
CSD Wetterau am 22. August in Friedberg: Oliver Becker und Sonja Romeis kämpfen für queere Sichtbarkeit und erklären, warum dieser Tag so wichtig ist.
Am Samstag, 22. August, ist es wieder so weit: Der CSD Wetterau findet zum zweiten Mal in Friedberg statt! Um 14 Uhr startet ein Demonstrationszug am Bahnhof – und wer dabei sein will, sollte sich das Datum schon mal fett im Kalender markieren. Bereits am Freitag, 21. August, gibt es einen Gottesdienst zum CSD. Zwei der Köpfe hinter dem Ganzen sind Oliver Becker und Sonja Romeis – beide Gründungsmitglieder, beide mit einer klaren Botschaft: Vielfalt muss endlich normal werden.
Oliver Becker erzählt offen aus seinem Leben: „Ich habe schon immer geliebt, wie und wen ich wollte, auch geschlechterübergreifend.“ Er musste sich nie groß rechtfertigen und blieb von persönlichen Angriffen weitgehend verschont. Und doch weiß er genau, dass sein Weg keine Selbstverständlichkeit ist. „Ich kenne viele Leute, bei denen es sehr schlimm war und die vor ihrem Coming-out absolute Panik hatten“, sagt er. Worte, die sitzen – und die zeigen, warum ein Event wie der CSD weit mehr ist als eine bunte Demo.
Sonja Romeis steht für eine jüngere Generation: Die 21-Jährige wuchs in einer Zeit auf, in der die gleichgeschlechtliche Ehe bereits Realität war. „Für mich war es vollkommen normal und absolut okay, dass ich auf Frauen stehe“, reflektiert sie. Trotzdem sind sich beide einig: Der Kampf ist noch lange nicht vorbei.
Besonders im ländlichen Raum treffen queere Menschen nach wie vor auf konservative Strukturen. Geschützte Räume, freie Treffpunkte, verlässliche Anlaufstellen – all das fehlt vielerorts. Die Sorge vor Übergriffen und Hassnachrichten im Netz wächst. Viele trauen sich aus Angst nicht mehr sicher nach Hause oder verschweigen ihre Identität im Alltag. Die Folgen sind dramatisch: Die Suizidrate unter nicht-binären und trans-Personen ist alarmierend hoch – ein Fakt, den Becker und Romeis nicht unausgesprochen lassen wollen.
Hinzu kommen gesellschaftliche Rückschritte, die beide beobachten: CSD-Veranstaltungen werden bedroht, schwulen Männern wird auf Dating-Plattformen gezielt aufgelauert, rechte Parteien gewinnen an Zuspruch. „Das sind Entwicklungen, die wirklich Angst machen“, betonen die beiden Organisatoren.
Becker erlebte seinen ersten CSD mit 26 Jahren in Frankfurt: „Ich war richtig geflasht, so viele Leute zu sehen, die so sind wie man selbst. Ich habe es unglaublich genossen, alle waren so glücklich und friedlich.“ Romeis besuchte ihren ersten CSD 2023 in Hanau – für sie war der Moment ebenfalls prägend, auch wenn sie damals schon in einem unterstützenden, queeren Freundeskreis verankert war.
Für beide ist der CSD in Friedberg ein echtes Herzensprojekt. Er zeige queeren Menschen, dass sie nicht allein sind, vernetze Gleichgesinnte und schaffe einen echten Schutzraum – ausdrücklich auch für nicht-queere Unterstützerinnen und Unterstützer. Gleichzeitig erinnere er daran, dass bisherige Rechte erkämpft wurden und dieser Einsatz weitergehen muss.
Becker und Romeis fordern klare Haltung von der Politik: kostenlose Räume, gezielte Aufklärung und Förderprogramme statt Sparpolitik an wichtigen sozialen Stellen. Besonders ärgert sie, wenn die Identität junger Menschen im Selbstfindungsprozess als kurzfristiger „Trend“ abgetan wird. „Man sucht sich das nicht aus“, betont Becker. „Leute müssen sich ausprobieren können, um ihre wahre Identität zu finden.“
Ihr Appell ist eindeutig: Mutig sein, keinen Druck machen lassen und verstehen, dass man sich nicht zwingend ein festes Label geben muss. „Am besten baut man sich ein unterstützendes Umfeld auf“, rät Romeis. Das große Ziel bleibt unerschütterlich – eine Gesellschaft, in der Vielfalt so normal ist, dass gar nicht mehr darüber diskutiert werden muss. Bis dahin gibt es den CSD. Und der Sound der Weltstadt unterstützt das!
CSD Wetterau, Samstag 22. August, Demonstrationszug ab 14 Uhr am Bahnhof Friedberg. Gottesdienst zum CSD: Freitag, 21. August.






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