
Nur zehn Liter Regen im Juli 2026: Der Nidda-Stausee bei Schotten verhindert das Austrocknen des Flusses – wie lange reichen die Reserven noch?
Der Sommer 2026 macht es uns nicht leicht – zumindest wenn es ums Wasser geht. Nur rund zehn Liter Regen pro Quadratmeter sind im Juli rund um den Nidda-Stausee bei Schotten gefallen. Das ist erschreckend wenig! Und auch das gesamte erste Halbjahr 2026 war laut Stauseemeister Armin Hudetz vom Wasserverband Nidda extrem trocken. „Lediglich der Januar und der Februar waren normal. Da hatte es auch geschneit“, sagt Hudetz. Insgesamt sind in den ersten sieben Monaten des Jahres gerade einmal 258 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen – der Jahresmittelwert liegt bei 800 Litern. Da ist noch eine riesige Lücke zu schließen.
Dass die Nidda trotzdem nicht austrocknet, ist einem cleveren System zu verdanken: dem Nidda-Stausee bei Schotten. Seit Mitte März gibt der Stausee 100 Liter Wasser pro Sekunde in den Flusslauf ab – die sogenannte Mindestabgabe, um den Bachlauf am Leben zu erhalten. Gleichzeitig fließen derzeit nur rund fünf Liter pro Sekunde von der Nidda und dem Leunsbach zurück in den See. Das Ergebnis: Der Wasserspiegel des Stausees sinkt täglich um drei bis vier Zentimeter. Aktuell ist der See an der tiefsten Stelle noch 20,64 Meter tief.
Dazu kommen natürliche Verluste durch Verdunstung und Versickerung – rund 180 bis 200 Liter pro Sekunde gehen so verloren. Etwa die Hälfte davon gelangt ins Grundwasser und unterstützt damit langfristig den Grundwasserpegel in der Region. Ein kleiner Lichtblick in der großen Dürre.
Wer rund vier Kilometer oberhalb des Stausees im Bereich des Alteburgparks unterwegs ist, sieht das ganze Ausmaß der Trockenheit: Der Wasserfall am „Kammbrett“ ist kaum mehr als ein Rinnsal, der Leunsbach kurz vor dem Stauseezufluss fast vollständig eingetrocknet. Weiter unten in Rainrod hingegen ist dank des Stausees noch eine erstaunliche Menge Wasser in der Nidda zu sehen – das Prinzip der Talsperre funktioniert also genau so, wie es soll.
Für die Wasserqualität hat die Trockenheit sogar einen positiven Nebeneffekt. „Die Wasserqualität ist derzeit sehr gut“, erklärt Hudetz. Weil es kaum Niederschläge gab, wurde auch wenig Material von den umliegenden Wiesen und Wäldern in den See eingeschwemmt. Die Sauerstoffsättigung ist hoch, die Sichtbarkeit hervorragend – und die in Sommern oft problematische Blaualgenbildung ist bisher komplett ausgeblieben.
Entwarnung gibt es zumindest für die Trinkwasserversorgung in Schotten. Dirk Schneider, Leiter der städtischen Wirtschafts- und Versorgungsbetriebe (WVS), stellt klar: „Wir haben nirgendwo Probleme mit dem Trinkwasser.“ Die 15 Schottener Stadtteile werden über insgesamt 13 Tiefbrunnen mit entsprechenden Hochbehältern versorgt. Jährlich werden rund 100.000 bis 120.000 Kubikmeter Wasser gefördert und ins Versorgungsnetz eingespeist.
Trotzdem mahnt Schneider zur Vorsicht: „Der aktuelle gute Stand der Wasserversorgung entschärft die grundsätzliche Situation nicht.“ Die Folgen des anhaltenden Niederschlagsdefizits könnten erst in der Zukunft richtig spürbar werden – ein Gedanke, der nachdenklich stimmt.
Der Nidda-Stausee hält die Region aktuell über Wasser – im wahrsten Sinne des Wortes. Doch wie lange noch, wenn die Regenwolken ausbleiben? Der Sommer 2026 zeigt uns, wie wichtig ein funktionierendes Wassermanagement für unsere Region ist. Bleibt zu hoffen, dass die zweite Jahreshälfte mehr Niederschläge bringt – damit der Stausee wieder auffüllen kann, bevor die Reserven aufgebraucht sind. Wir halten euch auf dem Laufenden – der Sound der Weltstadt bleibt nah dran!






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