
Das Mehrgenerationenhaus im Frankfurter Gallusviertel steht vor dem Aus – der Mietvertrag läuft Ende des Jahres aus. Über 3.
Stell dir vor, du gehst donnerstags zum Fischtag, sitzt mit deinen Nachbarinnen zusammen – und erfährst plötzlich, dass dieser Treffpunkt zum Jahresende schließen könnte. Genau das passiert gerade im Gallusviertel. Das Mehrgenerationenhaus an der Idsteiner Straße steht vor dem Aus, weil der Mietvertrag zum Jahresende ausläuft und sich Vermieter und Mieter bislang nicht einigen konnten. „Das wäre eine Katastrophe“ – so lautet die spontane Reaktion einer der Stammgäste. Und die bringt es auf den Punkt.
Das Mehrgenerationenhaus im Gallus ist weit mehr als ein Gebäude. Auf knapp 5.000 Quadratmetern Fläche herrscht ein ständiges Kommen und Gehen: 140 Kinder werden in Krippe, Kindergarten und Hort betreut. Die Kita hat einen musikalischen Schwerpunkt und bietet eine bilinguale Gruppe an, in der Deutsch und Arabisch gesprochen werden. Schüler aus Deutsch-Intensivklassen kommen zum Mittagessen und zur Hausaufgabenhilfe, Eltern erhalten Unterstützung durch Sozialpädagogen, und Erwachsene können Sport-, Deutsch- und Kochkurse besuchen.
Getragen wird das alles von 133 Mitarbeitern und fast 80 Ehrenamtlichen. Auch der nahegelegene Gallus Garten gehört dazu – dort kümmern sich Anwohnerinnen und Kita-Kinder gemeinsam um ihre Beete. Der Trägerverein „Kinder im Zentrum Gallus“ existiert bereits seit 1975, gegründet von migrantischen Eltern, die damals vergeblich nach einer mehrsprachigen Kita suchten. Seit 2007 wird das Konzept des Mehrgenerationenhauses mit Bundesmitteln umgesetzt.
Das Gebäude selbst ist ein grauer Klotz aus den 1950er-Jahren – einst eine Produktionsstätte der Braun AG, wo Radiogeräte und Rundfunktechnik gefertigt wurden. Heute ist es sanierungsbedürftig und energetisch längst nicht mehr auf dem aktuellen Stand. Vor sieben Jahren übernahm der Immobilienentwickler Instone Real Estate das Gebäude. Seitdem zahlt die Stadt Frankfurt monatlich 41.000 Euro Miete an Instone. Der Mietvertrag wurde in den vergangenen sechs Jahren mehrfach verlängert – doch diesmal stockt es.
Zur Debatte stehen ein Gebäudetausch, ein Mietvertrag unter veränderten Bedingungen oder ein Verkauf des Hauses. Die Vorstellungen über den Preis liegen dabei weit auseinander. Sowohl Instone als auch der Magistrat betonen, dass man eine Lösung anstrebe und sich in intensiven Verhandlungen befinde – über die Vertraulichkeit vereinbart wurde. Der Magistrat hat in einer Antwort auf eine Anfrage der Linken im Römer klargestellt: Das Mehrgenerationenhaus solle möglichst am Standort erhalten bleiben.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hauses blicken sorgenvoll auf die wenigen Monate, die noch bleiben. Sie fürchten, dass die vielen Angebote auf mehrere kleinere Standorte verteilt werden müssten – Standorte, die erst einmal gefunden werden müssten. Das würde bedeuten: Das Ende eines einzigartigen Miteinanders, das Jung und Alt, Alteingesessene und Neuzugezogene, zusammenbringt.
Der Verein „Kinder im Zentrum Gallus“ hat deshalb eine Petition gestartet. Die Forderung: Die Stadt soll das Haus zu einem „gemeinwohlorientierten Preis“ vom Investor Instone kaufen. Über 3.000 Menschen haben bereits unterschrieben – und viele nutzen die Gelegenheit, um zu schildern, was ihnen dieser Ort bedeutet. Eine Unterzeichnerin schreibt: „Das Mehrgenerationenhaus bringt Menschen zusammen, die sich sonst nie begegnet wären. Solche offenen Begegnungsorte darf das Gallus nicht verlieren.“
Wir von Radio Frankfurt sagen: Dem ist nichts hinzuzufügen. Das Gallus braucht diesen Ort – und Frankfurt braucht das Gallus. Haltet die Augen offen, bleibt dran und unterstützt die Petition, wenn euch dieser Treffpunkt am Herzen liegt!






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