
Edeka darf 178 Tegut-Filialen übernehmen, muss aber neun hessische Standorte vier Jahre lang links liegen lassen.
Große Neuigkeiten aus dem Lebensmittelhandel, die auch bei uns im Main-Gebiet für Gesprächsstoff sorgen: Das Bundeskartellamt hat grünes Licht gegeben – Edeka darf 178 Filialen der Supermarktkette Tegut übernehmen! Klingt erstmal easy, ist es aber nicht ganz. Wie das Bundeskartellamt mitteilt, hängen an der Freigabe weitreichende Nebenbestimmungen. Sprich: Nicht alles läuft glatt durch.
Eigentlich wollte Edeka satte 202 der rund 300 Tegut-Märkte schlucken. Die Wettbewerbshüter aus Bonn hatten da aber ordentlich Bedenken. Sie befürchteten, dass Edekas Marktanteil in einigen Regionen viel zu hoch werden könnte – und das wäre schlecht für den Wettbewerb vor Ort. Deshalb musste Edeka nachverhandeln.
Das Ergebnis: Edeka verzichtet für satte vier Jahre auf den Erwerb von 24 der ursprünglich geplanten Tegut-Standorte. Neun davon liegen laut Bundeskartellamt in Hessen – und zwar in Alsfeld, Hünfeld, Kassel gleich dreifach, Kirchhain, Neuhof, Rainrod und Riedstadt. Das Erwerbsverbot gilt übrigens für die komplette Edeka-Gruppe samt Regionalgesellschaften und selbstständigen Einzelhändlern – auch Mietverträge sind tabu. Kartellamtspräsident Andreas Mundt erklärte dazu, dass ohne die Zusagen der Wettbewerb in 34 regionalen Märkten erheblich gelitten hätte.
Was mit den neun hessischen Filialen jetzt passiert, ist offen. Die Nebenbestimmungen legen nämlich nicht fest, wer sie künftig betreiben darf – nur, dass Edeka erstmal die Finger davon lassen muss.
Zum großen Übernahmepaket gehören neben den 178 Märkten auch das Tegut-Logistikzentrum in Hünfeld-Michelsrombach, die Bäckerei Herzberger sowie die 41 personallosen Teo-Minimärkte. Wie die Deutsche Presse-Agentur über den Landtag Baden-Württemberg berichtet, begrüßte der Edeka-Verbund die Entscheidung und sprach von einer guten Nachricht für die rund 3.700 betroffenen Beschäftigten. Die übernommenen Filialen sollen nach und nach in den genossenschaftlichen Edeka-Verbund integriert werden, ein Teil davon soll künftig unter Netto Marken-Discount laufen.
Hintergrund des ganzen Deals: Die Schweizer Genossenschaft Migros Zürich hatte im März angekündigt, sich von Tegut trennen zu wollen. Tegut wurde 1947 in Fulda gegründet und gehört seit 2013 zu Migros. Die meisten Märkte der Kette liegen in Hessen, insgesamt beschäftigt Tegut knapp 7.500 Menschen. Die Marke Tegut soll übrigens komplett aufgegeben werden.
Spannend bleibt’s trotzdem: Auch Rewe will bis zu 40 Tegut-Filialen übernehmen, eine Entscheidung des Kartellamts steht hier noch aus – die Prüffrist läuft bis Ende Oktober. Die Smart-Store-Kette Tante Enso hatte bereits im Juni die Freigabe für 36 kleinere Standorte bekommen. Was mit den übrigen Filialen passiert, für die noch kein Käufer feststeht, ist laut Migros Teil eines separaten Bieterverfahrens.
Solche großen Strukturentscheidungen betreffen ja nicht nur den Handel – auch bei der Infrastruktur in der Region tut sich einiges. Wer sich erinnert: Wir haben in einem früheren Beitrag schon über die neue Werkstatt der Hessischen Landesbahn in Butzbach berichtet, die jetzt auch Elektrofahrzeuge warten kann. Ob Supermarkt oder Schiene – im Rhein-Main-Gebiet bewegt sich gerade richtig viel!
Für uns in Hessen heißt das konkret: Neun Tegut-Filialen bleiben vorerst außen vor, Edeka darf sie vier Jahre lang nicht anfassen. Was daraus wird, bleibt spannend. Wir halten euch auf dem Laufenden – wie immer, Radio Frankfurt, der Sound der Weltstadt. Jetzt reinhören!






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