
Frankfurt-Höchst war schon vor 2000 Jahren römisch besiedelt. Zwei neue Bände erschließen erstmals die Ausgrabungsfunde und revidieren das bisherige Bild des…
Wusstet ihr, dass Frankfurt-Höchst der älteste römische Fundplatz auf dem heutigen Frankfurter Stadtgebiet ist? Schon vor mehr als 2000 Jahren war hier die Post ab – und zwar mit einer römischen Anlage, die weit mehr war als nur ein kleines Militärlager. Jetzt gibt es endlich eine umfassende wissenschaftliche Publikation, die all das aufarbeitet. Und die hat es in sich!
Das Archäologische Museum Frankfurt (AMF) und das Denkmalamt der Stadt haben gemeinsam ein Mammutprojekt abgeschlossen: Die zweibändige Publikation „Forschungen zum römischen Höchst“ ist erschienen – im Verlag Schnell & Steiner, als Teil der Schriftenreihe des AMF. Zum ersten Mal werden darin die Ergebnisse der archäologischen Ausgrabungen von 2001/2002 vollständig vorgelegt und das umfangreiche Fundmaterial ausgewertet. Mehr als zwei Jahrzehnte Forschungsarbeit stecken in diesen 616 Seiten.
Und das Spannende daran: Die Forschungen verändern unser Bild von Höchst komplett. Lange dachte man, es handele sich lediglich um ein kurzfristig genutztes Militärlager mit logistischen Aufgaben. Weit gefehlt! Die Ergebnisse belegen mehrere Nutzungsphasen und sprechen für einen militärisch-zivilen Charakter des Platzes – und das ausgerechnet in der Regierungszeit von Kaiser Augustus, also zwischen 27 vor Christus und 14 nach Christus.
Die Römer wussten genau, was sie taten, als sie sich Höchst aussuchten. Der Fundplatz lag auf einem hochwasserfreien Plateau oberhalb des Mains, direkt an der Mündung der Nidda – also an wichtigen Wasser- und Landwegen. Besser geht’s kaum! Und das Fundmaterial beweist: Höchst war vernetzt. Transportkeramik und Geschirr aus dem Mittelmeerraum und Gallien zeigen, dass hier Verbindungen in den Süden und Westen des Römischen Reiches bestanden.
Noch faszinierender: Römische und handgeformte, nicht-römische Keramik wurden gemeinsam gefunden. Das belegt den direkten Kontakt zwischen der römischen Besatzungsmacht und der einheimischen Bevölkerung. Frankfurt war schon damals eine Weltstadt in Wartestellung!
Was viele nicht wissen: Die Römer waren in Höchst aktiv, Jahrzehnte bevor das bekannte römische Nida zwischen Heddernheim und Praunheim gegründet wurde. Höchst kommt damit eine besondere Bedeutung im Zusammenhang mit der römischen Expansion rechts des Rheins zu – und mit den Plänen, östlich des Rheins eine römische Provinz Germanien einzurichten. Das macht den Fundplatz nicht nur für Frankfurt, sondern für die gesamte Forschung zur Zeit der Germanenkriege der Kaiser Augustus und Tiberius relevant.
An dem Langzeitprojekt waren zahlreiche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen beteiligt – darunter die Römisch-Germanische Kommission, hessenARCHÄOLOGIE und die Goethe-Universität Frankfurt. Ergänzt wurde das Ganze durch naturwissenschaftliche Analysen sowie eine weitere Grabung des Denkmalamts an der Bolongarostraße 102 aus dem Jahr 2014.
Kulturdezernentin Ina Hartwig bringt es auf den Punkt: Höchst ist ein herausragender Ort der Frankfurter Geschichte, und die Publikation zeigt, was durch gute und langfristige Zusammenarbeit zwischen Denkmalamt, Museum und Wissenschaft möglich ist.
Die beiden Bände sind ab sofort für 50 Euro erhältlich (ISBN: 978-3-7954-3440-3). Wer die Geschichte Frankfurts wirklich kennen will, kommt an diesem Werk nicht vorbei. Der Sound der Weltstadt hat eben eine richtig tiefe Geschichte – und die reicht bis ins alte Rom zurück!






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