Das Schwalbacher Naturbad kämpft erneut mit Bakterienproblemen und Sperrungen. Die FDP fordert jetzt eine Machbarkeitsstudie für ein Chlor-Freibad.
Wer in diesem Sommer ins Schwalbacher Naturbad wollte, brauchte vor allem eins: Geduld. Auch in der aktuellen Freibadsaison mussten beide Hauptbecken wegen zu hoher Bakterienbelastung mehrfach vorübergehend geschlossen werden. Schon im vergangenen Jahr lief es genauso. Kein Wunder also, dass die Geduld so mancher Schwalbacherinnen und Schwalbacher langsam aufgebraucht ist – und die FDP jetzt politisch die Reißleine zieht.
Das Schwalbacher Naturbad an der Wilhelm-Leuschner-Straße ist 2013 eröffnet worden und hat damals stolze 3,9 Millionen Euro gekostet. Es galt lange als Vorzeigeobjekt in der Rhein-Main-Region – ganz ohne Chemikalien, dafür mit biologischer Reinigung. Klingt gut, funktioniert aber offenbar nicht zuverlässig genug.
Regelmäßige Wasserproben des unabhängigen Instituts Fresenius haben immer wieder zu hohe Bakterienwerte nachgewiesen. Als Hauptverursacher wurden Nilgänse ausgemacht, die das Gelände bevölkern. Die Wasserversorgung Main-Taunus GmbH (WMT) als Betreiber hat vor der aktuellen Saison richtig Geld in die Hand genommen: Das Nichtschwimmerbecken und die biologische Reinigungsanlage wurden erneuert. Sogar nachts sind Mitarbeiter vor Ort, um die Nilgänse zu vertreiben. Trotzdem: Die Sperrungen kamen trotzdem wieder.
Die Fraktion FDP & Freie Bürger hat jetzt einen klaren Antrag gestellt. Der Magistrat soll prüfen, ob eine Umwandlung des Naturbades in ein konventionell betriebenes Freibad mit chlorgestützter Wasseraufbereitung technisch und wirtschaftlich machbar ist. Fraktionsvorsitzende Stephanie Müller bringt es auf den Punkt: Die Schwalbacher können zu Recht erwarten, dass ein steuerfinanziertes städtisches Freibad gerade in den Sommerferien zuverlässig geöffnet ist. Das ständige Hin und Her erschüttere das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger.
Außerdem geht es der FDP um mehr als nur den Badespaß – es geht um Sicherheit. Laut einer Studie im Auftrag der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) hat sich der Anteil der Grundschulkinder, die nicht schwimmen können, innerhalb weniger Jahre von 10 auf 20 Prozent verdoppelt. Dazu kommt der Klimawandel, der die Sommer heißer und länger macht. Da braucht es eine Infrastruktur, die auch bei langen Hitzeperioden zuverlässig läuft.
Dabei fordern FDP & Freie Bürger noch nicht das sofortige Aus fürs Naturbad. Stattdessen soll der Magistrat alle sinnvollen Alternativen gegenüberstellen – und zwar diese drei:
Für jede dieser Varianten sollen Investitionskosten, Betriebskosten, Folgekosten, Personalaufwand, Energieverbrauch, Ausfallrisiken, Wasserqualität, Betriebssicherheit und die voraussichtliche Nutzbarkeit während der Badesaison durchgerechnet werden. Tempo ist dabei ausdrücklich gewünscht: Die Ergebnisse sollen den politischen Gremien spätestens zum Beginn der Haushaltsberatungen vorliegen.
Erstmals diskutiert werden soll der Antrag am Mittwoch, 19. August, wenn der Ausschuss für Bau, Verkehr, Umwelt und Klimaschutz (BVUK) nach der Sommerpause zur ersten Sitzung zusammenkommt – um 19.30 Uhr im Bürgerhaus (Raum 7/8). Ob die Liberalen dort eine Mehrheit für ihren Vorstoß bekommen, bleibt abzuwarten.
Eines ist klar: Das Schwalbacher Naturbad steht vor einer Grundsatzdiskussion. Ob die biologische Idee eine Zukunft hat oder der Chlorgeruch bald über dem Bad liegt, entscheidet sich in den kommenden Monaten. Wir bleiben dran – hört rein bei Radio Frankfurt, dem Sound der Weltstadt!






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