Das Frankfurter Noteingang-Projekt bietet Kindern seit 2008 Schutz in über 1.100 Geschäften – doch kaum jemand kennt es.
Stell dir vor: Dein Kind wird auf der Straße angesprochen, fühlt sich bedroht oder hat den Hausschlüssel verloren – und weiß nicht, wohin. Genau für solche Momente gibt es in Frankfurt das Projekt Noteingang. Seit 2008 signalisieren gelbe Aufkleber mit der Aufschrift „Noteingang, komm rein“ an mehr als 1.100 Geschäften in der ganzen Stadt: Hier bist du sicher. Hier bekommst du Hilfe. Hier ist dein Schutzraum.
Das Problem? Kaum jemand weiß davon. Und das wollen die Kinderbeauftragten im Nordend jetzt ändern!
Saskia Martinez-Parmantier ist Erzieherin und neu im Amt als Kinderbeauftragte für das Nordend. Und selbst sie kannte das Noteingang-Projekt lange nicht. „Wenn ich nichts damit anzufangen weiß, dann wissen das Kinder wahrscheinlich auch nicht“, sagt sie offen. Für sie ist das Anlass genug, aktiv zu werden: Sie will das Projekt deutlich sichtbarer machen und sich dafür einsetzen, dass noch mehr Frankfurter Geschäfte mitmachen.
Ins Leben gerufen wurde das Projekt übrigens vom Präventionsrat Frankfurt und der Polizei. Die Noteingänge helfen Kindern nicht nur bei gefährlichen Situationen auf der Straße – etwa wenn sie bedrängt oder von Fremden angesprochen werden. Auch ganz alltägliche Notlagen sind abgedeckt: verlorener Hausschlüssel, Toilettengang, ein Pflaster nach einem Sturz. Klein, aber enorm wichtig.
An ihrer Seite hat Martinez-Parmantier einen echten Profi: Lorenz Gempper geht bereits in seine dritte Amtszeit als Kinderbeauftragter und ist im Stadtteil bestens vernetzt. Er kennt die richtigen Ansprechpartner – und genau davon wird die neue Kollegin profitieren. Die Zusammenarbeit soll dabei bewusst unkompliziert sein: Die formelle Aufteilung in Nordend-West (Gempper) und Nordend-Ost (Martinez-Parmantier) wollen die beiden nicht zu streng handhaben. Fließende Grenzen, gemeinsames Auftreten – denn beide verstehen sich als Stimme aller Kinder im Nordend.
„Man soll wissen, dass es uns als Kinderbeauftragte gibt“, sagt Gempper. Geplant sind Flyer für Horte und Kitas, Aushänge in den Schaukästen des Ortsbeirats – und vor allem: persönliche Präsenz bei Veranstaltungen im Stadtteil. Denn ohne den direkten Kontakt zu Kindern, Eltern, Erzieherinnen und Lehrern geht nichts.
Neben dem Noteingang-Projekt haben die beiden noch einiges vor. Martinez-Parmantier stört es zum Beispiel sehr, dass die Wasserspiele im Günthersburgpark bereits um 18 Uhr abgestellt werden – ausgerechnet in einem Sommer mit Temperaturen weit über 30 Grad. Viele Eltern kommen erst gegen 16.30 Uhr aus dem Büro nach Hause. Mindestens eine Stunde länger sprudelnde Fontänen wären da ein echter Gewinn für Familien. Außerdem setzt sich das Duo für mehr Trinkbrunnen und mehr Schatten auf Spielplätzen ein – ein Thema, das angesichts des Klimawandels immer dringlicher wird.
Ganz oben auf der Liste steht außerdem die Verkehrssicherheit. Besonders im Blick: der künftige Schulweg zur Holzhausenschule. Die marode Fußgängerbrücke wird am 11. September abgerissen – danach sollen die Grundschulkinder die viel befahrene Eschersheimer Landstraße ebenerdig überqueren. Nachbesserungen zum Schutz der Kinder wurden bereits angemahnt.
Das Engagement der Kinderbeauftragten im Nordend zeigt: Es braucht Menschen, die genau hinschauen und laut werden – für die Sicherheit und das Wohlergehen der Jüngsten in unserer Stadt. Das Noteingang-Projekt ist dabei ein starkes Instrument, das endlich die Aufmerksamkeit verdient, die es schon längst haben sollte.
Haltet also die Augen offen: Der kleine gelbe Aufkleber an der Ladentür kann für ein Kind in Not einen riesigen Unterschied machen. Und wenn ihr ein Geschäft betreibt – warum nicht selbst mitmachen? Frankfurt zeigt Herz – das ist der Sound der Weltstadt!






Wir schätzen Ihren Beitrag! Wenn Sie Fragen haben, uns Feedback geben oder einfach nur Hallo sagen möchten, steht Ihnen unser Team gerne zur Verfügung. Bitte zögern Sie nicht, uns über das unten angegebenen Kontaktformular zu kontaktieren.
Dein Beitrag für Radio Frankfurt
Kommentar verfassen
Teilen Sie uns Ihr Anliegen mit. Wir prüfen Ihren Beitrag und veröffentlichen ihn nach Freigabe.