Der Mousonturm feiert 100 Jahre mit einem spektakulären Hochseillauf und großem Straßenfest in Frankfurt. Alles zum Jubiläum des ersten Frankfurter Hochhauses.
Angehaltener Atem, bunte Rauchwolken und ein waghalsiger Spaziergang durch die Lüfte – der Mousonturm hat seinen 100. Geburtstag mit einem unvergesslichen Straßenfest gefeiert! Die Industriekletterer und Artisten Ruben Langer und Gregor Lawrenz sorgten für den spektakulären Höhepunkt des Abends: Auf einer Slackline, einem weichen, nachgiebigen Band, balancierten sie schwindelerregend hoch über der gesperrten Waldschmidtstraße – gespannt zwischen dem Mousonturm und der benachbarten Seniorenresidenz. Am Ende leuchtete der Himmel über dem Künstlerhaus in allen Regenbogenfarben. Frankfurt-Feeling pur!
Wer beim Namen „Mousonturm“ an Schaum und Seife denkt, liegt gar nicht so falsch. 1926 wurde das neungeschossige Gebäude an der Waldschmidtstraße als Teil des Produktionsgeländes des Unternehmens Mouson errichtet – für die Herstellung von Seifen, Parfums und Cremes. Damals war es Frankfurts erstes Hochhaus, auch wenn seine rund 33 Meter Höhe heute natürlich längst überholt sind. Als Slogan taugt der Superlativ aber immer noch!
1976 kaufte die Stadt Frankfurt den verwaisten Turm. Der damalige freie Künstler Dieter Buroch bespielte das Haus anschließend mit der Künstlergruppe Omnibus. Nach einem Umbau eröffnete der Mousonturm 1988 offiziell als Kunstort und Produktionshaus für Darstellende Kunst – und ist es bis heute geblieben. Beim Jubiläumsfest war sogar Gründungsintendant Dieter Buroch persönlich dabei, ebenso wie Karl Krause, der langjährige erste technische Direktor des Hauses.
Das Straßenfest selbst war genauso bunt und kreativ wie der Mousonturm selbst. Hunderte Seifenblasen strömten aus der Fassade auf die gesperrte Waldschmidtstraße – eine Hommage an die Seifenproduktion der Anfangsjahre. Wer wollte, ließ sich am Siebdruckstand eigene T-Shirts mit Slogans wie „nettestes Hochhaus“ oder „markantestes Hochhaus“ bedrucken. Die Station war eine der meistbesuchten des ganzen Fests.
Für eine weitere Attraktion sorgte das Hessische Literaturforum, das ebenfalls im Mousonturm ansässig ist. Unter dem Motto „KI“ – also künstlerische Intelligenz statt künstlicher – tippten Schriftstellerinnen und Dichter, darunter Saskia Hennig von Lange und Jan Wilm, an drei historischen Schreibmaschinen live Texte nach Wunsch der Besucher. Die Schlange wollte kaum abreißen! Die Einnahmen kamen dem benachbarten Kinderhospiz zugute.
Das Fest war aber nicht nur Rückblick, sondern auch Aufbruchssignal. Nach finanziell schwierigen Saisons verspricht die Jubiläumssaison des Mousonturms wieder mehr Vorstellungen und internationale Gäste. Die Fassadeninstallation des Hauses stammt von Tim Etchells, auch Anne Teresa de Keersmaeker ist als Gast angekündigt. Ende September soll außerdem ein Festival ältere und jüngere Generationen zusammenbringen – und eine Stadtteilküche, an der sich alle beteiligen können, ist ebenfalls geplant.
Das bunte Straßenfest endete am Sonntag mit einem Nachbarschaftsfrühstück und einem Rennen der am Vortag gemeinsam dekorierten Seifenkisten. Frankfurt und der Mousonturm – das passt einfach zusammen. Auf die nächsten 100 Jahre! Jetzt reinhören, was der Sound der Weltstadt noch so zu bieten hat.






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