
Frankfurt hat seinen ersten jüdischen Eintracht-Fanclub: Der EFC Juddebube wurde von knapp 50 Menschen gegründet und setzt ein starkes Zeichen gegen…
Frankfurt, wir haben Grund zu jubeln! Die Eintracht hat seit Kurzem ihren ersten offiziellen jüdischen Fanclub – und der Name ist Programm: EFC Juddebube. Knapp 50 Menschen haben den Club gegründet, darunter kein Geringerer als Eintracht-Ehrenpräsident Peter Fischer. Ein Zeichen, das weit über den Fußballplatz hinausgeht!
Der Name „Juddebube“ ist dabei kein Zufall. Er greift eine über 100 Jahre alte Tradition auf: In den 1920er Jahren wurden die Frankfurter Kicker von ihren Fans liebevoll Juddebube genannt, der Verein selbst als Juddeclub. Diese Geschichte hat Matthias Thoma, Direktor des Eintracht-Museums, im Buch „Wir waren die Juddebuben: Eintracht Frankfurt in der NS-Zeit“ festgehalten. Jetzt lebt dieser Name wieder auf – laut, stolz und selbstbewusst.
Jüdische Mitglieder, Förderer und Funktionäre haben Eintracht Frankfurt schon lange vor dem Zweiten Weltkrieg geprägt. Viele Fußballer des Vereins waren Angestellte der Hausschuhfabrik J. & C. A. Schneider – im Volksmund bis heute als „Schlappeschneider“ bekannt. Die enge Verbindung zwischen den „Schlappekickern“ im Unternehmen und im Verein wurde 1933 durch das Terrorregime der Nationalsozialisten zerstört. Jüdische Sportler wurden ausgeschlossen, 1938 wurde die Schuhfabrik „arisiert“.
An diese leidvolle Geschichte hat die Eintracht immer wieder erinnert – auch dank Ehrenmitglied Helmut „Sonny“ Sonneberg, der aus seinem eigenen Leben erzählte, einschließlich seiner Deportation ins Konzentrationslager Theresienstadt. Der EFC Juddebube will diese Erinnerungskultur weitertragen.
Gründer und Vorstand Majk Kupferberg macht klar, was der Fanclub will: „Wir wollen im Stadion stehen, singen, jubeln, fluchen. Als Jüdinnen und Juden, sichtbar, mit Trikots und Wimpeln, auf denen Juddebube steht.“ Die Botschaft dahinter ist eindeutig: Jüdisches Leben gehört in die Gegenwart – und ins Fußballstadion, nicht nur in Schulbücher und Gedenkfeiern.
Der Name sei mit Bedacht gewählt, erklärt Kupferberg. Er lasse aufhorchen, mache neugierig und bringe Menschen miteinander ins Gespräch. Und gemeint sind dabei ausdrücklich alle: „Bei den Juddebube spielen selbstverständlich alle mit: Frauen – Mädsche – und nicht-jüdische Menschen gehören genauso dazu.“
Peter Fischer, Eintracht-Ehrenpräsident und Gründungsmitglied, bringt es auf den Punkt: „Bei uns gibt es keinen Platz für Antisemitismus und Rassismus – das sage ich seit Jahren, laut und oft.“ Die Gründung eines jüdischen Fanclubs im Jahr 2026 sei ein Grund zu feiern und gleichzeitig eine klare Ansage: „Ich bin stolz, dabei zu sein.“
Auch Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour ist bereits Mitglied. Der in Teheran geborene und in Frankfurt groß gewordene Grünen-Politiker sagt: „Der Adler auf der Brust hat mir früh gezeigt: Ich gehöre dazu. Genau diese Kraft hat Fußball. Er verbindet Menschen. Die Juddebube tragen dieses Gefühl in die ganze Stadt.“
Der EFC Juddebube nimmt ab sofort Mitglieder auf. Geplant sind Stadionbesuche, Auswärtsfahrten, Begegnungen mit anderen Fanclubs, Schulen und jüdischen Gemeinden. Die erste Mitgliederversammlung findet im Eintracht-Museum statt – der Termin folgt bald. Ihr wollt dabei sein? Mitgliedsanträge gibt es unter efc-juddebube.de.
Der Sound der Weltstadt klingt vielfältig – und der EFC Juddebube ist ein starkes neues Kapitel für Frankfurt, für die Eintracht und für ein offenes, sichtbares Miteinander. Wir freuen uns drauf!



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