Im Museum Angewandte Kunst Frankfurt dreht sich alles um Demokratie-Design: Butteradler, Bakterien-Orden und Wahlurnen aus Mülltonnen – bis 21. Februar 2027.
Frankfurt, wir fragen euch: Habt ihr schon mal genau hingeschaut, wenn ihr euren Wahlzettel abgebt? In vielen hessischen Kommunen landet der nämlich in einer ganz gewöhnlichen Mülltonne mit Schlitz im Deckel. Acht dieser Behälter sind gerade im Museum Angewandte Kunst Frankfurt zu sehen – und sie machen eines sehr deutlich: Bei den Symbolen unserer Demokratie ist Luft nach oben!
Die Ausstellung „Adler, Orden, Wahlurne – Redesigning Democratic Representation“ stellt genau diese Fragen – und liefert überraschende, kreative Antworten. Bis zum 21. Februar 2027 könnt ihr in Frankfurt erleben, wie Designer und Designerinnen demokratische Alltagssymbole unter die Lupe nehmen und neu denken.
Kuratiert hat die Ausstellung Friedrich von Borries, Professor für Designtheorie an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Er bringt es auf den Punkt: „Wenn man darüber nachdenkt, dass viele Menschen finden, dass ihre Stimme nicht gehört wird, und dann gehen sie zur Wahl und schmeißen die in einen Mülleimer, ist das vielleicht eine problematische Geste.“ Genau solche unbequemen Fragen stellt die Ausstellung – und lädt uns alle ein, mitzudenken.
Auch das Bundesverdienstkreuz steht zur Debatte. Von Borries sieht darin eine überholte Form: militärisch geprägt, christlich konnotiert und kaum noch zeitgemäß. Kein Wunder also, dass gleich mehrere Designerinnen und Designer neue Orden-Konzepte entwickelt haben.
Eine der spannendsten Ideen kommt von Designerin Anna Rosinke: Sie dekoriert Ordenskreuze mit persönlichen Bakterienkulturen der zu ehrenden Person. Klingt erstmal ungewöhnlich – ist aber richtig schön! „Das Mikrobiom der Haut ist nicht genetisch vererbt, sondern es wird aufgebaut wie eine mikrobielle Biographie“, erklärt Rosinke. Wie ein Fingerabdruck steht es für die Einzigartigkeit jedes Menschen. Aus diesen Kulturen entstehen quietschbunte 3D-gedruckte Figuren, die den Orden zieren. Kreativ, persönlich, demokratisch!
Das absolute Highlight der Ausstellung? Ein Bundesadler aus Butter – gut gekühlt in einer gläsernen Vitrine. Der Kölner Künstler Rozbeh Asmani hat sich daran erinnert, dass der Adler früher als Gütesiegel auf Lebensmitteln zu finden war. „Das letzte Lebensmittel mit diesem Label ist tatsächlich die Deutsche Markenbutter“, sagt Asmani. Und so kam er auf die Idee. Sein Butteradler dreht das Bild vom mächtigen Wappentier komplett um: „Erst mal ist er lebendig, ein Lebewesen. Damit ist er auch verletzlich.“ Genau diese Verletzlichkeit, diese Menschlichkeit – die steckt vielleicht schon immer in unserer Demokratie.
Neben dem Butteradler gibt es in der Ausstellung noch weitere Neuinterpretationen: einen grob-pixeligen Adler, eine Figur aus gefalteten Händen im farbigen Wandteppich – viele Perspektiven, ein Ziel: nachdenken und mitgestalten.
Die Ausstellung zeigt aber nicht nur Objekte. An stilisierten Infoständen mit Sonnenschirm und Bierbank berichtet unter anderem der Frankfurter Bundestagsabgeordnete Armand Zorn (SPD) über seinen Alltag – über gelungene und weniger gelungene politische Kommunikation. Demokratie ist eben auch Arbeit, und manchmal ganz schön mühsam.
Und die Wahlurne? Die bleibt in der Ausstellung erst mal ohne konkreten Nachfolge-Entwurf. Stattdessen könnt ihr euch – auf Schulbänken in Wahlkabinen sitzend – alternative Ideen für den Wahlakt anhören: als Feiertag, als Happening, als echtes Fest der Demokratie. Das klingt doch nach einer guten Idee, oder Frankfurt?
Die Ausstellung „Adler, Orden, Wahlurne – Redesigning Democratic Representation“ läuft noch bis zum 21. Februar 2027 im Museum Angewandte Kunst Frankfurt. Geht hin, denkt mit – und gestaltet eure Demokratie! Das ist der Sound der Weltstadt.

„Die unsichtbare Stadt



„Die unsichtbare Stadt


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