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Brücken bauen: Anna Weisheim dolmetscht, sammelt Spenden – und engagiert sich für Hofheim

Anna Weisheim dolmetscht ehrenamtlich, sammelt Sachspenden für die Ukraine und leitet den Hofheimer Ausländerbeirat. Hier ist ihre beeindruckende Geschichte.

Redaktion
·
5. August 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 3 Wochen

Eine Frau, viele Rollen – und ein klares Ziel

„Ich möchte etwas zurückgeben.“ Mit diesen Worten bringt Anna Weisheim auf den Punkt, was sie antreibt. Die gebürtige Ukrainerin kam 2006 nach Deutschland – und hat seitdem nicht aufgehört, sich einzubringen. Heute ist sie die neue Vorsitzende des Hofheimer Ausländerbeirats, ehrenamtliche Laien-Dolmetscherin und Mitorganisatorin einer Sachspendensammlung für die Ukraine. Kurz gesagt: eine Frau, die anpackt.

Vom Sprachkurs zur Laien-Dolmetscherin

Aufgewachsen ist Weisheim in Sewastopol – der größten Stadt auf der Krym. „Mit ‚y‘ bitte“, betont sie lächelnd. Die ukrainische Schreibweise zu verwenden, gilt als Zeichen der Solidarität. In ihrer Heimatstadt hat sich Ukrainisch als Sprache nie wirklich durchgesetzt, weshalb ihr Russisch besser ist als ihr Ukrainisch – eine Kompetenz, die sie heute gezielt einsetzt.

Seit 2023 engagiert sich die 40-Jährige ehrenamtlich als Laien-Dolmetscherin beim „WIR-Vielfaltszentrum“ des Main-Taunus-Kreises. Dort übersetzt sie vorrangig aus dem Russischen ins Deutsche – und hilft so Menschen, die in ihrer neuen Heimat noch keine Stimme haben, gehört zu werden. Weisheim weiß, wie sich das anfühlt: Auch sie hat nach ihrer Ankunft erst Sprachkurse belegt und ein Jahr am Studienkolleg verbracht, bevor sie in Gießen Slawistik und Betriebswirtschaftslehre studierte. „Das war eine ständige Weiterentwicklung für mich“, sagt sie über diese Zeit.

Spenden für frontnahe Gebiete – das Netzwerk wächst

Nach Beginn des russischen Angriffskrieges weitete Weisheim ihr Engagement aus. Gemeinsam mit einer Freundin startete sie in Hofheim einen Spendenaufruf – und sammelt seitdem Sachspenden für die ukrainische Bevölkerung. Inzwischen ist daraus ein lebhaftes Netzwerk entstanden, das von Hofheim bis nach Frankfurt und Darmstadt reicht. Mit dabei ist unter anderem der Königsteiner Verein „Gemeinsam für die Ukraine“, der ein Lager in Kelkheim betreibt. „Wir fühlen uns als Team und sind sehr motiviert“, sagt Weisheim.

Aktuell werden besonders folgende Dinge gesucht:

  • Windeln für Erwachsene
  • Gut erhaltene Gehhilfen
  • Kerzenreste, Bienenwachs oder Paraffin zur Herstellung von Wärme- und Notkerzen
  • Funktionierende, aussortierte Laptops
  • Unbenutzte Hygieneartikel

Wer etwas abgeben möchte, kann sich direkt per E-Mail an Anna Weisheim wenden: weisheim.anna@gmail.com. Außerdem ist die Initiative am 15. August beim Hofheimer Sommernachtsmarkt vertreten – dort werden unter anderem Souvenirs aus der Ukraine gegen Spenden abgegeben. Die gesammelten Mittel fließen in die Unterstützung von Zivilpersonen in frontnahen Gebieten der Ukraine.

Ausländerbeirat Hofheim: Neue Dynamik, gemeinsames Ziel

Als neue Vorsitzende des Hofheimer Ausländerbeirats hat Weisheim klare Vorhaben. Ein wichtiges Projekt: eine digitale Übersicht aller kostenlosen Sprachlernangebote in Hofheim für Nicht-Muttersprachler. „Die Wartelisten bei der Volkshochschule sind lang“, sagt sie – und möchte neue Ehrenamtliche motivieren, sich als Sprachlehrer zu engagieren, um bestehende Angebote zu entlasten. Dazu steht sie aktuell im Austausch mit der Stadt.

Im Ausländerbeirat sitzen mit ihr drei weitere Ukrainerinnen: Maia Italliantseva, Yuliia Pecherytsia und Maryna Starchenko. Daraus entstehe eine neue Dynamik – wenngleich nicht unbedingt der Herkunft wegen, wie Weisheim betont. Das „Brückenbauen“ zwischen Kulturen und Sprachen soll das Motto des Gremiums bleiben – ein Motto, das Weisheim selbst jeden Tag lebt.

Hauptberuflich arbeitet die Marxheimerin als Referentin beim hessischen Verband Baugewerblicher Unternehmer, wo sie sich mit Themen wie Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz beschäftigt. Privat ist sie Mutter zweier Kinder und lebt seit rund zehn Jahren in Marxheim – und hat dort längst eine aktive ukrainische Community gefunden. „Ich habe Glück, hier zu leben“, sagt sie. Und gibt dieses Glück jeden Tag weiter.

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