Weltstar Engelbert bestellte per Eilnachricht 15 Gläser Mispelchen bei einer Frankfurter Manufaktur.
Sonntagabend, 19 Uhr, Frankfurt: Das Handy von Mirjam Kremer leuchtet auf – und der Absender lässt sie kurz staunen. Das Team von Schlager-Legende Engelbert (90) schreibt ihr: „Guten Abend, besteht die Chance, dass wir für den Künstler Engelbert noch am heutigen Sonntagabend 15 Stück Mispelchen zur Abholung erhalten?“ Eine eilige Bestellung, die es in sich hat – und die zeigt, wie tief Frankfurt im Herzen eines echten Weltstars verwurzelt ist.
Hinter dem Namen „Miss Pell“ steckt Mirjam Kremer, die von Frankfurt aus in kleiner Manufaktur das hessische Spezialitätengetränk Mispelchen herstellt und vertreibt. Ihre Handynummer ist auf der Homepage ihrer Manufaktur zu finden – genau dort landete die ungewöhnliche Anfrage aus dem Umfeld des Weltstars.
Doch wie kam Engelbert überhaupt auf dieses typisch Frankfurter Getränk? Die Antwort liegt Jahrzehnte zurück. Laut Heiko Günther, langjähriger Freund des Sängers und Planer seiner Deutschland-Auftritte, trank Engelbert schon in den 80er-Jahren Mispelchen in Frankfurt – teils in geselliger Runde mit anderen Promis wie Larry Hagman, Peter Falk und Peter Fonda. Seitdem hat das Getränk bei ihm einen ganz eigenen Spitznamen: „Schnappy Pappy“.
Engelbert war zuletzt für zwei Auftritte in Deutschland: am 15. August in Westhofen in Rheinland-Pfalz und einen Tag später im ZDF-Fernsehgarten in Mainz. Ursprünglich war auch ein Termin in Bremen geplant, der jedoch kurzfristig wegen eines neuen Albums verschoben wurde.
Nach dem Fernsehgarten-Dreh saß Engelbert beim Abendessen in einem Frankfurter Hotel – und plötzlich kam die Erinnerung zurück. Günther schildert die Szene so: „Da hat er gesagt: ‚What about a Schnappy Pappy?‘ Das hatten sie aber im Hotel-Restaurant nicht. Dann haben wir geguckt, wo wir es herbekommen.“ Engelberts Fahrer übernahm die Organisation – und fand Mirjam Kremers Nummer.
Kremer reagierte sofort und professionell. Bereits um 19.37 Uhr war die Bestellung abgeschlossen: 15 Gläser Mispelchen, abgeholt und direkt ins Hotel geliefert. So konnte Engelbert seinen Deutschland-Aufenthalt mit einem echten Stück Frankfurter Lokalkolorit im Glas beenden.
Auf seinen Social-Media-Kanälen schwärmt der Star anschließend in einem Video: „There’s a drink called Schnaps. Love that drink. I think I call it the Schnappy Pappy.“ Auch ZDF-Fernsehgarten-Moderatorin Andrea Kiewel (61) bleibt ihm in bester Erinnerung – er nennt sie eine „charmante Dame“ und lobt ihre Vorstellung in der Show in den höchsten Tönen.
Dass ausgerechnet ein Weltstar so verrückt nach diesem Getränk ist, überrascht Frankfurter Kenner kaum. In den Apfelwein-Vierteln wie Sachsenhausen hat das Mispelchen eine lange Geschichte. Die Frucht wird dort überwiegend als in Calvados oder Branntwein eingelegte Spezialität serviert. Und die handwerkliche Apfelweinkultur rund um solche Frankfurter Getränke-Traditionen wurde 2022 offiziell in die Unesco-Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen – ein Qualitätssiegel, das auch dem „Schnappy Pappy“ gut zu Gesicht steht.
Diese Geschichte ist ein echter Beweis dafür, was Frankfurt so besonders macht: Hier treffen Weltklasse und Kiez-Feeling aufeinander. Eine Frankfurterin mit ihrer kleinen Manufaktur, ein Weltstar mit einem Faible für hessische Spezialitäten – und 38 Minuten zwischen Anfrage und abgeschlossener Bestellung. Der Sound der Weltstadt klingt manchmal einfach nach einem Glas Mispelchen. Prost, Frankfurt!






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