Die Usa bei Usingen im Taunus ist komplett trocken – und gibt Möbel, Autoreifen und mehr preis. Eine Müllsammelaktion zeigt, was im Bachbett steckt.
Der Sommer 2026 macht es gnadenlos deutlich: Im Taunus ist es so heiß und trocken, dass die Usa bei Usingen komplett kein Wasser mehr führt. Das Bachbett liegt trocken – und gibt dabei so einiges preis, was dort definitiv nicht hingehört. Möbel, Autoreifen, Glas, Alteisen – ein ganzes Sammelsurium taucht auf, mit dem man laut den Beteiligten fast einen eigenen Hausstand gründen könnte.
Der Bauhof Usingen hat die Trockenheit kurzerhand als Chance genutzt. Wadim Heinrich, der beim Bauamt für Baumpflege sowie für Unterhaltung, Sanierung und Renaturierung von Gewässern zuständig ist, startete gemeinsam mit Umweltranger Kai Blum und Reiner Fritz, dem Vorsitzenden des Fischereivereins, eine besondere Säuberungsaktion. Los ging es an der Walkmühle – zu Fuß, stiefelnd durchs trockene Usa-Bett, bis zur Kläranlage bei Kransberg.
Für Heinrich ist das übrigens keine Premiere: Schon 2018, als es das letzte Mal so extrem trocken war, hatte er genau diese Aktion ins Leben gerufen. Die drei konnten dabei meist im Schatten der dichten Bach-Begrünung laufen – ein kleiner Trost bei der Hitze. Alles, was sie fanden, wurde an mehreren Stellen gesammelt und aufgetürmt. Bauhofmitarbeiter holen die Fundstücke anschließend mit dem Transporter ab und entsorgen alles sachgemäß.
Interessant dabei: Nicht der gesamte Müll wurde von Menschen mutwillig in die Gewässer geworfen. Bei Hochwasser reißen die Fluten so manches aus Gärten und Wiesen mit, was dann im Gestrüpp der Bäche hängen bleibt. Neben der Müllsammlung nutzte Heinrich die Begehung auch, um das Bachbett genauer unter die Lupe zu nehmen – denn Äste und Steine können im Laufe der Zeit Hindernisse im Bachlauf bilden, die dann in speziellen Aktionen beseitigt werden müssen.
Reiner Fritz vom Fischereiverein hatte die Aktion begleitet, weil der Verein Teile der Usinger Gewässer gepachtet hat. Die Lage für die Fische ist ernst: Derzeit finden sie noch in einigen angelegten Gumpen – also besonders tiefen Stellen – oder am kleinen Staudamm des Bibers etwas Wasser. Wenn es aber nicht bald regnet, wird es laut Fritz düster. Lediglich vom Klärwerk fließt noch eine gewisse Menge gereinigten Wassers in den Bach.
Umweltranger Kai Blum hat dabei ein wachsames Auge auf etwas ganz Bestimmtes: Er kontrolliert, ob jemand illegal Wasser aus öffentlichen Gewässern entnimmt. Und das ist derzeit wirklich nicht erlaubt – nicht mal mit einem Eimer. Die Untere Wasserbehörde hat per Allgemeinverfügung die Entnahme von Wasser aus Oberflächengewässern bis auf wenige Ausnahmen untersagt. Erlaubt bleibt lediglich das Tränken von Weidetieren sowie das Schöpfen mit Handgefäßen zur individuellen Erfrischung. Die Verfügung gilt bis auf Widerruf, längstens bis zum 31. Oktober.
Wer sich nicht daran hält, riskiert übrigens richtig tief in die Tasche greifen zu müssen: Bis zu 10.000 Euro Strafe stehen auf unerlaubte Wasserentnahmen. Blum schaute dabei auch genauer hin, wenn entlang der Usa verdächtig grüne Krautgärten auffielen. Die vollständige Allgemeinverfügung ist online auf hochtaunuskreis.de unter „Verwaltung“ und „Bekanntmachungen“ zu finden.
Was diese Aktion in Usingen zeigt: Auch eine Extremsituation wie die aktuelle Dürre kann man nutzen, um der Natur etwas zurückzugeben. Drei Männer, ein trockenes Bachbett und ein klares Ziel – so sieht Umweltschutz vor Ort aus. Bleibt zu hoffen, dass der Regen bald zurückkommt. Für die Fische, für die Bäche und für den ganzen Taunus.






Wir schätzen Ihren Beitrag! Wenn Sie Fragen haben, uns Feedback geben oder einfach nur Hallo sagen möchten, steht Ihnen unser Team gerne zur Verfügung. Bitte zögern Sie nicht, uns über das unten angegebenen Kontaktformular zu kontaktieren.
Dein Beitrag für Radio Frankfurt
Kommentar verfassen
Teilen Sie uns Ihr Anliegen mit. Wir prüfen Ihren Beitrag und veröffentlichen ihn nach Freigabe.