Pippo Pollina begeisterte mit dem Palermo Acoustic Quintet die vollbesetzte Marienkirche in Ortenberg – ein unvergesslicher Abend bei seiner letzten Tournee…
25 Grad, ein laurer Sommerabend und eine vollbesetzte Kirche – so begann ein Konzertabend in Ortenberg, der lange in Erinnerung bleiben wird. Pippo Pollina, sizilianischer Cantautore und Musiker, gastierte auf Einladung der Kulturfreunde Ortenberg in der Marienkirche. Und das war kein gewöhnliches Konzert: Es handelte sich um seine letzte Tournee gemeinsam mit dem Palermo Acoustic Quintet. Wer dabei war, durfte also etwas wirklich Besonderes erleben.
Dörthe Herrler begrüßte die Gäste, und schon vor dem ersten Ton war die Begeisterung im Raum zu spüren. Vereinzelt standen Besucher auf, der Applaus schwoll bereits zu einem beachtlichen Niveau an – und das war alles andere als nur Vorschusslorbeeren.
Der Altarraum der Marienkirche wurde zur Bühne – und was für eine. Die besondere Akustik des Gotteshauses und seine eindrucksvolle Atmosphäre machten die Musik in ihrer ganzen Tiefe erlebbar. Zwischen Künstlern und Publikum entstand eine Nähe, die in einem normalen Konzertsaal kaum möglich gewesen wäre. Die Kirche hatte sich längst in einen Konzertsaal verwandelt, in dem getanzt, mitgewippt und mitgefiebert wurde.
Das Ensemble überzeugte mit fein abgestimmten akustischen Arrangements, virtusem Zusammenspiel und einer großen stilistischen Bandbreite. Mediterrane Wärme, musikalische Eleganz und ein feines Gespür für Dynamik prägten das Programm – von kraftvollen, mitreißenden Passagen bis hin zu leisen, nachdenklichen Momenten.
Der 1963 in Palermo geborene Giuseppe „Pippo“ Pollina ist nicht nur Musiker – er ist ein Geschichtenerzähler. Mit „Una musica anche domani“ eröffnete er den Abend und zog das Publikum sofort in seinen Bann. Er spielte Gitarre, setzte sich ans Klavier und schwang beim Percussion-Stück vor der Pause gekonnt das Tamburin.
Pollina erzählte von seinem Freund Giovanni, der seit Jahren gegen die Cosa Nostra kämpft. Mit dem Lied „Centopassi“ verarbeitete er diesen Kampf – und überzeugte gerade mit den leisen Tönen. Auch politisch wurde es im Laufe des Abends: „Das nächste Lied ist für Frieden – oder gegen Krieg.“ Auf seinem Album „Fra Guerra E Pace“ hat er sich intensiv mit Krieg und Frieden auseinandergesetzt. Als bekennender Pazifist und ehemaliger Kriegsdienstverweigerer hat Pollina schon lange mit seiner Musik Stellung bezogen – für Menschlichkeit, gegen Machtmissbrauch.
Zwischen den Liedern nahm sich Pollina Zeit für persönliche Einblicke: Er berichtete davon, wie seine Lieder entstehen – manchmal nach stundenlangem Sitzen am Klavier ohne Ergebnis, manchmal spontan beim Einkaufen im Supermarkt, festgehalten mit dem Handy. Humor hatte er ebenfalls im Gepäck: „Das nächste Lied habe ich vor Jahren geschrieben und weiß immer noch nicht, worüber es geht.“
„Camminando“ markierte einen emotionalen Höhepunkt des Abends. Bunte Leuchtstäbe wurden geschwenkt, in einem Kirchenflügel wurde getanzt, mitten in den Liedern brandete Applaus auf. Beim letzten Song stellte Pollina die Mitglieder seiner Band vor – Musiker aus verschiedenen Regionen Italiens, von Palermo bis Rom. Schlagzeug, Bass, Saxofon und Flöte: Jedes Solo wurde mit großem Applaus gefeiert.
Für die Zugabe setzte sich Pollina allein ans Klavier im Altarraum. Stille legte sich über die Kirche. Das Publikum hing an seinen Lippen und lauschte dem eindrucksvollen Finale eines musikalisch besonderen Sommerabends. Wer dabei war, erlebte den letzten Auftritt einer Formation, die es in dieser Besetzung nicht mehr geben wird – und das war in jedem Moment spürbar.



„Die unsichtbare Stadt



„Die unsichtbare Stadt
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