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Mehrgenerationenhaus im Gallus: 600 Menschen bangen um ihr zweites Zuhause

Das Mehrgenerationenhaus KIZ Gallus in Frankfurt verliert seinen Mietvertrag – 600 Menschen bangen um Angebote, die ihr Alltag sind. Alle Infos zur Lage.

Redaktion
·
23. August 2026
Bild ist mit Hilfe von KI generiert
Zuletzt aktualisiert: vor 3 Wochen

Ein Haus für alle – doch der Mietvertrag läuft aus

Im Gallus gibt es einen Ort, an dem Stimmen in vielen Sprachen durcheinanderklingen, wo Mütter gemeinsam frühstücken, Senioren neue Freundschaften schließen und Kinder spielen: das Mehrgenerationenhaus „Kinder im Zentrum Gallus“ (KIZ) in der Idsteiner Straße 91. Rund 600 Menschen nutzen die Angebote des Hauses – jeden Tag, jede Woche. Doch jetzt ist die Zukunft dieses besonderen Ortes in ernster Gefahr. Der Mietvertrag läuft zum Jahresende aus. Und eine Lösung? Die ist noch nicht in Sicht.

Was das KIZ Gallus so besonders macht

Das Mehrgenerationenhaus bietet weit mehr als einen Treffpunkt. Hier gibt es eine Kindertagesstätte mit Kindergarten, Krippe und Hort, ein Familienzentrum mit Hebammensprechstunde, Gesundheitsprävention wie Fahrradfahrkurse, Sprachkurse und Projekte zur Qualifizierung am Arbeitsmarkt. Auch Menschen ab 60 Jahren finden hier ihren Platz – zum Beispiel, um sich ehrenamtlich einzubringen. Sogar ein eigener Gallus-Garten gehört dazu, in dem Anwohnerinnen und Anwohner gemeinsam gärtnern und Pflanzenpatenschaften übernehmen können.

133 Mitarbeitende betreuen die vielfältigen Angebote. Jeden Freitag versammeln sich etwa 50 Frauen zum Frauenfrühstück im Familienrestaurant des Hauses – ein fester Anker im Alltag vieler Besucherinnen. „Das Haus ist für die Frauen ein zweites Zuhause, in dem sie frei sind und über alles sprechen können“, sagt Mounia, die den Frauentreff seit mehreren Jahren leitet.

Das Drama hinter den Kulissen

Der Mietvertrag für das rund 4.700 Quadratmeter große Gebäude mit der Eigentümerin, der Instone Real Estate Group mit Sitz in Berlin, endet zum Jahresende. Die Instone Group hatte das Gebäude vor sieben Jahren von einem privaten Eigentümer gekauft und wollte ursprünglich Eigentumswohnungen bauen. Das städtische Dezernat Immobilien und Bildung unter Sylvia Weber (SPD) schaltete sich ein, um das Haus zu erhalten – schließlich übernimmt die Stadt laut Vereinsvorständin Ursula Werder 99 Prozent der Mietkosten von monatlich 41.000 Euro Kaltmiete.

„Für uns ist das hochdramatisch“, sagt Werder. Seit fast sechs Jahren suchen alle Beteiligten nach einer Lösung. Doch die Verhandlungen zwischen Stadt und Eigentümerin sind bislang ergebnislos geblieben: Der Kaufpreis für das Gebäude liegt zu weit auseinander. Instone signalisiert zwar Gesprächsbereitschaft und betont, eine tragfähige Lösung finden zu wollen – doch ohne ein entgegenkommendes Preisangebot bleibt alles in der Schwebe.

Stadt prüft alle Optionen – Aufgabe ist keine

Das Bau- und das Sozialdezernat der Stadt Frankfurt teilen mit, sich „nach wie vor in intensiven Verhandlungen“ mit der Instone Real Estate zu befinden. Geprüft wurden verschiedene Szenarien: eine Verlängerung des Mietvertrags, eine ersatzweise Unterbringung, ein Ankauf oder auch ein Grundstückstausch. Eines steht dabei fest: „Eine Aufgabe der im Mehrgenerationenhaus untergebrachten Einrichtungen ist keine Option.“

Auch der Trägerverein selbst hat bereits einen Makler eingeschaltet, um alternative Räumlichkeiten zu finden – bisher ohne Erfolg. „Wir wollen im Gallus bleiben. Anderenfalls würden wir die meisten unserer Klientinnen und Klienten verlieren“, betont Werder. Passende Gebäude in der Größe und Lage sind schlicht schwer zu finden.

Was auf dem Spiel steht

Beim Frauenfrühstück bringt es eine junge Frau aus Marokko auf den Punkt: „Ich habe Freunde aus der Nachbarschaft hierhergebracht, die einsam sind. Wir sehen andere Gesichter, und wir vergessen unseren Stress zu Hause.“ Eine Seniorin aus Bosnien und Herzegowina ergänzt: „Wir lernen verschiedene Nationalitäten kennen.“ Genau das ist es, was das KIZ Gallus ausmacht – und was bei einem Aus unwiederbringlich verloren gehen würde.

Die nächsten Wochen werden entscheidend sein. Frankfurt braucht diesen Ort. Bleibt zu hoffen, dass Stadt und Eigentümerin doch noch zueinanderfinden – bevor der Countdown abläuft.

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