300 Menschen demonstrierten auf dem Frankfurter Römerberg gegen Antisemitismus. Politikerinnen, Aktivisten und Bürger setzten gemeinsam ein starkes Zeichen…
Am Sonntagnachmittag verwandelte sich der Frankfurter Römerberg in einen Ort des klaren Bekenntnisses: Rund 300 Menschen kamen zur Kundgebung „Wir sagen nein zu jeder Form von Antisemitismus“ zusammen – und zeigten, dass Frankfurt nicht schweigt, wenn Grenzen überschritten werden.
Aufgerufen hatte die Initiative „Starke Stimme für Jüdisches Leben, für Israel und gegen Antisemitismus“. Hinter der Gruppe steht Sprecherin Simone Hofmann – und sie macht klar: Hier engagieren sich sowohl Jüdinnen als auch Nichtjüdinnen gemeinsam. Das ist Frankfurt, wie wir es kennen und lieben.
Der Auslöser für die Kundgebung war eine propalästinensische Demo vom 18. Juli am Opernplatz. Dort soll unter dem Motto „Palästina darf sich wehren, auch mit Steinen und Gewehren“ demonstriert worden sein – und es soll auch die Forderung „Tod den israelischen Soldaten“ gefallen sein. Für viele Frankfurterinnen und Frankfurter war das ein Punkt, an dem Schweigen keine Option mehr war.
Sacha Stawski vom Verein „Honestly Concerned“ brachte es auf den Punkt: „Bundesweit und weltweit werden Grenzen überschritten.“ Und dann, ganz bewusst, setzte er seine Kippa auf und rief ins Mikrofon: „Ich bin Zionist.“ Starker Applaus. Seine Botschaft war unmissverständlich: „Antisemitismus kommt von rechts, von links und zunehmend aus der Mitte der Gesellschaft.“
Unter den Teilnehmenden war auch Christian Peters. Für ihn war die Kundgebung „ein wichtiges Statement“ – denn antisemitisches Gedankengut zeige sich im öffentlichen Straßenbild immer häufiger. Präsenz zeigen sei deshalb Pflicht. Ähnlich sieht das Elisabeth Hausen vom „Israelnetz Wetzlar“, die die Parole der Demo vom 18. Juli „ganz fürchterlich“ nannte.
Simone Hofmann erinnerte in ihrer Rede an den Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023: „Wer Verbrechen begeht, ist bereit, diese wieder zu begehen.“ Ihre Forderung: „Die Hamas muss entwaffnet und entmachtet werden.“ Anhaltender Applaus. Sie begrüßte außerdem ausdrücklich iranische Teilnehmende – Menschen, die selbst unter Unterdrückung gelitten haben und nun gemeinsam mit Frankfurterinnen und Frankfurtern auf dem Römerberg standen.
Auch die Politik meldete sich zu Wort: Frankfurts Ordnungsdezernent Martin-Benedikt Schäfer (CDU) betonte, dass Jüdinnen und Juden das Leben in Frankfurt geprägt hätten und es nach wie vor täten. „Wir werden als Politiker nicht schweigen, wenn Jüdinnen und Juden angegriffen werden.“ Ex-Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne) erinnerte mit starken Worten: „Die Schoah hat mit Schweigen begonnen, Menschen haben geschwiegen.“ Zudem standen weitere Rednerinnen und Redner bereit, darunter der hessische Antisemitismusbeauftragte Uwe Becker sowie Verkehrsdezernent Yannick Schwander (CDU).
Im „Fahrtor“ nahe des Historischen Museums versammelten sich rund 35 Menschen zu einer Gegenkundgebung pro Palästina. Die Stimmen über Megafon waren bis vor den Römer zu hören – die Rednerinnen und Redner der Israel-Kundgebung ließen sich davon jedoch nicht beirren und brachten ihre Botschaften klar rüber. Laut Polizei gab es bis Redaktionsschluss keine Zwischenfälle.
Israel-Fahnen, US-Fahnen, Iran-Fahnen – der Römerberg war an diesem Sonntag ein Ort des gemeinsamen Protests und der Solidarität. Die Botschaft ist klar: In Frankfurt hat Antisemitismus keinen Platz. Und wer glaubt, er könne unwidersprochen Hass auf die Straße tragen, bekommt Gegenwind – aus der Mitte der Stadtgesellschaft heraus.
Wir von Radio Frankfurt sagen: Danke an alle, die an diesem Tag Haltung gezeigt haben. Der Sound der Weltstadt klingt nach Zusammenhalt und Menschlichkeit.






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