
Messerattacke auf der Zeil: Ein 26-Jähriger wurde dreimal niedergestochen – jetzt stehen drei Cousins wegen versuchten Mordes vor dem Frankfurter Landgericht.
Die Zeil – Frankfurts bekannteste Einkaufsstraße, ein Ort, an dem normalerweise gute Stimmung herrscht. Doch was an einem Novembernachmittag dort passierte, landete jetzt vor dem Frankfurter Landgericht. Drei junge Männer müssen sich wegen versuchten Mordes verantworten. Ein 26-Jähriger wurde dreimal niedergestochen – und überlebte nur knapp.
Die Stimmung war entspannt: Ein DJ spielte arabische Musik, rund 200 Schaulustige bildeten einen Kreis, eine Gruppe junger Männer tanzte. Mittendrin begann ein 26-Jähriger, zwei Frauen anzutanzen. Die Frauen selbst störte das offensichtlich nicht – anders eine Gruppe junger Männer, die daraufhin auf die Tanzfläche kam und den Tänzer und seine Begleiter zur Rede stellte.
Aus einem Wortgefecht wurden schnell Handgreiflichkeiten. Einer der Angreifer setzte Pfefferspray ein. Der 26-Jährige wehrte sich mit einem Regenschirm und schlug das Spray aus der Hand seines Angreifers. Die Antwort darauf: ein Messer. Der Angreifer stach dreimal zu. Ein Stich traf das Opfer im Brustbereich, einen weiteren konnte er mit dem Oberarm abwehren, ein dritter traf den Oberschenkel. Danach prügelten alle drei Angreifer auf den Schwerverletzten ein, bevor dieser sich in die Menge retten konnte.
Das Trio flüchtete zunächst – doch einige Tage später wurden alle drei identifiziert und festgenommen. Seit Dienstag sitzen die drei Cousins, alle 20 Jahre alt, auf der Anklagebank des Frankfurter Landgerichts. Die Kammer nutzte zur Aufarbeitung des Vorfalls unter anderem sieben verschiedene TikTok-Videos, die das Tanzgeschehen und die anschließende Auseinandersetzung dokumentieren.
Einer der Angeklagten schweigt. Der Hauptangeklagte – derjenige, der Pfefferspray und Messer einsetzte – ließ über seine Anwältin ausrichten, er sei zuvor beleidigt und mit einer Flasche geschlagen worden, habe sich bedroht gefühlt. Auf den gezeigten Videos ist davon allerdings nichts zu sehen. Nachfragen will er nicht beantworten.
Besonders brisant: Der Polizei liegen Chat-Nachrichten der Gruppe vor. Darin brüstet sich einer der Angeklagten sinngemäß damit, „wir haben die ordentlich gelöchert“. Sein Verteidiger räumte ein, nicht verstehen zu können, warum sein Mandant den Messereinsatz im Nachhinein gutgeheißen hat. Gleichzeitig bat er das Gericht, die Familienstruktur zu berücksichtigen, in der die drei Cousins in Afghanistan aufgewachsen seien. Die Fluchtgeschichte durch mehrere Länder habe bei seinem Mandanten das Gefühl gestärkt, der Zusammenhalt der Gruppe gehe über alles. Was das konkret für die Ereignisse auf der Zeil bedeutet, ließ der Verteidiger jedoch offen.
Das Gericht hat Verhandlungstermine bis Ende Oktober angesetzt, um die Ereignisse jenes Novembernachmittags vollständig aufzuklären. Der Fall zeigt: Mitten in Frankfurt, auf einer der belebtesten Straßen der Stadt, kann eine harmlose Situation blitzschnell in Lebensgefahr umschlagen. Radio Frankfurt bleibt für euch dran und hält euch auf dem Laufenden – der Sound der Weltstadt berichtet, was euch bewegt.






Wir schätzen Ihren Beitrag! Wenn Sie Fragen haben, uns Feedback geben oder einfach nur Hallo sagen möchten, steht Ihnen unser Team gerne zur Verfügung. Bitte zögern Sie nicht, uns über das unten angegebenen Kontaktformular zu kontaktieren.
Dein Beitrag für Radio Frankfurt
Kommentar verfassen
Teilen Sie uns Ihr Anliegen mit. Wir prüfen Ihren Beitrag und veröffentlichen ihn nach Freigabe.