nicht das Geld für eine Ablöse gehabt – weshalb die Leihe nun die einzige Möglichkeit war, beide Seiten glücklich zu machen.
Warum hat es in Frankfurt nie geklappt? Womöglich brauchte Wahi das vertraute Umfeld in seinem Heimatland, um Blockaden zu lösen. Vielleicht konnte ihm die Eintracht diese Wohlfühl-Atmosphäre nie geben. Denkbar auch, dass er an sich selbst gescheitert ist. Wahrscheinlich war es eine Mischung aus allem. Das Ergebnis ist jedenfalls eine der seltenen Trennungen im Fußball, bei der beide Seiten gleichzeitig jubeln – und beide damit recht haben.
Frankfurt bleibt jedenfalls eine Stadt, die manchmal einfach nicht der richtige Ort für alle ist – ob Fußballstar oder K-Pop-Fan. Apropos: Wer wissen möchte, wie Frankfurt zur Anlaufstelle für eine ganz andere Fan-Community wurde, sollte einen Blick in unseren früheren Beitrag über den ersten K-Pop-Laden Deutschlands in Frankfurt-Schwanheim werfen – auch dort zeigt sich: Frankfurt zieht an, wen es will, und manchmal passiert Magie einfach woanders.






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