Die Rekordhitze in Hessen hat gezeigt: Frankfurt und Offenbach müssen beim Hitzeschutz in Wohnungen und beim Stadtgrün dringend nachlegen.
Ihr erinnert euch: In einem früheren Beitrag haben wir euch bereits vor der Hitzewelle im Rhein-Main-Gebiet gewarnt – mit Temperaturen von bis zu 36 Grad am Ferienwochenende. Doch was danach kam, hat noch mal eine ganz andere Dimension erreicht. Das Thermometer kletterte auf über 40 Grad, und die Nächte brachten kaum Abkühlung. Rettungsdienste in der Region rückten rund 50 Prozent häufiger aus als sonst, zusätzliche Wagen mussten organisiert werden, und Waldbrände verschärften die Lage zusätzlich.
Besonders erschreckend: Nach einer Schätzung des Robert-Koch-Instituts (RKI) sind in Hessen allein in der ersten Jahreshälfte rund 600 Menschen an den Folgen der Hitze gestorben. Bundesweit sollen es mehr als 5.100 Menschen gewesen sein. Das sind keine Zahlen aus einem fernen Land – das passiert hier, bei uns, in unserer Region.
Was viele nicht wissen: Während für Kälte in Wohnungen klare Regelungen und zahlreiche Gerichtsurteile existieren, gibt es für Hitze bislang keinerlei gesetzliche Grenzwerte. Rolf Janßen, Geschäftsführer des DMB Mieterschutzvereins Frankfurt, bringt es auf den Punkt: Eine Mieterin habe sich bei ihm gemeldet, weil sie sich in ihrer Wohnung wie „in einem Glutofen eingesperrt“ gefühlt habe. Verbindliche Standards für baulichen Hitzeschutz – etwa Klimaanlagen – fehlen bis heute, genauso wie eine faire Kostenregelung. Janßen sieht die Politik klar in der Pflicht: „Es geht ja letztendlich um die Gesundheit und das ist auch ein gesamtgesellschaftliches Thema.“
Auch der Mieterbund Offenbach bestätigt, dass Sommerhitze viele Wohnungen schutzlos trifft. Ein Dilemma: Schärfere Bau- oder Dämmvorschriften würden die Mieten weiter in die Höhe treiben – und in Offenbach, einer Stadt mit der laut eigenen Angaben geringsten Kaufkraft in Deutschland, ist das für viele Menschen schlicht nicht tragbar.
Genau diesen Widerspruch beschreibt Selina Müller von der Initiative Stadtfieber, die sich in Offenbach für eine sozial gerechte Wärmewende einsetzt: „Offenbacher können sich hohe Renditen für Investoren oft gar nicht leisten.“ Das Ergebnis: Kaum jemand investiert in effiziente, klimaneutrale Heizsysteme oder wirksamen Hitzeschutz. Müller selbst musste während der jüngsten Hitzewelle mit Anzeichen eines Hitzschlags in den Keller ausweichen. Ihr Urteil ist eindeutig: „Es wurde einfach nicht investiert in diese Gebäude. Der Zustand ist nicht mehr haltbar.“
Die Stadt Offenbach verweist auf ihren Hitzeaktionsplan – sie war nach eigenen Angaben eine der ersten deutschen Städte, die einen solchen bereits 2020 erarbeitet hat – sowie auf bestehende Maßnahmen wie Entsiegelung, Begrünung und Förderrichtlinien. Für die Zukunft kündigt sie das Innenstadtkonzept „Grüne Mitte“ sowie eine Ergänzung der Wärmeplanung um eine Kälteplanung an. Konkrete Zeitpläne oder Budgetzahlen nennt die Stadt allerdings nicht.
Niko Martin, Vorstandsmitglied im BUND Hessen und Geschäftsführer des BUND Zentrum für Stadtnatur, zieht den Hitze-Check der Deutschen Umwelthilfe heran: Frankfurt und Offenbach stehen demnach beim Hitzebetroffenheitsindex auf „Rot“ – der schlechtesten Stufe. Sein Fazit: „Mittel- bis langfristig müssen Städte umgebaut werden.“ Entsiegeln, Grün pflanzen, Bäume schützen und mehr Platz für Natur schaffen – das sind für ihn keine Wünsche, sondern Notwendigkeiten.
Als konkreten Maßstab nennt er die sogenannte 3-30-300-Regel: Aus dem Fenster sollten drei Bäume sichtbar sein, Stadtviertel sollten 30 Prozent Baumüberschirmung haben, und die nächste Grünfläche sollte maximal 300 Meter entfernt sein. Und er betont: Das ist auch eine Frage der Umweltgerechtigkeit – auch Menschen in einkommensschwächeren Gebieten haben ein Recht auf Grün und Abkühlung.
Frankfurt plant derweil konkrete Schritte: die Erweiterung des Günthersburgparks, die Umgestaltung von Riedbergplatz und Atzelbergplatz sowie den Schutz bestehender Grünräume wie Grüngürtel und Wallanlagen. Bei Gebäuden setzt die Stadt auf energetische Sanierung, Photovoltaik sowie Dach- und Fassadenbegrünung.
Die Rekordhitze hat schonungslos offengelegt, wo Frankfurt und Offenbach noch aufholen müssen: im Mietrecht, beim Hitzeschutz in Bestandswohnungen und beim Stadtumbau hin zu mehr Grün. Wer jetzt noch abwartet, riskiert, dass der nächste heiße Sommer – und der kommt bestimmt – wieder Menschen das Leben kostet. Der Sound der Weltstadt muss auch ein Statement für eine lebenswerte, klimaresistente Stadt sein. Bleibt informiert – und hört rein!






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