
AVO Carbon in Kalbach steckt im Insolvenzverfahren: Rund 100 Jobs sind in Gefahr, der Ortsbeirat fordert den Magistrat zum Handeln auf.
Schwere Zeiten für die AVO Carbon Germany GmbH an der Talstraße in Frankfurt-Kalbach: Das Unternehmen befindet sich seit dem 1. Juli 2026 im Insolvenzverfahren. Laut Angaben von Main Riedberg sollte das Verfahren eigentlich bis zum 30. September 2026 abgeschlossen sein – eine zermürbende Hängepartie für rund 100 Beschäftigte, deren Arbeitsplätze auf der Kippe stehen.
Nach Angaben des Insolvenz-Radars wurde das Insolvenzverfahren beim Amtsgericht Frankfurt am Main unter dem Aktenzeichen 810 IN 1229/26 A-77 eröffnet. Zum Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Joachim Kühne von der Kanzlei CMS Hasche Sigle bestellt. Mit dem Verfahren wurde laut Insolvenz-Radar ein weiteres Verfahren verbunden, der Schuldnerin ist die Verfügung über ihr Vermögen für die Dauer des Verfahrens entzogen.
Schon seit Beginn des Jahres 2026 wird laut Main Riedberg über eine Betriebsänderung verhandelt – die Gespräche landeten schließlich vor der Einigungsstelle. Neben dem drohenden Verlust der Arbeitsplätze stehen auch erhebliche offene Forderungen der Belegschaft im Raum. Trotz der angespannten Lage halten die Beschäftigten die Produktion weiter aufrecht, um dem Betrieb Spielraum für eine mögliche Rettung zu sichern, wie Main Riedberg berichtet.
Michel Erhardt, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Frankfurt und Mitglied im Gläubigerausschuss, macht laut Main Riedberg deutlich, wie vertrackt die Lage ist: Bislang habe die AVO-Gruppe einen Großteil der Prozesse gesteuert – dieser Rückhalt falle nun weg. Insolvenzverwalter Joachim Kühne verhandle derzeit intensiv mit der Unternehmensgruppe, um eine Abwicklung und Liquidation des Standorts noch zu verhindern.
Für den Frankfurter Ortsteil Kalbach geht es um mehr als nur einen einzelnen Betrieb. Seit dem späten 19. Jahrhundert prägte die ursprüngliche Deutsche Carbone das wirtschaftliche Gesicht des Standorts, wie Main Riedberg schreibt. Das Areal gilt seit jeher als wichtiger Ankerpunkt für die lokale Wertschöpfung. Der Bebauungsplan Nr. 947 für das Gewerbegebiet Talstraße/Carbonestraße schafft dabei weiterhin stabile rechtliche Voraussetzungen für eine dauerhafte industrielle und gewerbliche Nutzung des Geländes.
Die Lokalpolitik schlägt Alarm: Der Ortsbeirat 12 fasste laut Main Riedberg am 24. September 2026 einen dringenden Beschluss an den Frankfurter Magistrat. Die Stadtpolitik soll sich – unter Einbindung der städtischen Wirtschaftsförderung – mit Nachdruck für den Erhalt des Betriebs einsetzen und alle Möglichkeiten zur Sicherung der Arbeitsplätze an der Talstraße ausschöpfen. Sollte eine Weiterführung scheitern, müsse die Stadt aktiv dafür sorgen, dass neue Industrie- und Gewerbebetriebe für das Kalbacher Areal gefunden werden.
Wie es mit AVO Carbon und den rund 100 Arbeitsplätzen in Kalbach weitergeht, bleibt vorerst offen. Klar ist: Für den Frankfurter Stadtteil steht ein Stück Industriegeschichte auf dem Spiel – und für die Beschäftigten eine ungewisse Zukunft.






Wir schätzen Ihren Beitrag! Wenn Sie Fragen haben, uns Feedback geben oder einfach nur Hallo sagen möchten, steht Ihnen unser Team gerne zur Verfügung. Bitte zögern Sie nicht, uns über das unten angegebenen Kontaktformular zu kontaktieren.
Dein Beitrag für Radio Frankfurt
Kommentar verfassen
Teilen Sie uns Ihr Anliegen mit. Wir prüfen Ihren Beitrag und veröffentlichen ihn nach Freigabe.