
Boy George stürmte bei der 80er-Live-Party im Frankfurter Waldstadion wütend von der Bühne – was an dem Abend mit 28.
Was für eine Nacht im Frankfurter Waldstadion! 28.000 Menschen in knalligen Hawaiihemden, Glitzer-Outfits und pinken Schweißbändern feierten bei der 80er-Live-Party den Sound ihrer Jugend – sechs Stunden lang, mit acht Acts auf der Bühne. Der Abend hatte alles: großartige Musik, Gänsehautmomente und leider auch einen handfesten Eklat. Boy George sorgte kurz vor Schluss für den einzigen echten Misston des Abends.
Das Konzept der Party ist simpel und genial zugleich: Wie bei einem Mini-Festival spielte jeder Künstler vier Titel, etwa 20 bis 30 Minuten – dazwischen legte der DJ auf. Los ging’s um 17 Uhr mit F.R. David, der mit „Words“ den Opener machte. Danach folgten die deutschen Synthiepop-Pioniere Camouflage mit „The Great Commandment“. Als einzige Frau im Lineup zeigte Kim Wilde mit 65 Jahren, dass „Kids in America“ nach wie vor zündet.
Martin Fry von ABC ließ auf dem riesigen Bildschirm über der Bühne Musikvideos aus den 80ern laufen – ein nostalgisches Erlebnis, das kaum davon ablenken konnte, wie viel Bühnenpräsenz der 68-Jährige noch immer hat. Tony Hadley von Spandau Ballet brachte mit „Gold“ tausendfache Handylampen zum Leuchten, und die Münsteraner von Alphaville sorgten mit „Forever Young“ für den wohl innigsten Mitsing-Moment des gesamten Abends.
Das Publikum war von Anfang an in Feierlaune. Viele kamen mit dem Wunsch, einfach abzuschalten und in die Leichtigkeit der 80er zurückzutauchen. Zwei Altenpflegerinnen aus Nordhessen erzählten, sie wünschten sich angesichts der aktuellen Weltlage diese Zeit wenigstens für einen Abend zurück. Und ehrlich gesagt: Wer kann das nicht verstehen?
Moderiert wurde der Abend von Peter Illmann, dem Moderator der 80er-Kultsendung Formel eins – der wirkte allerdings zeitweise ein bisschen unterbeschäftigt. Der lauteste Jubel brandete auf, als Pärchen aus dem Publikum für die „Kiss Cam“ animiert wurden und sich auf der riesigen Leinwand wiederfanden. Frankfurt eben – herzlich und spontan!
Viele der 28.000 Fans waren wegen ihm gekommen: Boy George, früherer Sänger von Culture Club, im extravaganten Glitzer-Outfit. Der Empfang war begeistert. Doch nach nur zwei Titeln brach der 65-Jährige seinen Auftritt ab. Offenbar hatte er Probleme mit dem Knopf im Ohr und konnte seine Musiker nicht richtig hören. Ungeduldig riss er das Mikro ab, versuchte kurz, unplugged ohne Musikbegleitung weiterzumachen – und stürmte dann ohne weitere Erklärung von der Bühne.
Ein gellendes Pfeifkonzert begleitete seinen Abgang. Boy George war in den Tagen zuvor heftig angegriffen worden, weil er sich im Nahost-Konflikt mit einem Lied zur Erinnerung an den Angriff auf das Nova-Musikfestival auf die Seite Israels gestellt hatte. Zur Begrüßung hatte er dem Publikum gesagt, er freue sich auf seinen ersten Auftritt, seit er „gecancelt“ worden sei. Dass er so dünnhäutig auf eine technische Panne reagierte, mag auch damit zusammenhängen. Einige Zuschauer verließen das Konzert nach dem Abbruch empört.
Zum Glück hatte der Abend noch ein letztes Ass im Ärmel: Holly Johnson übernahm den Schlussauftritt und riss die Stimmung wieder komplett herum. Zu den bombastischen Klängen von Frankie Goes to Hollywood bebte das ganze Stadion – und die Pyrotechnik, die an dem Abend bei jedem letzten Titel etwas vorhersehbar eingesetzt wurde, passte hier wirklich perfekt. Ein furioses Finale!
Nach genau sechs Stunden strömten die Massen in die laue Sommernacht. Ob Boy Georges Abgang nun ein handfester Skandal oder doch nur ein kleines Ärgernis an einem sonst fantastischen Abend war – das war wohl das meistdiskutierte Thema auf dem Nachhauseweg. Für Frankfurt bleibt es in jedem Fall eine Nacht, über die noch lange geredet wird.






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