Die CDU Frankfurt zieht ihre Absage-Forderung zum Thompson-Konzert in der Jahrhunderthalle zurück – doch SPD, Grüne und Linke bleiben bei ihrer Kritik.
Die Diskussion um das geplante Konzert des kroatischen Sängers Marko Perković alias „Thompson“ am 13. November in der Frankfurter Jahrhunderthalle nimmt eine neue Wendung. Hatten wir euch zuletzt berichtet, dass die CDU-Fraktion im Römer die Absage des Konzerts forderte – jetzt rudert sie zurück. Und das hat einen konkreten Grund.
Die CDU hat das Gespräch mit dem Veranstalter gesucht. Dabei teilte dieser mit, dass die „in der öffentlichen Debatte beanstandeten Lieder aus der Kriegszeit der 1990er-Jahre nicht Bestandteil des Konzertprogramms sein werden“. Für die CDU-Stadtverordnete Anita Akmadza ist das Argument: „Auf Grundlage der derzeit vorliegenden Informationen sehe ich deshalb keinen tragfähigen Grund für eine Absage des Konzerts.“ Gleichzeitig macht sie klar: Sollten konkrete Rechtsverstöße auftreten, müssten Veranstalter und Behörden konsequent handeln. Gegen Faschismus, Antisemitismus und Rassismus stehe die Fraktion weiterhin entschieden.
Während die CDU einen Schritt zurückmacht, bleiben andere Fraktionen klar auf Konfrontationskurs. Zuerst hatte die Linkspartei im Römer lautstark die Absage gefordert. Stadtverordneter Benjamin Aličić und Fraktionsvorsitzende Daniela Mehler-Würzbach erklärten: „Mit Faschismus macht man keine Geschäfte.“ Ihr Vorwurf: Thompson stehe seit Jahren wegen nationalistischer und faschistischer Symbolik in der Kritik. Konkreter Aufreger ist das Lied „Bojna Čavoglave“, das mit dem Worten „Za dom spremni“ beginnt – dem Gruß der faschistischen Ustaša-Regierung, die im Zweiten Weltkrieg für die systematische Verfolgung und Ermordung von Serb:innen, Jüdinnen und Juden sowie Roma und Sinti verantwortlich war und mit dem NS-Regime kollaborierte.
Am Freitag schlossen sich auch die Grünen dem Ruf nach einer Absage an – mit dem Argument: „Kunstfreiheit ist ein Grundpfeiler unserer Demokratie. Sie begründet aber keinen Anspruch auf jede Bühne.“ Und die SPD legte am Montag noch einmal nach. Stadtverordneter Rachid Khenissi nannte Thompson klar „einen Faschisten“ – wer Ustaša-Symbolik auf die Bühne trage, müsse auch so benannt werden. Stadtverordnete Dijana Avdić, zugleich Vorsitzende des Zentralrats der Serben Hessen, ergänzte: „Wer Ustaša-Symbolik als Folklore, Patriotismus oder bloße Provokation verharmlost, verschiebt bewusst Grenzen.“
Doch die Debatte hat auch eine andere Seite. Der Kroatische Weltkongress in Deutschland fordert eine differenziertere Einordnung. In einer Stellungnahme – die ausdrücklich „weder eine pauschale Rechtfertigung des Künstlers noch eine Aufforderung zu unkritischer Berichterstattung“ sein soll – betont die Organisation den historischen Kontext von Thompsons Musik. Für viele Kroat:innen seien seine Lieder untrennbar mit Erinnerungen an Krieg, Flucht, gefallene Angehörige und die Entstehung des heutigen demokratischen Kroatiens verbunden.
„Diese Bedeutung erklärt nicht jede Aussage und entzieht einen Künstler nicht der Kritik. Sie gehört aber zwingend zu einer vollständigen Einordnung“, heißt es in der Stellungnahme. Wer Thompsons Werk nahezu ausschließlich durch Ereignisse des Zweiten Weltkrieges betrachte, lasse den unmittelbaren Entstehungszusammenhang seiner musikalischen Laufbahn und die Erfahrungen seines Publikums außer Acht.
Fest steht: Der 13. November in der Jahrhunderthalle wird kein gewöhnlicher Konzertabend. Die politische Debatte rund um Thompson ist in Frankfurt längst angekommen – und sie zeigt, wie komplex solche Fragen sind, wenn Geschichte, Identität und politische Verantwortung aufeinandertreffen. Was bleibt? Ein Konzert, das weiterhin stattfinden soll – aber unter den Augen der gesamten Stadt. Wir halten euch auf dem Laufenden!






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