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Mit 83 noch im Laden: Frankfurter kämpft für sein Lebenswerk

Ein 83-jähriger Frankfurter arbeitet täglich in seinem Laden, weil kein Nachfolger in Sicht ist. Bis 2030 suchen bundesweit 186.

Redaktion
·
31. Juli 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 1 Monat

Ein 83-Jähriger und sein Versprechen an sich selbst

Jeden Tag steht er in seinem Laden – mit 83 Jahren. Ein Geschäftsmann aus dem Frankfurter Süden, der lieber anonym bleiben möchte, übt ein selten gewordenes Handwerk aus und sagt ganz klar: „Wenn ich Schluss mache, wird es diesen Betrieb nicht mehr geben.“ Und genau das will er verhindern. Sein Lebenswerk soll nicht einfach verschwinden – also macht er weiter. Eine Geschichte, die bewegt. Und eine, die leider kein Einzelfall ist.

186.000 Betriebe suchen bis 2030 einen Nachfolger

Was dieser Frankfurter erlebt, spiegelt ein riesiges Problem wider, das gerade ganz Deutschland beschäftigt. Laut Zahlen des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn stehen bis 2030 bundesweit rund 186.000 Unternehmensübergaben an. Für Hessen allein werden etwa 13.600 Übergaben erwartet. Klingt viel – aber das eigentliche Problem ist die fehlende Nachfrage. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) schätzt das Verhältnis von Angebot zu Nachfrage auf schlechter als 2:1. Das heißt: Auf zwei Betriebe, die einen Nachfolger suchen, kommt gerade mal einer, der übernehmen will.

Die Folge ist dramatisch. Bundesweit erwägen 27 Prozent jener Unternehmen, die von ihrer regionalen IHK wegen einer möglichen Übergabe beraten werden, am Ende eine Betriebsaufgabe. Gesunde, „übergabefähige“ Firmen schließen einfach, weil sich kein Käufer oder Nachfolger findet.

Frankfurt und das Handwerk: Zahlen, die wachrütteln

Auch im Frankfurter Handwerk ist der Generationenwechsel längst angekommen. Vanessa Falkenstein, Sprecherin der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main, macht das an konkreten Zahlen fest: „36 Prozent der Einzelunternehmer aus unserem Bereich sind älter als 55 Jahre.“ Besonders betroffen sind laut Falkenstein Maler und Lackierer, Metallbauer und Tischler.

Und die Beratungsgespräche der Kammer sprechen eine deutliche Sprache: Rund 40 Prozent davon drehen sich ums Thema Nachfolge. Betriebsinhaber suchen gezielt Unterstützung, um ihr Unternehmen in gute Hände zu übergeben. Doch die passenden Hände fehlen oft.

Mehr als ein wirtschaftliches Problem

Peter Adrian, Präsident des bundesweiten IHK-Dachverbandes, schlägt Alarm: „In Deutschland bricht uns damit immer mehr von unserer wirtschaftlichen Basis weg. Das können wir uns nicht leisten. Wir verlieren dadurch Innovationsimpulse und Wachstumskraft, wir müssen endlich das Ruder herumreißen, damit Unternehmertum wieder attraktiv wird.“

Adrian macht dabei klar, dass es nicht nur um einzelne Betriebe geht. Verschwindet ein Industriebetrieb mit Spezialangeboten, kann eine ganze Wertschöpfungskette darunter leiden. Schließt ein Gasthof auf dem Land, geht ein Ort der Begegnung verloren. Und mehr Leerstände in Innenstädten schwächen ganze Stadtteile. Die Standortqualität einer ganzen Region kann leiden – das betrifft auch Frankfurt direkt.

Fachkräfte und Azubis: Die zweite große Baustelle

Parallel zur Nachfolgeproblematik kämpfen die Betriebe noch an einer zweiten Front. Falkenstein von der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main bringt es auf den Punkt: „Fachkräfte und Auszubildende suchen nahezu alle Handwerksbetriebe, mit denen wir in Kontakt stehen.“ Die Kammer setzt deshalb auf kreative Lösungen: Das Projekt „Azubibotschafter“ schickt Auszubildende direkt in Schulen, um für ihren Beruf zu werben. Mit „YourPUSH“ werden gezielt Studienzweifler angesprochen – Menschen, für die ein praktischer Beruf vielleicht die bessere und finanziell attraktivere Wahl wäre. Dabei gibt es eine enge Kooperation mit der Frankfurt University of Applied Sciences.

Frankfurt, handelt jetzt!

Der 83-jährige Handwerker aus dem Frankfurter Süden steht sinnbildlich für Tausende Unternehmer in unserer Stadt und Region, die ihr Lebenswerk nicht einfach aufgeben wollen. Sein Engagement ist beeindruckend – und sein Appell ist klar. Wer sich für eine Betriebsübernahme interessiert oder mehr über die Möglichkeiten im Frankfurter Handwerk erfahren möchte: Angebote gibt es genug. Es fehlen die Menschen, die den Mut haben, zuzugreifen. Vielleicht bist du einer davon?

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